Die deutsche Friedhofsordnung im russisch-zwangsverwalteten Ostpreußen

Die deutsche Friedhofsordnung im russisch-zwangsverwalteten Ostpreußen
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Deutsche sind gesetzestreu. Deutsche sind ehrlich. Deutsche sind korrekt. Deutsche sind diszipliniert. Und Deutsche regeln das gesamte Leben mit filigran ausgefeilten Gesetzen und den dazugehörigen Durchführungsbestimmungen, die sie dann auch pedantisch einhalten. Und zum Leben gehört das Sterben. Und zum Sterben gehört der Friedhof und das Leben auf dem Friedhof.

Stellen Sie sich vor, Sie haben vor 70 oder 80 Jahren einen lieben Verwandten verloren, er ist gestorben. Schon lange existiert kein Grab mehr, denn Gräber werden nach 25 Jahren in Deutschland neu belegt – es sei denn, man trifft eine Vereinbarung mit der Friedhofsverwaltung. Würde es Ihnen in den Sinn kommen, für diesen lieben verstorbenen Verwandten irgendwo auf irgendeinem Friedhof in dunkler Nacht einen Gedenkstein aufzustellen, mit der Inschrift „Zum Gedenken an meinen lieben Onkel Fritz?“ Was würde wohl mit dem Gedenkstein passieren? Was würde mit Ihnen passieren? Natürlich würde der Stein entfernt und Sie würden zur Verantwortung gezogen. Und da der Deutsche diszipliniert und gesetzestreu ist, tut er so etwas natürlich auch nicht.

Im russisch-zwangsverwalteten Ostpreußen, heute auch temporär als Kaliningrad oder Kaliningrader Gebiet bezeichnet, kann man sich aber wohl anders verhalten. Ich war fast versucht zu schreiben: „Die Deutschen fühlen sich in Kaliningrad wie zu Hause“. Aber das stimmt nicht, denn wenn sie sich wie zu Hause fühlen würden, würden sie ja auch die deutschen Gesetze im zwangsverwalteten Kaliningrad einhalten. Das tun die Deutschen aber nicht. Sie verletzen deutsche Gesetze, die natürlich in Russland nicht gelten, aber die nach dem Verständnis der Deutschen eigentlich gelten müssten. Sie verletzen russische Gesetze. Und sie verletzen internationale Vereinbarungen zwischen der Russischen Föderation und der Bundesrepublik Deutschland.

Unlängst reiste eine russische Touristengruppe nach Baltisk. Auf dem Besuchsprogramm stand auch der Besuch des Internationalen Friedhofs in Baltisk. Dort befinden sich, im Rahmen einer staatlichen Vereinbarung mit der Bundesrepublik Deutschland auch tausende Gräber deutscher Soldaten. Hierbei sollte es sich um Gräber der deutschen Soldaten handeln, die bei der Verteidigung Ostpreußens im Bereich Königsberg und Umgebung gefallen sind. Der Vertrag mit Deutschland regelt alle Einzelheiten: Wer bestattet wird, wie bestattet wird, wie die Grabgestaltung erfolgt. Und somit wunderte es die russischen Touristen, als sie plötzlich vor einem Einzelgedenkstein standen, der auf einen Soldaten hinwies, der im Jahre 1942 gefallen war. Und der Gedenkstein sah sehr neu aus und unterschied sich rein optisch von der Umgebung.

Der Grabstein informiert in seiner Inschrift, dass irgendein Obergefreiter Helmut Pfeffer im Jahre 1942 in den Weiten der Sowjetunion gefallen ist.

Es steht die Frage, wer die Genehmigung für die Aufstellung dieses Gedenksteins gegeben hat? Wer war der Initiator? Wer waren die Helfer? Und warum glauben Deutsche, dass man in Russland alles machen kann, was Deutsche machen wollen. Warum pfeifen die Deutschen häufig auf die Gesetze der Russischen Föderation und zeigen sich dann empört, wenn der russische Staat reagiert?

