Die litauische Krim

Die litauische Krim
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Andrej Wypolsow ist Chefredakteur des Kaliningrader Informationsportals „NewsBalt“. Gegenwärtig beschäftigt er sich mit dem Aufbau seines Videokanals, parallel zum Informationsportal. Sein dritter Videobeitrag, aus Anlass des Beitritts der Krim zum Bestand der Russischen Föderation, beschäftigt sich mit einer anderen Krim, unweit von Kaliningrad.

Heute, am 21. März 2019, genau vor fünf Jahren hat Wladimir Putin das Gesetz „Über die Aufnahme der Republik Krim in den Bestand der Russischen Föderation“ unterzeichnet. Ich beglückwünsche die Krim zum ersten und hoffentlich, geb´s Gott, nicht letzten Jubiläum dieser Art.

Aber es werden wohl nicht viele wissen, dass es eine ähnliche Situation wie um die Krim, auch an der Grenze des Kaliningrader Gebietes gibt. Ich meine hier das litauische Klaipeda. Von Selenogradsk aus, wo ich gerade stehe, sind es gerade mal 100 Kilometer.

Klaipeda ist aus zwei Gründen mit der Krim zu vergleichen. Zum einen ist es eine Stadt der russischen Menschen. Bis Mitte der 60er Jahre  betrug der russische Bevölkerungsanteil mehr als 50 Prozent, war somit praktisch eine russische Stadt, so wie Kaliningrad. Heute geht man offiziell davon aus, dass ein Drittel der Bevölkerung Russisch denkt.

Zum zweiten geht es um den politischen Status von Klaipeda, wo, ähnlich wie mit der Krim, einiges nicht ganz glatt abgelaufen ist.

Beginnen wir damit, dass im Jahre 1939 das damalige demokratische Litauen mit, das wollen wir nicht vergessen, einer Ein-Partei-Diktatur, freiwillig auf das Memelgebiet, also dem heutigen Klaipeda, verzichtete. Der Verzicht erfolgte zugunsten Deutschlands, in dem man mit dem Kriegsverbrecher Hitler einen entsprechenden Vertrag unterzeichnete. Nach sechs Jahren, im Jahre 1945, wurde, im Ergebnis der Potsdamer Konferenz, der Sowjetunion das Territorium von Ostpreußen mit den Städten Königsberg und Memel übergeben.

Im weiteren wurde aber Memel nicht der Russischen Sozialistischen Föderalen Sowjetrepublik übergeben, sondern der Litauischen Sozialistischen Sowjetrepublik, worüber die litauischen Politiker natürlich Bescheid wissen, aber es gibt keinerlei normative Beschlüsse der Organe der Staatsmacht der Sowjetunion hierüber. Dieses Fleckchen Erde wurde einfach durch den guten Willen Stalins übergeben.

In den 90er Jahren, nach dem Zerfall der Sowjetunion, wurde der unklare Status von Klaipeda in Zeitungen und auch auf Meetings besprochen. So hat der erste Präsident Litauens Brasauskas,  offen bekannt, dass die Situation um Klaipeda durchaus strittig ist, es keine Dokumente gäbe, die eindeutig bestätigen, dass dieses Fleckchen zu Litauen gehört.  Anfang der 2000er Jahre wurde dieses umstrittene Territorium juristisch Litauen, in einem gemeinsamen litauisch-russischen Vertrag, zugeordnet. Aber diese Zuordnung erfolgte im Rahmen der Zusicherung Litauens, auf sein Gebiet keine NATO-Truppen zu lassen. Diese Vereinbarung hat Litauen verletzt, und somit ist diese Vereinbarung keine Kopeke mehr wert.

Natürlich bedeutet das nicht, dass Russland auf das litauische Klaipeda Ansprüche erhebt. Wir hätten auch die Krim nicht angefasst, wenn es in Kiew nicht einen faschistischen Staatsstreich gegeben hätte und Russen mit dem Tode gedroht wurde. Aber Vilnius sollte wissen, dass, wenn es den Russen in Klaipeda schlecht geht, diese Russen nicht im Stich gelassen werden.

Sie hörten Andrej Wypolsow und die Wahrheit über die „litauische Krim“.

С вами были Андрей Выползов и правда о «литовском Крыме».

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Kommentare ( 6 )

  • Hauke

    Veröffentlicht: 24. März 2019 11:38 pm

    Da muss ich mal wieder etwas korrigieren,
    das Gebiet wurde nicht übergeben, es wurde unter Verwaltung gestellt.
    Das ist ein kleiner Unterschied und den kann man in den Protokollen der Potsdamer Konferenz nach lesen.

