Der gütige Landesvater oder warum lernt Russland nicht von Deutschland?

Der gütige Landesvater oder warum lernt Russland nicht von Deutschland?
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Irgendwann in den 90er Jahren wurde das Geld knapp in Deutschland. Oder aber die Menge der zu lösenden Aufgaben wuchs. Und so begann die Bundesregierung nach neuen Geldquellen zu suchen und wurde fündig. Die Lösung war radikal, aber effektiv. Russland hat auch Geldprobleme. Hier geht man den Weg des gütigen Landesvaters, obwohl die Russen wissen, dass viele Dinge in Russland nur dann funktionieren, wenn mit harter Hand regiert wird.

Geld reicht nie für die zu lösenden Aufgaben – in keinem Land dieser Welt. Und in den 90er Jahren stellte man in Deutschland fest, dass sehr viel zu tun ist in dem wiedervereinigten Land und um alles möglichst schnell und gut zu machen, brauchte man Geld. Und die Finanzspezialisten dachten nach. Unter anderem kamen sie auf den guten Gedanken des Solidaritätspfennigs. Heute sollte diese steuerliche Einrichtung etwas modernisiert werden – aber das ist jetzt nicht mein Thema.

Eine viel wichtigere und effektivere Maßnahme für die Geldbeschaffung war, dass man die versteckten Gelder der Deutschen suchte, irgendwo im Ausland, wo die deutschen Staatsbürger Zinsen verdienten, diese aber nicht versteuerten. Also die gesetzestreuen Deutschen unternahmen vielfältige Anstrengungen, um die Gesetze nicht einzuhalten. Der Staat brachte seine Zivilspione in Stellung, schleuste sie wohl in den verschiedensten Banken dieser Welt ein und die lieferten die CD mit den dringend benötigten Daten. Dann griff der deutsche Staat mit seiner Rechtsgewalt zu.

Allerdings hatte der deutsche Staat vorher seinen Bürgern ausreichend Zeit und Gelegenheit gegeben, sich nackig … äh, ehrlich zu machen, d.h. sich selber anzuzeigen, Steuern in nicht unerheblichem Umfang nachzuzahlen, aber danach ein reines Gewissen zu haben.

Die Praxis der letzten Jahre zeigt, dass dies nicht alle Deutschen getan haben, denn die Finanz- oder CD-Skandale der letzten Jahre sprechen für sich.

Aber das Deutschland anscheinend vieles richtig macht, ist unbestritten, denn, so weiß das die ganze Welt, Deutschland ist ein wohlhabendes Land und auch den Bürgern geht es im Prinzip gut – auch wenn nicht alle Millionäre oder doch zumindest wohlhabend sind. Deutschland und die Deutschen verstehen es also mit Geld zu arbeiten.

Russland hat ähnliche Probleme wie Deutschland. Es gibt viele Aufgaben zu lösen und das Geld reicht nicht. Viel Geld befindet sich im Ausland. Der Grund hierfür ist allerdings ein anderer, als der der Deutschen. Deutsche wollten Geld verdienen mit Zinsen. Die Russen wollten ihr Geld einfach nur in einer sicheren Bank parken und die gab es bis 2013 nicht in Russland.

Russland bringt jetzt, in einem beeindruckenden Tempo, viele Dinge wieder in Ordnung. So auch alles, was mit Finanzen, Banken, Kapital, Unternehmertum zu tun hat.

Hierzu gehört auch, genau wie in Deutschland, die Kapitalamnestie. Russland hat sich für die seichtere Art entschieden. Und trotz der seichten Kapitalamnestie, scheinen die Russen davon nicht begeistert zu sein, denn der gütige Landesvater verlängert die Kapitalamnestie nun schon zum dritten Mal – wenn ich richtig mitgerechnet habe.

Die Kapitalamnestie in Russland schlägt vor, dass derjenige, der Kapital – egal in welcher Form – im Ausland hat, dies den russischen Steuerbehörden anzeigt. Man will nicht wissen, woher das Geld kommt, wie es verdient worden ist, ob es kriminelle Dinge gibt. Und auch der Datenschutz wird versprochen – also keine Informationen an andere russische Behörden.

Wer sein Kapital als Privatperson zurückführt, zahlt eine einmalige kleine, eher symbolische Steuer und ist damit vor dem Gesetz sauber und mit seinem Gewissen im reinen. Wer sein Geld zurückführt und in die russische Wirtschaft investiert, wird steuerbefreit und kann irgendwann vielleicht sogar auf einen Orden rechnen – für die patriotische Unterstützung des russischen Vaterlandes. Allerdings hat sich der gütige Landesvater bei dieser Verlängerung der Kapitalamnestie etwas einfallen lassen. Derjenige, der sein Geld zurückführt, muss es in den Sonderzonen, sprich Offshore-Zonen, investieren. Dann ist er ebenfalls steuerbefreit. Der Vorteil für den russischen Staat: man kann zeigen, dass die Offshore-Zonen existieren, wirklich arbeiten und all das bieten (vielleicht sogar noch etwas mehr), was auch die anderen westlichen Offshore-Zonen haben. Bisher hält sich der Zuspruch zu den Offshore-Zonen in Russland in Grenzen. Es ist eben nicht so einfach, notwendiges Vertrauen aufzubauen.

Also, der Prozess ist mühselig. Die russischen Millionäre und Milliardäre trauen dem Land nicht, in dem sie diese Millionen und Milliarden verdient haben. Und für mich steht die Frage, wann der russische Staat sich so stark fühlt, dass er endlich die Erfahrungen Deutschlands nutzt und mit eiserner Faust zugreift bei denen, die genügend Vertrauen haben, Geld in Russland zu verdienen und doch so wenig Vertrauen in dieses Land haben, um es in diesem Land zu belassen und zum Wohle der Allgemeinheit, wieder in den russischen Wirtschaftskreislauf zu bringen.