Für die russische Seite steht nun die Frage – so wird es in den Medien diskutiert – wer war dieser Pfeffer? Ein Angehöriger der SS? Ein Mörder? Ein Vergewaltiger? Ein Brandstifter? Einer derjenigen, der die Leningrader Bevölkerung ausgehungert hat? Der Apparat beginnt zu arbeiten und der Teil der russischen Gesellschaft, der sich Sorgen um die Germanisierung des Gebietes macht, wird keine Ruhe geben, bis dieser Fall der Selbstwillkür aufgeklärt ist.

Nun sollte man aber nicht glauben, dass dies ein Einzelfall ist. Schon vor einigen Jahren wurde ein anderer Gedenkstein für einen Offizier der Luftwaffe mit Namen Hauptmann Peter Hayn aufgestellt. Er starb am 2. Januar 1944 – also auch nicht in Ostpreußen, sondern irgendwo da, wo die faschistischen deutschen Truppen auf fremden Boden für Deutschlands Größe kämpften. Die gleiche Willkür: Deutsche, Deutsche über alles. Was wir wollen, das machen wir im zeitweilig zwangsverwalteten Ostpreußen.

Und wenn Sie glauben, liebe Leser und Zuschauer, dass dies alles Einzelfälle sind, so irren Sie sich. Es werden auch Gedenksteine aufgestellt für faschistische Organisationen, wie z.B. den Arbeitsdienst Todt. Wer gibt den Deutschen das Recht, irgendwo ohne Genehmigung Gedenksteine aufzustellen?

Auch die im Jahre 1992 angebrachte Gedenktafel für das NSDAP-Mitglied und Hitlerverehrerin Agnes Miegel, war ein Akt der Selbstwillkür. Niemand hat die Genehmigung gegeben und dieser Ort entwickelte sich im Verlaufe der Jahre zu einer Pilgerstätte für Nostalgiedeutsche. Diese Gedenktafel ist schon vor zwei Jahren demontiert worden und im Rahmen der Fassadenrenovierung aller Häuser in dieser Straße ist auch der letzte helle Fleck Erinnerung verschwunden.

Kaliningrad braucht keine willkürlich errichteten deutschen Gedenksteine, die zu Pilgerstätten für Deutsche werden, deren Gesinnung und Einstellung niemand kennt. Kaliningrad braucht die Einhaltung der abgeschlossenen Verträge mit Deutschland. Und wenn die deutschen Bürger dazu nicht bereit sind, muss man sich nicht wundern, wenn sich Russland Gedanken macht, wie man möglichst effizient reagieren kann.

Im Dezember 1992 wurde die Vereinbarung Nr. 979 zwischen der Regierung der Russischen Föderation und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland über die Pflege von Kriegsgräbern unterzeichnet. Aber nun meinen wohl die Deutschen in zunehmender Zahl, dass man derartige Vereinbarungen nicht mehr beachten muss. Dann muss man sich nicht wundern, wenn Russland auch darüber nachdenkt, derartige Vereinbarungen, … hm, sagen wir es mal … zu modifizieren.

Gesellschaftliche Aktivisten schlagen nun vor, diese neuen Gedenksteine zu entfernen und die Namen auf allen anderen Gedenksteinen zu schleifen. Es soll eine Internetliste dieser Namen angelegt werden und wer Interesse hat, kann mit einem QR-Code die Namen abrufen.

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Kommentare ( 6 )

  • boromeus

    Veröffentlicht: 31. Mai 2019 09:04 pm

    Sie haben es nötig den Finger mahnend zu erheben,als zynischer Moralapostel,der selbst nicht vor dem Andenken an Toten halt macht.Der Tod fragt nicht nach Gesinnung und Herkunft oder Nationalität.Aber das einem ehemaligen Sozialisten erzählen zu wollen,ist mehr als sinnlos.Sie sind schnell dabei über andere zu richten.Vielleicht schauen Sie ersteinmal selber in den Spiegel.Vielleicht entdecken sie dort, dass Sie in den letzten Wochen so manche rote Linie überschritten haben.
    Schreiben Sie doch mal über die Beerdigungskultur der Russen,die die Gebeine ihrer großen Kämpfer,wie neulichst in KGD berichtet,in Müllsäcken im Busch entsorgen,oder von tausenden Gräbern die man in der Stadt,die den Namen eines Kriegsverbrechers trägt,aus Profitgeilheit einfach eingeebnet und zu betoniert hat.Das zum Thema Respekt vor dem Tod.Wenn es nach Ihren Wertevorstellungen nur darum geht,ob das ein Mörder,ein Faschist oder sonstiger Toter ist,dann zeigt das ganz klar, welch geistig Kind ,da am Werk ist...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Mai 2019 09:42

