Kaliningrad und Deutschland – Deutschland und Kaliningrad

Kaliningrad und Deutschland – Deutschland und Kaliningrad

MEINE MEINUNG, … mit deutschem akzent, kommentiert Kaliningrader wirtschaftliche, politische, kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse aus dem Blickwinkel eines Deutschen. Die Rubrik ist der Versuch, mit etwas BLOGGER-Hintergrundwissen dem deutschen Leser die manchmal nicht einfachen Verknüpfungen in der russischen Realität etwas verständlicher zu machen.

 

Kaliningrad und Deutschland – Deutschland und Kaliningrad   

Was gibt es Neues im Verhältnis zwischen Russland und Deutschland? Zur Beantwortung dieser Frage können viele beitragen, denn die Massenmedien sind voll von Informationen. Aber was gibt es Neues im Verhältnis zwischen Kaliningrad und Deutschland?

Sichtbar ist das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in ein altes Gebäude umgezogen – allerdings renoviert und modernisiert. Der Umzug erfolgte real schon Ende vergangenen Jahres, aber um es öffentlich sichtbar einzuweihen hatte man auf besseres Wetter gewartet. Und so bot sich der 14. Mai 2014 an. Vieles was Rang und Namen hatte und natürlich auch andere, die keinen Rang, sondern nur einen Namen  hatten, waren der Einladung des Generalkonsuls Dr. Krause gefolgt und verbrachten ein paar Augenblicke im Garten des Generalkonsulats in der Thälmannstraße 14. Einen Einblick in die Gartenparty vermitteln die Informationen und Fotos auf der Internetseite des Generalkonsulats.

So war der deutsche Botschafter Rüdiger von Fritsch aus Moskau angereist und auch Dr. Guido Herz, ein überall gern gesehener, ehemaliger Generalkonsul in Kaliningrad und jetziger Botschafter in Kasachstan, war anwesend. Der Kaliningrader Gouverneur hatte seinen Stellvertreter Suslow beauftragt, Glückwünsche zu überbringen.

Ob es nach den Feierlichkeiten in der Thälmannstraße noch an anderen Orten Gespräche gab ist mir nicht bekannt – ach, doch, es gab Gespräche. Denn am gleichen Abend fand, wie jeden Mittwoch, der Trefftisch Deutschsprachiger im „Zötler“ statt. Dieser Trefftisch ist wohl nun schon eine Traditionseinrichtung, die sichtbar das Verhältnis zwischen Deutschen und Russen zum Ausdruck bringt. Es treffen sich dort nicht nur Deutsche, sondern  Deutschsprachige, also auch Russen, die gerne mit Deutschen Kontakt haben wollen. In der letzten Zeit kommen allerdings weniger Russen zu uns. Dafür besuchten uns diesmal Botschafter Dr. Guido Herz und Konsul Michael Scholz. Beide haben wesentlichen Anteil am guten Start und der Organisation der Arbeit des Generalkonsulats. Schade, dass die Organisationsprinzipien im deutschen Auswärtigen Amt immer nur einen begrenzten Aufenthalt von Diplomaten an einem Ort zulassen – obwohl, manchmal ist es auch gut so …

Ein wenig später hörte ich, dass eine Delegation aus Kiel nach Kaliningrad reist um mit der Kaliningrader Stadtverwaltung über die Städtepartnerschaft zu sprechen. Fast zeitgleich erhielt ich eine Anfrage eines Deutschen aus einer anderen großen Stadt zum Thema „Städtepartnerschaft“. Er stellte sich als Stadtrat dieser Stadt vor und wollte einen Aufenthalt in Kaliningrad nutzen, um sich ein wenig kundig zu machen, ehe er politisch zu diesem Thema in seiner Stadt aktiv wird.

Ein so gebündeltes Interesse am Thema „Städtepartnerschaft“ provoziert förmlich dazu, sich mit dieser Frage etwas intensiver zu beschäftigen. Einiges war mir natürlich bekannt, vieles ist mir unbekannt. Bekannt war mir, dass Kaliningrad mit

  • Berlin-Lichtenberg
  • Bremerhaven
  • Bodenwerder
  • Hamburg
  • Kiel
  • Potsdam
  • Rostock
  • Zeitz

Partnerschaftsverträge hat. Insgesamt pflegt Kaliningrad mit vielen weiteren Städten weltweit Kontakte:

  • Armenien (1)
  • Weißrussland (5)
  • Dänemark (1)
  • Italien (2)
  • Irland (1)
  • China (2)
  • Litauen (5)
  • Niederlanden (1)
  • Polen (10)
  • USA (1)
  • Ukraine (1)
  • Finnland (1)
  • Frankreich (1)
  • Schweden (2).

