Ich glaubte, ich wär’ im falschen Film

Ich glaubte, ich wär’ im falschen Film

Verwundert rieb ich mir die Augen und traute meinen Ohren nicht. Noch fehlte Jubel und Hörnerklang – aber von der Bühne schallten tatsächlich bewegte Worte über die historisch gewachsene Freundschaft der Russen und Deutschen.

Eine gemeinsame Zukunft wird beschworen, ohne sie könnten beide Völker nicht leben. Merkel und Putin seien die Garanten  dieser Freundschaft, denn sie spricht gut Russisch und er spricht gut Deutsch.

Bewegt, fast mit Tränen in den Augen und vor Rührung gebrochener Stimme wird verkündet, die Tochter habe jetzt Russisch gelernt. Ein anderer ist glücklich, nach mehreren Jahren im Ausland, wieder in Moskau sein zu können – wohlgemerkt: es sind alles deutsche Worte.
Auch begeisterte russische Worte beschwören die gemeinsame Vergangenheit und erinnern an die großen deutschen Dichter, die gemeinsames Gut seien.

Putin sendet Grüße. Der Conferencier – nein das heißt heute … irgend etwas amerikanisches, ich hab’s vergessen – überschlägt sich.
Die Zuschauer sitzen im Gras und klatschen begeistert Beifall. Ich warte auf die Fanfaren – gleich werden sich alle in den Amen liegen.
Aber da stimmt doch irgendwas nicht. Träum’ ich oder wach’ ich? Bin ich in die goldenen russisch-deutschen 90er verrutscht? War’s das jetzt mit meinen kleinen grauen Zellen?

 

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