      ... ich habe Sie jetzt also richtig verstanden: Deutsche dürfen im Kaliningrader Gebiet überall dort Grab- und Gedenksteine aufstellen, wie sie es für richtig halten? Und die Deutschen brauchen in Russland weder deutsche Gesetze noch russische Gesetze noch internationale Verträge einhalten? Meinten Sie das so mit Ihrem Kommentar oder habe ich das falsch verstanden?

  • Hauke

    Veröffentlicht: 31. Mai 2019 12:10 pm

    Wenn das so kommt, dann sollte man in Deutschland auch die Gräber und Gedenksteine von sowjetischen Räubern, Mördern , Vergewaltigen schleifen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Mai 2019 13:01

      ... das ich Sie jetzt richtig verstehe: Deutsche verletzen russische Gesetze, Russland setzt sich dagegen zur Wehr und dafür bestraft dann Deutschland die Russen damit, dass die Namen all derer geschliffen werden, die ihr Leben gegeben haben, damit Sie, Herr Hauke, hier gesund, zufrieden, satt, und glücklich kommentieren können. Habe ich Sie richtig verstanden?

  • Georg

    Veröffentlicht: 31. Mai 2019 13:10 pm

    Ich finde es auch absolut abtörnend, dass man bei einem verstorbenen deutschen Soldaten in erster Linie an einem SSler, Mörder, Vergewaltiger usw. denkt. Dabei waren ein Großteil der Soldaten nichts anderes als Menschen, die vor der Wahl standen, standrechtlich erschossen zu werden oder um das Überleben zu kämpfen. So wie es auch bei meinem Vater war, der als 17jähriger 1942 eingezogen und bis 1945 als einfacher Wehrmachtssoldat in Russland war. Übrigens findet man solche Gedenksteine oder Mahnmale bei uns willkürlich im Flur aufgestellt, niemand stört sich daran und fordert die Beseitigung.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 31. Mai 2019 19:50 pm

    Da bin ich doch der Meinung, daß man zum Thema dieses Beitrags zurück kehrt und nicht gleich einen Nebenkampfplatz aufmacht, um vom eigentlichen Thema abzulenken.
    Es geht doch in dem Beitrag darum, daß sich Ausländer, in diesem Fall vermutlich Staatsangehöge der BRD im Staatsgebiet der RF Rechte heraus nehmen, die ihnen nicht zustehen, also Gesetzesverstöße.
    Nun möchte ich mal die Frage dazu aufwerfen, ob diese hitzige unsachliche Diskussion auch aufgekommen wäre, wenn das vergleichbar in den Niederlanden, Italien oder Frankreich, vielleicht in der Nähe der Ortschaft Oradour geschehen wäre oder in Polen?
    Oder hat es etwas damit zu tun, daß so ganz hinten in so manchem Kopf immer noch der Gedanke wohnt, das ist ja eigentlich deutsch? Sind diese Gedanken auch noch da bei Elsaß-Lothringen?
    Hat man da kein Verständnis anläßlich solcher Vorkommnisse für die Befürchtungen und Bedenken einerseits der Russen und auch manchen überspitzten Reaktionen bezügl. der haßerfüllten Nato-Propaganda?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Mai 2019 20:21

