Die Krim gehört zur Ukraine, wie das Saarland zu Frankreich

Die Krim gehört zur Ukraine, wie das Saarland zu Frankreich
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Ihnen stehen die Haare zu Berge, wegen dieser Überschrift. Ja, dann habe ich das erreicht, was ich wollte.

Erinnern wir uns kurz.

Im März 2014 wurden die Krim-Bewohner aufgerufen an einem Referendum teilzunehmen. Eigentlich gab es sogar zwei Referenden, nämlich für die Krim und für die Stadt Sewastopol.

83,1 Prozent aller Abstimmungsberechtigten der Krim nahmen am Referendum teil und 89,5 Prozent aller Bewohner von Sewastopol.

96,77 Prozent der Krim-Bewohner und 95,60 Prozent der Bewohner von Sewastopol stimmten für einen Beitritt der Krim und Sewastopol zur Russischen Föderation.

Das Ergebnis ist eindeutig, wird aber von Deutschland nicht anerkannt. Man meint, dass Russland die Bewohner gezwungen habe, man durch die Anwesenheit von russischem Militär oder den berühmten „Grünen Männchen“, dieses Abstimmungsergebnis im Sinne Russlands beeinflusst habe.

Nun, ich habe nicht gesehen, dass neben den Wahlurnen bewaffnete russische oder sonstige Soldaten standen, die genau beobachtet haben, wo der Haken gemacht wurde (in Russland macht man kein Kreuz über eine Sache, hier setzt man einen Haken hinter eine Angelegenheit) - und wenn dieser nicht an der richtigen russischen Stelle gemacht, der Person irgendein Leid zugefügt wurde.

Aber lassen wir die Polemik, denn allen ist klar, dass Russland mit all dem, was sich um die Krim herum abgespielt hat, westlichen Plänen im Allgemeinen und US-Plänen im Besonderen gerade noch rechtzeitig zuvorgekommen ist. Und mit der gegenwärtigen Politik versucht der Westen nur noch, für die entgangene Krim-Chance, ein wenig sein Mütchen zu kühlen.  

Soweit zur Vorrede.

Vor kurzem hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem offiziellen Vertreter des deutschen Staates. Dieser meinte, dass man den Eindruck habe, dass ich mich nicht mehr für Deutschland interessiere. Ich bin in mich gegangen und habe über seine Worte nachgedacht und werde alles tun, damit dieser Eindruck nicht weiter besteht, denn ich interessiere mich für Deutschland, insbesondere wenn es um Russland geht, mehr, als um meinen leeren Kühlschrank. Und somit kümmere ich mich heute wieder ein wenig um Deutschland und seine Geschichte, im Zusammenhang mit der, in meiner Einleitung genannten, russischen Krim.

Erinnern Sie sich noch an den klitzekleinen Ersten Weltkrieg? Richtig, den hat Deutschland verloren und als ein Ergebnis kam es zum Versailler Vertrag und das Saarland wurde Frankreich zugeschlagen. 1935 kam dann das Saarland wieder zu Deutschland. Es fand damals eine Volksabstimmung statt und 90 Prozent der Bewohner des Saarlands, entschieden sich, dass sie heim ins Reich wollten. Also, wenn Sie so wollen, hat sich etwas Ähnliches auf der Krim im Jahre 2014 abgespielt.

Dann kam es zu dem klitzekleinen Zweiten Weltkrieg. Erinnern Sie sich? Richtig, den hat Deutschland verloren und als ein Ergebnis kam es zu den Vereinbarungen von Jalta und zum Potsdamer Abkommen. Das Saarland geriet unter französische Besatzung. Frankreich organisierte erfolgreich einige „politische Manöver“ um das Saarland der Zuständigkeit des Alliierten Kontrollrates zu entziehen. Es gab eine eigene Regierung, eine eigene Verfassung und sogar eigenes Geld. Dann kam es im Jahre 1955 zu einer Volksabstimmung … tja, und  da sage mir doch einer, dass sich Geschichte nicht wiederholt.

Werfen wir einen Blick auf „Wikipedia“, dem allwissenden Internet-Lexikon. Dort steht geschrieben:

„Am 23. Oktober 1955 wurde eine Volksbefragung über eine Europäisierung des Saarlandes durchgeführt, in der 67,7 Prozent der abstimmenden Saarländer Nein sagten und sich damit gegen das von der Adenauer-Regierung mit der französischen Regierung ausgehandelte (zweite) Saarstatut aussprachen. Das Ergebnis der Abstimmung wurde als Wille der saarländischen Bevölkerung interpretiert, sich der Bundesrepublik Deutschland anzuschließen. Die Regierung Frankreichs lenkte ein, und am 27. Oktober 1956 wurde in Luxemburg der Saarvertrag abgeschlossen, worauf das Saarland am 1. Januar 1957 das zehnte Bundesland der Bundesrepublik Deutschland wurde.“

Tja, so ist das mit den Abstimmungen und deren Interpretationen. Ich dachte bisher immer, dass, wenn ein Dokument ausgearbeitet wird und dieses Dokument durch die Bevölkerung nicht anerkannt wird, dass dann der bisherige Status erhalten bleibt, bis es ein anderes Dokument gibt. Aber das trifft wohl in diesem Fall nicht zu. Und so hatte Deutschland Glück und konnte ein klein wenig die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges korrigieren.

