Es ist dort schön, wo wir nicht sind – Unzufriedene Jugend in Kaliningrad

Es ist dort schön, wo wir nicht sind – Unzufriedene Jugend in Kaliningrad
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Das liberale Informationsportal „newkaliningrad“ veröffentlichte eine aktuelle Studie unter jungen Kaliningradern, die ein erschreckendes Bild zeigt: Ein Großteil der Jugend ist mit der Stadt unzufrieden und will so schnell wie möglich weg.

Zum besseren Verständnis – die Umfrage wurde nicht nur in Kaliningrad durchgeführt, sondern auch in über 30 anderen russischen Städten landesweit. Man wollte wissen, wo die Jugend glücklich und zufrieden ist und wo nicht. Es stellte sich heraus, dass die Jugend in Kaliningrad wohl zur unglücklichsten und unzufriedensten Jugend in Russland gehört.

Die Studie wurde im Rahmen des Projektes „Werteatlas Russland“ durchgeführt und die Ergebnisse wurden von einer Reihe föderaler Medien, so auch von RIA Nowosti veröffentlicht. Leiter des Projektes ist Professor Andrej Podolski von der Moskauer Staatlichen Universität – also einer hochangesehenen Universität.

Dieser kommentierte, dass ihn das Ergebnis völlig überrascht habe, denn niemand habe erwartet, dass die Kaliningrader Jugend eine der unglücklichsten in Russland ist. Es entstand der Eindruck, als ob die Kaliningrader Jugend sich weder  als „unsere“ (sprich russische) Jugend fühlt, aber auch nicht das Gefühl einer europäischen Jugend hat. In vielen Fragebögen wurde ausgefüllt, dass man so schnell wie möglich die Ausbildung abschließen und aus Kaliningrad weg will. Und viele haben noch weitere pessimistische Gedanken geäußert – so der Professor.

Die Ergebnisse der Untersuchung der Moskauer Staatlichen Universität decken sich mit Ergebnissen einer Befragung der Kaliningrader Kant-Universität aus dem Jahre 2018, wo die Befragten ebenfalls erklärten, aus Kaliningrad abreisen zu wollen, um in anderen Ländern zu studieren, zu arbeiten und zu leben.

Und dieser Wunsch wiederum deckt sich mit einem bekannten russischen Sprichwort:

Es ist immer dort schöner, wo wir nicht leben.

Auch mich erstaunt die Umfrage. Natürlich kann man nicht erwarten, dass alle eine Million Kaliningrader 24 Stunden am Tag patriotische Begeisterung zu Stadt und Gebiet Kaliningrad zeigen. Natürlich wissen wir, dass Kaliningrad großes Entwicklungspotential hat. Aber das Kaliningrad so schlecht ist, dass man es kaum erwarten kann, aus dieser Stadt fortzukommen, erstaunt schon. Insbesondere auch deshalb, weil Besucher, mit denen ich spreche, immer wieder betonen, wie angenehm sie von Kaliningrad überrascht sind. Kaliningrad ist eine Stadt, die man mit keiner russischen Stadt vergleichen kann. Sie hinterlässt einen angenehmen Eindruck, unterscheidet sich angenehm von den Städten, wo die Besucher herkommen.

Sollen all diese Äußerungen nur leere Komplimente sein, die man höflichkeitshalber einer Stadt macht, in der man sich ein paar Tage als Tourist aufhält?

Und wie ist die Meinung der Kaliningrader Jugend im Vergleich zu den Zahlen der Zuwanderungen zu erklären? Tausende Bürger aus dem russischen Mutterland und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion kommen jedes Jahr nach Kaliningrad und bleiben hier – eben weil man sich im Gebiet wohlfühlt und Chancen für eine persönliche Zukunft sieht.

Nun, vielleicht liegt es ja aber auch daran, dass die Kaliningrader Jugend weder das russische Mutterland kennt, noch das westeuropäische Ausland und deshalb einfach nur über Dinge träumt, die idyllische Postkarten und positiv-emotionale Internetinformationen vermitteln.

Kommentare ( 2 )

  • boromeus

    Veröffentlicht: 7. August 2019 22:12 pm

    "Ein Großteil der Jugend ist mit der Stadt unzufrieden und will so schnell wie möglich weg."Au backe, das sind aber ganz schlechte Aussichten.Die Jugend hat die Nase voll und will weg.Die Geburtsraten sinken und die Sterberaten steigen.Wie kann das sein im Land der unbegrenzten Möglichkeiten?Kein Boom mehr im Wohnungsbau,Wohnungspreise verfallen,Wirtschaftsrezession,Gesellschaft überaltert. Dann kann man sich schon an fünf Finger abzählen, wann das Licht ausgeht in Kaliningrad .Versteh ich nicht diese Undankbarkeit des Jungvolkes .Muss wohl an den westlich Propagandemedien liegen,die das Jungvolk von ihrem patriotischen Weg abbringen,unterwandern und die Sinne vernebeln.Übel,übel.Echt übel.Ein Damoklesschwert über dunkle Wälder und kristallne Seen!

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 8. August 2019 03:14 pm

    Ich habe einen Bericht bei Rossia 24 gestern Abend gesehen. Der war ziemlich lang und für mich anstrengend wegen der Sprachprobleme. Der Verfasser dieses Films ist quer durch das große Land gereist - bis Tschuchodka - und hat sich die Klagen und Nöte von sehr vielen Einwohnern vieler Ortschaften und Städte über die herrschenden Unzulänglichkeiten, bei Häusen, bei Flughäfen, Flugzeugen, Straßen oder auch nicht angehört und dann die örtlichen Verantwortliche interviewt.
    Man brauchte gar nicht alles wörtlich verstehen. Ganz ehrlich, es war entsetzlich, wie sich diese Leute versuchten heraus zu reden und immer nach oben zeigten, daß die verantwortlich wären. Für solche Schlampereien auf der einen Seite und der Selbstbereicherung andererseits sind nicht "die da oben" zuständig. Da hat das Große Land noch einen langen Weg vor sich. Wobei Überschwemmungen, Großfeuer, schlecht ausgerüstete Feuerwehren und Kompetenzstreitigkeiten ein übriges tun.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung