Ein deutscher Held mehr auf dieser Welt

Ein deutscher Held mehr auf dieser Welt
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Wir haben einen deutschen Helden mehr auf dieser Welt. Sein Name ist unbekannt und einen Gedenkstein wird man ihm sicherlich nicht widmen. Aber er wird es sicherlich verstehen, sich selber ein Denkmal zu setzen und seine Heldentat in Russland so darzustellen, dass er in einem möglichst guten und die dummen Russen in einem möglichst dummen Licht dastehen.

Wie oft habe ich, manchmal freiwillig, manchmal unfreiwillig Gespräche angehört, wo Deutsche erzählt hatten, wie sie während eines Aufenthaltes in Russland im Allgemeinen und in Kaliningrad im Besonderen, den Russen zu dieser oder jener Frage gezeigt haben, wo der Hammer hängt. Und wie die Russen eingeschüchtert dann das gemacht haben, was der Deutsche angewiesen hat. Nach solchen Geschichten avanciert man natürlich sofort in die Ebene der namenlosen Helden und man genießt das anerkennende Nicken und die zufriedenen Blicke derjenigen, die den 8. Mai 1945 noch immer nicht richtig verkraftet haben und nur darauf warten, es den Russen mal wieder so richtig heimzahlen zu können.

Es gibt sogar Helden, die lassen sich extra ein T-Shirt drucken, wo draufsteht:

„Für nächstes Mal ohne Italien“.

Nun haben die Russen mal wieder einen Deutschen daran gehindert, die von ihm gewohnte Freiheit voll auszuleben. Deutsche kennen ja eigentlich keine Reisepässe, keine Visa, fast überall stehen ihnen Tür und Tor offen.  

Tja, in Russland stehen ihnen auch die Türen und die Tore offen, aber wie gesagt, die Türen und Tore und dies auch nur, wenn sie sich ausweisen können und ein Visum haben. Und der deutsche Held hatte nichts von alledem und versuchte die Grenze zwischen Polen und Russland irgendwo dort zu überqueren, wo es keine Türen und Tore gibt. Vielleicht war er ja aber auch einer der meinte, dass Ostpreußen ja von den Russen ungerechtfertigt okkupiert ist und ja eigentlich zu Deutschland gehört und er deshalb keinen Ausweis und kein Visum braucht – ich weiß es nicht und die Pressemitteilung lässt darauf auch keine Rückschlüsse zu. Ich habe nur meiner Phantasie ein wenig freien Lauf gelassen und frage mich, wie man überhaupt auf den Gedanken kommen kann, eine Staatsgrenze illegal zu überschreiten, trotzdem diese sowohl auf polnischer, wie auch auf russischer Seite sehr gut ausgeschildert ist.

Der Deutsche hatte Glück, denn die Polen haben ihn nicht gesehen. Und so kam er wenigstens bis auf russisches Territorium und schon alleine diese Tatsache lässt sicherlich bei seinen zukünftigen Zuhörern die Gänsehaut über den Rücken laufen.

Und dann hatte er Pech, denn die Russen haben ihn gesehen und festgesetzt.

Ein Kaliningrader Kreisgericht hat den deutschen Bürger wegen ungesetzlichen Überschreitens der russischen Staatsgrenze verurteilt. Darüber informierte der Pressedienst des russischen Sicherheitsdienstes FSB.

Aus der Mitteilung geht hervor, dass der Zwischenfall bereits im August 2018 passiert ist. Da erst jetzt das Urteil gesprochen worden ist, hat der Deutsche also vier Monate die russische Gastfreundschaft genossen, vermutlich auch noch in einer Unterkunft des FSB. Dafür gibt es dann gleich noch einen Heldenstern.

Er hatte eine Strafe von 40.000 Rubel zu zahlen und wurde abgeschoben. Einreisen wird er wohl die nächsten Jahre wohl nicht mehr können. Überhaupt hatte er Glück, dass er wieder ausreisen durfte. Nicht alle haben das Glück, so schnell wieder abgeschoben zu werden. Die Russen lieben eben die Deutschen – man merkt es auch an solchen Kleinigkeiten.

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Kommentare ( 3 )

  • A. Bienenfreund

    Veröffentlicht: 17. Dezember 2018 23:14 pm

    ich finde ja, Russland sollte seine finanziellen Strafen für Ausländer anpassen über die Rubelstrafen lachen die Wessis doch. In diesem Fall etwa:
    40000 R = 1,5 x russisches øMonatsgehalt das macht für einen Deutschen (wenn ich nicht irre) 5200€ . Es darf doch ruhig etwas wehtun.
    Oder, anderer Fall: Googel wurde neulich zu 120000 R verdonnert, da haben die sich vermutlich schlappgelacht, hier sollte doch mindestens 1:1 umgerechnet werden oder besser noch (so macht es die Eu) in Anteilen des Weltumsatzes bestraft werden. Schon 0,1% des Umsatzes wären ein guter Einstieg und 1% tut schon richtig weh - und das soll es doch auch, wenn die Strafe gerechtfertigt ist.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 18. Dezember 2018 00:00

      tja, dem kann man ja dann eigentlich nur noch zustimmen.

  • Udo Petz

    Veröffentlicht: 18. Dezember 2018 09:42 pm

    zustimmen, aber nicht ganz, es sind etwa 530,- €, keine 5200. Schöner Traum für Russland.

  • Hauke

    Veröffentlicht: 18. Dezember 2018 12:14 pm

    Ich verstehe die ganze Aufregung nicht.
    Es ist doch richtig das man seine Grenzen schützt und wissen will wer ins Land kommt.
    Macht man das nicht, so sieht man das Ergebniss in Deutschland.
    Gehen sie heute mal in Berlin am Abend über den Alexander-Platz.
    Angst und Bange wird einen da.
    Sicher es ist schade dass die Einreiseformalitäten nach Russland so schwierig und aufwendig sind.
    Aber daran ist nicht Russland schuld.
    Es ist die Schuld der deutschen Regierung!
    Die hat den visafreien Reiseverkehr ,wie ihn Putin oft angeboten hat, abgelehnt.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 18. Dezember 2018 12:48

      ... ich habe mir erzählen lassen, dass die Einreiseformalitäten für die USA wesentlich schwieriger sind. Da soll es sogar noch Gewissensfragen-Gespräche an der Grenze geben. Und ein Visum für Russland zu beantragen ist nun wirklich eine Kleinigkeit. Ich bin mal gespannt wie das wird, wenn es das kostenfreie elektronische Visum gibt - ob da auch noch Leute sagen, dass sie die grüne Grenze nutzen, weil die Einreise nach Kaliningrad so schwierig ist.

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