Umso interessanter ist, dass das Recht, was sich Deutschland seit dem 10. Mai 1945 herausnimmt, um die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges zu korrigieren, Deutschland anderen Ländern nicht zugesteht. Aber wenn Deutschland seine temporär verlorengegangenen Gebiete heim ins Reich holt, warum soll das ein anderes Land nicht auch dürfen? Insbesondere, wenn es umstritten ist, ob die Krim jemals wirklich zur Ukraine gehört hat, wenn man die Rechtmäßigkeit der damaligen Entscheidungen der Führung der Sowjetunion unter Chrustschow durchaus anzweifeln kann … mindestens so anzweifeln kann, wie man die Politik Deutschlands, zur Heimholung verlorener Gebiete, durchaus kritisch sehen kann.

Deutschland ist eben was ganz Besonderes in Europa und dieser kleinen Welt. Und die Krim gehört zur Ukraine, wie das Saarland zu Frankreich.

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Kommentare ( 5 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Dezember 2018 20:38 pm

    "Ein Punkt den die Deutschen nicht abstellen können ist dieses "am deutschen Wesen soll die Welt genesen".

    Da muß ich Ihnen auf jeden Fall zustimmen mit einem - ABER - . Da gibt es - aber - ein anderes größeres Land (nicht hinter den sieben Bergen, sondern hinter dem großen Ozean), welches offensichtlich von Deutschland gelernt hat oder auch nicht, Deutschland aber weit überflügelt hat in seinen Forderungen an die Welt und das Ganze nun NWO (Neue Welt-Ordnung) nennt und sich selbst als die berufene und auserwählte Nation bezeichnet, diese Welt, diese rund 200 Länder und alles übrige wie auch die ganzen Ozeane zu beherrschen.
    Und wie Sie so richtig schrieben, fühlt sich Deutschland als treuer Vasall so ein bißchen mit an der Macht, daß es an der Beherrschung der Welt so ein wenig mittun darf. Vieles sogar in vorauseilendem Gehorsam als guter Untertan.
    Mann´s Diederich läßt grüßen.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Dezember 2018 21:37 pm

    Das stand auf dem Wahlzettel:

    1) Sind Sie für eine Wiedervereinigung der Krim mit Russland mit den Rechten eines Subjekts der Russischen Föderation?

    2) Sind Sie für eine Wiederherstellung der Gültigkeit der Verfassung der Republik Krim von 1992 und für einen Status der Krim als Teil der Ukraine?

    Anders als im aktuellen Text der Verfassung der Ukraine steht im Grundgesetz von 1992 nicht, dass die Krim ein unveräußerlicher Teil der Ukraine sei und die Verfassung der Ukraine Vorrang habe. Die Krim ist demnach ein eigenständiges Subjekt, das gewisse Hoheitsrechte an die Ukraine abgibt."

    manager magazin vom 16.03.2014

    Ich meine, bevor es wieder Vermutungen und Deutungen gibt, kann sich jeder mit der Fragestellung auseinander setzen. Es ist auch interessant, die Verfassung der Autonomen Republik Krim zu lesen und sich des weiteren mit der in der Folgezeit ständigen Aufweichung dieser Verfassung durch die Wechona Rada in Kiew zu befassen bis zur beabsichtigten Abschaffung der Autonomie

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Dezember 2018 22:14 pm

    US-Ausschreibung über die Renovierung einer Marineschule auf der Krim

    "Das vom US-amerikanischen Staat unterhaltene Internetportal zur Ausschreibung von staatlichen Aufträgen, Federal Business Opportunities, veröffentlichte im Juni 2013 eine Ausschreibung der US-Marine zur Renovierung eines Schulgebäudes auf der Krim.
    Diese Internetseite wurde im September 2013 dreimal aktualisiert und am 15. April 2014 wurde schließlich der bis dato letzte Vermerk hinzugefügt:
    Aufgrund des gegenwärtigen Klimas in der Ukraine ist diese Ausschreibung hiermit aufgehoben."

    "Die US Navy hat sich übrigens richtig in Sewastopol ins Zeug gelegt, denn es wurden bereits drei Schulen renoviert, Nr. 22, 49 und 52, und Millionen ausgegeben. Wie spendabel und selbstlos von der US-Marine, so viel für fremde Schüler zu tun."

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 17. Dezember 2018 22:25 pm

    @UEN
    Vergleiche hinken zuweil. Und zum Krim "Referendum" lohnt sich alleine das Lesen des Berichts des Menschenrechtsrates beim russ. Präsidenten. Das Ergebnis war ja auch dicht am Ergebnis von DDR "Wahlen"

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. Dezember 2018 22:31

      ... Vergleiche die Russland betreffen, hinken immer, insbesondere wenn dabei auch noch Deutschland der Spiegel vorgehalten wird.

  • Dietrich Völker

    Veröffentlicht: 20. Dezember 2018 12:25 pm

    Wissen Sie, es ist mir wirklich egal, ob die Krim russisch ist oder nicht.
    Ich erkenne auch an , dass dort wohl die breite Mehrheit sich der russischen Bevölkerungsgruppe zugehörig fühlt.
    Trotzdem habe ich meine Schwierigkeiten, diese Durchführung des Heim-ins-Reichholens gutzuheissen.
    Denn die RF hatte der Ukraine anlässlich deren Abgabe von Atomwaffen deren territoriale Integrität zugesagt. Und so wie das dann dort gelaufen ist, war das wohl nicht so wirklich vertragsgemäss. Was im Asowschen Meer sich abspielt, ist ja auch nicht so ganz astrein.
    Bei allem Verständnis dafür, dass die RF ihren Hinterhof gerne aufräumen möchte.
    Eigentlich schade, dass Krawtchuk, Lukaschenko und Jelzin die SU unbedingt zerlegen mussten in ihrem Wahn. Es wäre uns einiges erspart geblieben.
    Und die RF stellt sich damit auf eine gleiche Stufe mit den USA, die Verträge je nach Laune aufkündigen.

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