      ... das ist aber typisch für derartige Diskussionen. Wenn die Ehrenhaftigkeit der Deutschen und Deutschland angezweifelt wird, wird sofort nach irgendwelchen Parallelen gesucht, um Russland zu irgendetwas anderem zu beschuldigen - ganz typisch und nicht nur hier, sondern auch an anderen Stellen, wo ich veröffentliche. Das bestärkt mich leider immer wieder in meiner Überzeugung, dass der Deutsche sehr von sich eingenommen ist und Kritik nicht verträgt. Übrigens ... an einer anderen Stelle hat mir ein Deutscher vorgeschlagen, doch endlich meine Staatsbürgerschaft abzugeben ... Tja, so ist das, wenn man Deutschland kritisiert. Aber wenn Deutschland und Deutsche über Russland herziehen können, ohne wirklich Ahnung zu haben ... dann ist das "normalno"

  • boromeus

    Veröffentlicht: 31. Mai 2019 21:17 pm

    "typisch für derartige Diskussionen.Wenn die Ehrenhaftigkeit der Deutschen" .Gut das Sie das nicht betrifft als Möchtegernrusse."Es geht nicht um die Ehrhaftigkeit der Deutschen,sondern um Ihre zynische Art der Berichterstattung,die jedes Maß an Professionalität vermissen lässt.Bachmann hat völlig Recht mit seinen Auführungen.Das ist billigstes propagandistisches Machwerk auf zweitklassige Informationen begründet.Das hat mit fundiertem Journalismus wenig zu tun.Und Ihr Hass gegen alles Deutsche ist offensichtlich.Um Vorteile deutscher Sozialversorgung auszunutzen,da reicht es dann wieder.Hier gibt es dann keine Kritik.Die User bei Facebook haben völlig Recht. Individuen,die Deutschland ständig in den Dreck treten,haben es nicht verdient sich Deutsche zu nennen.Nehmen Sie die russische Staatsbürgerschaft an.Das passt dann besser zu Ihrem Stil.Soviel Hass und Nestbeschmutzerei ist unerträglich.Die Freiheit eines jeden hört dort auf ,wo die des Anderen anfängt.Schon mal was davon gehört?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Mai 2019 21:34

      ... schön, von Ihnen mal wieder eine Meinungsäußerung zu hören, die ich zur Kenntnis nehme, auch wenn sie hart an der Grenze der Beleidigung ist.

      Nebenbei bemerkt, betreibe ich keinen Journalismus! Ich bin Blogger und schreibe auf meinem Portal oder in meinem FB-Konto oder in meinen YouTube-Kanal meine Meinung. Wem diese nicht passt, braucht sie nicht zu lesen oder anzuschauen.

      Was das Sozialsystem in Deutschland anbelangt: Dort habe ich mich bereits vor Jahrzehnten verabschiedet. Mit meinem in Russland verdienten Geld, finanziere ich über ausländische Privatfirmen meinen Sozialbedarf an medizinischer Betreuung und Rente. Ich falle also niemanden zur Last in Deutschland.

      Ansonsten erlaube ich mir Deutschland dort zu kritisieren, wo ich es für richtig halte - so, wie es die Freiheitskämpfer 1989/90 in der sowjetischen Besatzungszone getan haben und vom Westen als Helden gefeiert worden sind. Nun bin ich - ohne meinen Wunsch - Bürger der BRD geworden und die BRD muss damit leben, dass sie einen kritischen Bürger mehr hat. Sie wird es aushalten - glauben Sie mir ...

  • ru-moto

    Veröffentlicht: 2. Juni 2019 04:14 pm

    [...das bestärkt mich leider immer wieder in meiner Überzeugung, dass der Deutsche sehr von sich eingenommen ist und Kritik nicht verträgt....]

    Dies kann ich durch meine Lebenserfahrung im Umgang mit Deutschen voll und ganz bestätigen.
    Man braucht sich ja nur in deutschen Foren umsehen und sich erlauben, dort eine Meinung zu äußern.

    Nichts gegen verschiedene Meinungen, aber es ist doch schon bald so sicher wie das Amen im Gebet, dass ein Deutscher mit seiner selbst vermuteten überirdischen Klugheit und in seiner Annahme, immer von allem alles am besten zu wissen, alles kritisiert und das letzte Wort haben will. Damit meine ich den Großteil der dort noch verbliebenen Deutschen...

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