Deutsche und Deutsches haben es nicht einfach im Ex-Königsberg. Warum?

Deutsche und Deutsches haben es nicht einfach im Ex-Königsberg. Warum?
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Kleinvieh macht auch Mist und hundert Kopeken sind auch ein Rubel – sagt man wohl in Deutschland. Und so muss man wohl auch die gegenwärtigen gesellschaftlichen Emotionen verstehen, die im Rahmen der Bekämpfung jeglicher Germanisierungserscheinungen aufflammen.

Seit 1995 lebe ich in Kaliningrad und hatte viele Jahre den Eindruck, dass Deutsche und Deutsches in Kaliningrad hoch verehrt sind. Kaliningrader Türen standen alle offen, für die Deutschen. Man brauchte noch nicht mal anzuklopfen. In einem Gespräch mit einem russischen Bekannten formulierte ich: „… die Deutschen hatten Narrenfreiheit“. Mein Bekannter, ein bekennender Deutschkritiker formulierte: «Немцы охуели» … hm, ich möchte das doch lieber nicht übersetzen.

Videoeinspielung Gruppe Leningrad

An irgendeiner Stelle müssen die Deutschen es dann wohl übertrieben haben, in ihrer Selbstdarstellung, im Bemühen, den Russen zu zeigen, wie man zu leben und zu arbeiten hat. Vielleicht gab es aber auch andere Momente – irgendwie kreist mir das Jahr 2014 und der Monat August im Kopf herum … ich muss noch mal nachschauen, was da war … also kurz, irgendein Ereignis war da, welches russische patriotische Kräfte mobilisiert hat. Diese machen seit diesem Zeitpunkt verstärkt Jagd auf alles, was auch nur im leisesten den Verdacht aufkommen lässt, dass hier deutscher Einfluss wächst.

Videoeinspielung Gruppe Leningrad

Nun, ich kenne natürlich viele Ereignisse, auch Ereignisse, die nicht in den Medien veröffentlicht worden sind und ich kenne natürlich auch die Gefühlswelt der Russen und somit kann ich viele Dinge nachvollziehen, die sich jetzt abspielen. Ich will nicht formulieren, dass es eine antideutsche Stimmung im Gebiet gibt, aber die Zeit, wo «Немцы охуели» oder wo deutschfreundliche Aktionen unbemerkt bleiben, ist definitiv vorbei.

So kritisierten Kaliningrader gesellschaftliche Kräfte die Gebietsregierung, oder genauer, eine Struktur der Kaliningrader Gebietsregierung – die Korporation für die Entwicklung des Kaliningrader Gebietes, dass diese verbotene Reklame für eine Stadt macht, die nicht existiert. Die Reklame für die deutsche Stadt Königsberg verstößt gegen russische Gesetze – was defacto richtig ist.

Es geht um die Firmengruppe „Pruss Grupp“, eine GmbH. Dieser Firma gehört das Markenzeichen „Pomatti Königsberg“. Unter diesem Markenzeichen wird in Kaliningrad Marzipan hergestellt und verkauft. Die Beschriftung der Verpackung erfolgt in deutscher Sprache. Entsprechend gültiger Gesetzgebung, müsste aber auf der Verpackung stehen „Pomatti Kaliningrad“ – in russischer Sprache. Es besteht keine Gesetzesverletzung, wenn auf der Verpackung ergänzt wird „Marzipan aus Kaliningrad nach altem Königsberger Rezept“ – natürlich in russischer Sprache.

Erinnert wird, dass die Marzipanherstellung in Russland eine alte Tradition hat. In St. Petersburg gibt es eine große Fabrik. Diese stellt Marzipan mit der Markenbezeichnung „Russisches Marzipan“ her und den Kaliningrader Germanisierungsjägern ist unklar, warum man in Kaliningrad nicht diesem Beispiel folgt, sondern unbedingt deutsches, Königsberger Marzipan produziert.

Ich hoffe, liebe Leser, liebe Zuschauer, Sie haben bereits verstanden, wie weit die gegenwärtige Politik des deutschen Staates und das gegenwärtige Verhalten von Deutschen, auch deutschen Privatpersonen, Einfluss genommen hat, auf das Kaliningrader Leben, auf eine beginnende deutschkritische Stimmung. Natürlich ist die Kaliningrader Gesellschaft differenzierter Auffassung. Für mich als Deutscher aber reicht alleine der Fakt, dass es jetzt eine Entwicklung gibt, die es vor wenigen Jahren noch nicht gab. Und es steht die Frage: Wer ist an dieser Entwicklung schuld? Ich bin noch am überlegen, wer schuld ist, glaube aber, dass ich Ihnen am 28. August 2019 eine Antwort geben kann.

Die Germanisierungsjäger haben aber – um auf das Ausgangsthema zurückzukommen – weiter gegraben und haben festgestellt, dass die genannte Kaliningrader Firma wohl Scheinfirmen gegründet hat und mit seinen deutschen Produkten wohl der Korporation für die Entwicklung des Kaliningrader Gebietes die Augen Schwarz-Rot-Gold verkleistert hat. Die Korporation hat der Firmengruppe für die Entwicklung der Produktion kostengünstig Flächen zur Verfügung gestellt – rund zwei Hektar im Industriepark Chrabrowo. Da sollten 50 Mio. Rubel investiert und 50 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Nun hat man festgestellt, dass diese Firma, die dort gebaut werden soll, erst seit Februar 2019 existiert und nun schon wieder in Liquidierung ist. Wozu also wurde der Gebietsregierung dieses Deutsch-Theater vorgespielt?

Videoeinspielung Gruppe Leningrad

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