Die neue Kapitalamnestie, erlassen vom gütigen russischen Landesvater, ist bis 1. März 2020 gültig. Bis dahin hat Elvira Nabiullina, die eiserne Finanzlady und Chefin der russischen Zentralbank, auch abschließend im Bankensektor aufgeräumt und alle Voraussetzungen sind geschaffen – vorausgesetzt, der Einlagensicherungsfond wird von lächerlichen 1,4 Mio. Rubel auf 14 oder 140 Mio. Rubel angehoben, dass das russische Kapital aus dem Ausland zurückkommen kann.

Somit bleibt zu hoffen, dass es zu keiner vierten Verlängerung der Kapitalamnestie im März 2020 kommt. Ausnahmsweise kann ich in diesem Falle mal empfehlen, sich an Deutschland zu orientieren.

 

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Kommentare ( 3 )

  • boromeus

    Veröffentlicht: 4. Juni 2019 10:27 pm

    "Deutschland ist ein wohlhabendes Land .den Bürgern geht es im Prinzip gut"Ein Propaganda Märchen der FDJ-Sekräähhterin.Wenn Menschen nach teilweise 52 Jahre Arbeit nicht in der Lage sind ihren Lebensabend zu bestreiten,weil immer mehr Menschen in Privatinsolvenzen geraten,weil sie Mietschulden anhäufen,wenn in NDS 5 Milliarden Euro notwendig sind,um marode Schulen in denen man Fenster zuschraubt,weil sie herausfallen und Planschbecken als Wasserauffang einsetzen muss ,wenn alte Frauen am Ende ihres Lebens sich in Hilfsküchen anstehen müssen,um Lebensmittel zu erhalten und dann von"Willkommenen"bepöbelt werden,wenn Krankenkassen 2 Milliarden Überschuss erwirtschaften,aber Versicherten grundsätzlich Leistungen kürzen,wenn Frauen nachts um ihre Unversehrtheit fürchten müssen und wir nach fast 30 Jahren immernoch am Wiederaufbau des Ostens zahlen,im Westen dafür Ruinen entstehen,ja.. dann geht es uns wirklich sehr gut.Da versteht man auch Leute die im Oblast "Neu-Deutschland" bauen wollen

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 4. Juni 2019 11:12

      ... Sie sind jetzt aber kein Nestbeschmutzer - oder?

  • boromeus

    Veröffentlicht: 4. Juni 2019 17:58 pm

    Fakten,die ich im Gegensatz zu Ihnen jeden Tag selber erlebe."Im Land in dem es sich gut leben lässt"(Zitat )Das kann Sie ja nicht berühren,da Sie ja das Ganze aus der Ferne vom Gartenzaun aus beurteilen.Dazu Informationen aus zweiter oder dritter Hand bekommen.Sie haben es ja vorgezogen, die verbrannte Erde des glorreichen Sozialismus anderen im Wiederaufbau zu überlassen.Auch eine Art seine Soledarität zu demonstrieren.Und ja ,Sie haben Recht.Wer heute in der,wie sagte man früher in der Zone:" BRD "Klartext redet,ist sofort ein Unbequemer,ein Nestbeschmutzer,ein Reichsbürger,Rechter,oder Nazi.Allein dieses Wort reicht schon und Schwupp erstirbt jede Diskussion.Wie praktisch das doch ist oder?Lieber ein überheblichen Deutscher,der noch den Arxx in der Hose hat ,den Mund aufzumachen und sich nicht verbiegen lässt,als Zeitgenossen,die schon braune Kriechringe am Hals tragen.
    Lieber ein direkter und geradliniger Nestbeschmutzer...wie ein Fähnlein ,das sich ständig im Winde dreht........

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 4. Juni 2019 18:14

      ... merken Sie überhaupt noch, wie Sie sich ihre Kommentare und Meinungen hinbiegen und sich immer mehr auf die persönliche Ebene begeben. Was müssen Sie für ein verbitterter Mensch sein. Sie erlauben sich aus der Ferne vernichtende Urteile über Russland (Kaliningrad) und stellen in Zweifel, dass ich über Deutschland real urteilen kann. Schade, dass Sie sich immer mehr der Gruppe Personen nähern, mit denen ich nicht wirklich ernsthaft diskutieren kann.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 5. Juni 2019 13:59 pm

    Hallo boromeus,
    In vielen Dingen, nicht in allen, stimme ich Ihnen vollkommen zu.
    Es ist auf jeden Fall richtig, daß Deutschland eigentlich ein reiches Land ist, vor allem an materiellen Dingen. Die Frage ist doch nur, wie hat es diesen Reichtum erworben und wie ist dieser Reichtum im Lande verteilt? Sie haben vollkommen Recht, daß es eine Riesenschande ist, daß ca. 20% der Bevölkerung an oder unter der Armutsgrenze leben müssen und all die anderen von Ihnen angesprochenen eigentlichen Unmöglichkeiten, auch der miesen Renten. Aber das liegt doch nicht an einer Person. Die Neuberechnung der Armuts-Renten passierte bereits unter Kohl.und wurde unter dem "sozialen" Kanzler der Bosse fortgeführt. Aber alle diese Leute wurden doch und werden getragen von einem System, dem die "Wähler" alle vier Jahre für einen Kugelschreiber oder ein T-Shirt wieder zustimmen. Es sind jedesmals die selben oder gleichen verlogenen teils ungebildeten Parteileute, die wieder sich einen Platz gesichert haben.

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