Die Erben des Deutsch Russischen Hauses in Kaliningrad

Die Erben des Deutsch Russischen Hauses in Kaliningrad
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Das Deutsch-Russische-Haus in Kaliningrad hatte sein Domizil in der Jaltinskaja-Straße. Das Kultur- und Geschäftszentrum der RusslandDeutschen ebenfalls. Trotz der gleichen Adresse kann man aber wohl kaum vom Erbe sprechen.

Das Deutsch-Russische Haus exisitert schon lange nicht mehr. Das Russisch-Deutsche Haus existiert auch nicht mehr. Seit April 2017 existiert das Kultur- und Geschäftszentrum der RusslandDeutschen in Kaliningrad.

Mit viel TamTam wurde seine Gründung im März/April 2017 angekündigt. Dann trat Stille ein, obwohl der Chef-RusslandDeutsche Martens in Kaliningrad den Hinterbliebenen des Deutsch-Russischen Hauses eine wahre Kulturflut versprochen hatte.

Das erste offizielle Ereignis war dann eine Weihnachtsfeier im Dezember. Sehr viele Gäste waren nicht anwesend.

Dann trat wieder Ruhe ein. Der Geschäftsführer führte nicht mehr die Geschäfte. Er war wieder abgereist – aus Gesundheitsgründen, sagt man. Ein neuer Geschäftsführer sollte im April kommen. Ob er gekommen ist – ich habe keine Ahnung, denn man hört und liest nichts.

Die Organisation hat aber schon eine eigene Facebook-Seite, wo ein- manchmal sogar zweimal im Monat eine Nachricht veröffentlicht wird, dass eine Veranstaltung stattgefunden hat. In der Regel sind es Bastelstunden für Kinder.

Heute, am Dienstag wurde eine Nachricht veröffentlicht, die man gerne mit einem deutschen Spruch kommentieren kann:

„In der Kürze liegt die Würze.“

In drei Facebook-Zeilen wird informiert über die:

Eröffnung des III. Kultur- und Geschäftsforums „Durch Deutsche in Russland geschaffen: Information. Integration. Resultat.“ Der Bevollmächtigte der Regierung Deutschlands für die Angelegenheit von Übersiedlern und nationalen Minderheiten Bernd Fabrizius.“

Ja, und? Weiter?

Informativ auch das Foto, welches die Rücken aller Besucher zeigt – Datenschutz wird großgeschrieben in dieser neuen Organisation der RusslandDeutschen, die bereits am Eingang zum Grundstück das Filmen und Fotografieren verbieten.

Es besteht kein Zweifel, dass es sich um ausgewähltes (ich bin fast versucht zu sagen – handverlesenes) Publikum handelt. Die teilweise aufgesetzten Kopfhörer der Zuhörer zeigen, dass wohl nicht alle die russische oder deutsche Sprache verstehen.

Es bleibt abzuwarten, welche Medien zu dieser Veranstaltung eingeladen worden sind und darüber berichten. Das Kultur- und Geschäftszentrum der RusslandDeutschen selber tut sich seit seiner Gründung schwer mit Informationen über seine Tätigkeit. Insbesondere über die Tätigkeit als Geschäftszentrum hört man nichts. Mit böser, spitzer Zunge könnte man fragen, ob es denn überhaupt Geschäfte in diesem Zentrum gibt?

Aber es gibt eine Presseinformation, ausgerechnet vom liberalen Kaliningrader Internetportal „newkaliningrad“ (… für die nicht Eingeweihten: in Russland spricht man nicht von „nicht Systemopposition“, sondern von den Liberalen).

Und „newkaliningrad“ berichtet, dass zu dieser Veranstaltung wohl der Leiter der föderalen Agentur für Nationalitätenangelegenheiten aus Moskau angereist ist. Igor Barinow wurde gefragt, was er denn für eine Meinung zur Germanisierungsproblematik im Kaliningrader Gebiet habe. Und er antwortete, dass er nach Kaliningrad gekommen sei, um sich mit anderen Fragen zu beschäftigen.

Aber, so kommentierte er trotzdem, es gibt keine Alternative zur Zusammenarbeit mit Deutschland. Es gab mal gute Zeiten mit Deutschland und die guten Zeiten mit Deutschland werden wieder kommen – früher oder später. So ungefähr kann man seine wenigen Worte noch weiter zusammenfassen.

Mit anderen Worten: Gegenwärtig gibt es keine guten Zeiten zwischen Deutschland und Kaliningrad und somit Russland.

Man werde, so Igor Barinow, irgendwann wieder eng in vielen Richtungen zusammenarbeiten: in der Wirtschaft, in der Kultur.

Mit anderen Worten: Gegenwärtig gibt es keine Zusammenarbeit auf diesen Gebieten. Tja, und das spürt man jeden Tag in Kaliningrad.

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Kommentare ( 1 )

  • ru-moto

    Veröffentlicht: 25. September 2018 23:27 pm

    Darf sich eigentlich schon alles und jeder "DeutschRussisch" nennen, auch wenn er mit Russland nichts am Hut hat/haben will? Nichts zu sagen, sagt auch viel...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 25. September 2018 23:53

      ... verstehe ich jetzt nicht. Könnten Sie etwas deutlicher werden?

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