  • Steffen Görlich

    Veröffentlicht: 24. März 2019 14:02 pm

    Wo kann man den Wortlaut dieses russisch-litauischen Vertrages finden? Ich bin neulich kurz durch Litauen gefahren und mir kamen NATO Fahrzeuge aus den Niederlanden, Deutschland (und Litauen) entgegen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 24. März 2019 22:01

      ... ich warte noch auf den Link vom Autor des Originalartikels. Er hat versprochen, ihn zu übermitteln. Dann stelle ich ihn hier ein.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 24. März 2019 21:39 pm

    Oh, Hauke, da bringen Sie mich aber auf eine viel größere und herrlichere Idee.
    Dieses Gebiet Klaipeda liegt im jetzigen Herrschaftsbereich Litauens, früher zur UdSSR gehörend als Siegermacht des WK II. Das ist erst einmal wichtig zu wissen.
    Nun gibt es aber größere Gebiete östlich von Oder und Neiße, die nach 1945 unter polnischer Verwaltung standen (keine Siegermacht). Das war bis in die Neunziger immer noch auf den Landkarten zu lesen. Da waren die alten deutschen Namen verzeichnet und in Klammern kleiner darunter, die jetzigen polnischen geografischen Namen. Dazu auch die Grenzen von Pommern, Ostpreußen ... und jeweil wieder darunter (unter polnischer Verwaltung).
    Wenn man das eine so anspricht, möchte man das andere doch gleichberechtigt mit in die Waagschale werfen. Oder nicht? Zumal es ja bei den Polen gewiefte Rechner gibt, die von der BRD eine Billion Euro als Reparationen haben wollen. Ob sie im Gegenzug die verwalteten Gebiete wieder hergeben würden, habe ich nicht gelesen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 24. März 2019 22:00

      ... dem habe ich nichts hinzuzusetzen.

  • Hauke

    Veröffentlicht: 25. März 2019 10:49 pm

    Herr Radeberger da haben Sie vollkommen Recht auch diese Gebiete stehen laut Potsdamer Konferenz nur unter polnischer Verwaltung.
    Und wenn laut Bundesregierung das Deutsche Reich nicht untergegangen ist und die BRD nicht Rechtsnachfolger des Deutschen Reich ist , hm, ja?

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 25. März 2019 21:20 pm

    Nur noch ein paar Denkanstöße.
    Litauen, wie auch die beiden anderen Baltenstaaten und in gewissem Sinne auch die Ukraine distanzieren sich doch grundsätzlich von der UdSSR und bezeichnen die Zeit der "Zugehörigkeit" zu diesem Staat UdSSR als Besatzungsregime. Wenn man diesem Gedankengang folgt, dann ist es doch vollkommen logisch, daß ein Land, daß diese Besatzung abgeschüttelt hat und sich heute noch sehr eng mit dem deutschen Reich 1933 - 1945 verbunden fühlt, es doch nicht sein kann, daß es Gebiete desselben sich aus dieser angeblichen Unrechtszeit aneignet und als eigenes Staatsgebiet weiterhin besitzen will. Dieses Gebiet bezüglich Litauen, also das Memelgebiet wird nach deren eigener Rechts- und ideologischer Auffassung niemals Eigentum, also Staatsgebiet von Litauen sein. Da aber die UdSSR der Siegerstaat ist und Rußland sein anerkannter Rechtsnachfolger, steht dieses Gebiet mit den Städten Klaipeda und Kaunas der russischen Föderation zu.
    Was meinen Sie?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 25. März 2019 23:20

      ... ein etwas schwieriger Gedankengang.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 26. März 2019 03:25 pm

    Tja, Uwe Erichowitsch, so ist das nun mal. Leichte Probleme löse ich in der Regel selbst. Bei schwierigeren lasse ich auch andere mitdenken. Um den Kreis zu schließen kommt dann ja noch der Vertrag Rußland - Litauen dazu, den Litauen bekanntlich auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen hat. Nach dem Motto, was will der Putin von mir? Ich bin in der EU und in der Nato, was ja eigentlich gar nicht sein dürfte, entsprechend der Nato - Aufnahmekriterien.
    Aber jetzt kann man auch das stete Angst-Gejammer der ehemaligen KPdSU-Hochschuldirektorin verstehen. Sie hat panische Angst, daß sich Rußland sein Territorium wiederholt und Litauen letztendlich nur noch wenige Kilometer sandigen Strand zur Ostsee hätte. Keinen Hafen Klaipeda und kein Kaunas mehr. Dafür laufen ihr noch mehr als bisher die Einwohner in Richtung West oder Ost oder Übersee davon. Gribauskaite würde zur Direktorin eines staatlichen Altersheims namens Litauen/EU befördert. Oder auch nicht.

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