34 weitere internationale Städte - eine beeindruckende Zahl, zu der auch noch fünf Partnerstädte aus Russland hinzukommen. Und ich wollte in Erfahrung bringen, wie diese Partnerschaften gelebt werden. Und so bat ich um ein Gespräch in der Internationalen Abteilung der Kaliningrader Stadtverwaltung – kein Problem, innerhalb von 24 Stunden hatte ich meinen Termin.

Gleich drei Mitarbeiterinnen beschäftigten sich mit mir und versuchten auf meine neugierigen Fragen Antworten zu geben. Ich fragte nach praktischen Ergebnissen in der Zusammenarbeit mit deutschen Städten. Was wurde zum Beispiel im Jahre 2013 ganz konkret mit welcher deutschen Stadt getan? Oder was hat irgendeine dieser deutschen Städte konkret im Jahre 2013 in Kaliningrad getan?

Die Frage war vielleicht doch zu direkt und vielleicht auch etwas unerwartet, denn man konnte mir nichts Konkretes nennen. Die wirklich netten Damen aus der internationalen Abteilung meinten, dass es doch wichtig ist, dass man miteinander spricht – gerade in den jetzigen schwierigen Zeiten. Das ist richtig. Aber was wurde 2013 besprochen? Also beispielsweise Berlin-Lichtenberg hat nichts besprochen, denn im vergangenen Jahr hatte man wegen des nichts existierenden russischen Homosexuellen-Gesetzes Gespräche/Treffen in Kaliningrad abgelehnt. In diesem Jahr, so hört man, wollen die Lichtenberger wieder kommen. Und die anderen Städte?

Man verwies mich auf die Internetseite der Stadtverwaltung. Da kann ich mich kundig machen.

Mal davon abgesehen, dass ich dies schon getan und dort nichts gefunden hatte, was mich in meinem Wissensstand wesentlich weiter gebracht hätte, stellte ich die Frage, wo ich denn die Inhalte der Partnerschaftsverträge nachlesen kann – keine Antwort. Und ich stellte die Frage, ob es denn keine Anlage zu diesen Verträgen gibt, wo die konkreten Maßnahmen, die man gemeinsam mit der jeweiligen Stadt realisieren möchte, nach Monaten, Jahren und mit den Verantwortlichen für die Realisierung einsehen kann. Und ich wollte wissen, ob es keinen jährlichen Rechenschaftsbericht über erreichte oder nicht erreichte Ziele gibt – keine Antwort. Man spricht eben miteinander, man organisiert Schüleraustausche und naja, überhaupt …

Vielleicht war ich etwas naseweis als ich meinte, dass der russische Steuerzahler, zu denen ich auch gehöre, etwas mehr wissen möchte (und der deutsche Steuerzahler natürlich auch), was es denn Konkretes gibt im Ergebnis all der Reisen, all der Gespräche – es kostet doch alles Geld, Steuergeld – oder?

Nach einer Stunde Gespräch verabschiedeten wir uns. Erreicht hatte ich nichts – aber wir hatten miteinander gesprochen. Man empfahl mir noch in der Gebietsregierung vorzusprechen, denn auch die Regierung pflegt Kontakte nach Deutschland.

Mit der Regierung habe ich nicht gesprochen, aber vor einigen Wochen mit einer Mitarbeiterin der Gebietsduma. Es hatte sich eine Delegation aus dem Thüringer Landtag angekündigt. Sehr erfreulich, denn Thüringer Delegationen waren schon öfter in Kaliningrad – in unterschiedlicher Größe. Meine Frage an die Mitarbeiterin der Gebietsduma, welche praktischen Ergebnisse diese Besuche bisher gebracht haben, blieb unbeantwortet. Vermutlich kam meine Frage plötzlich und unerwartet oder sie war einfach nicht die richtige Ansprechpartnerin.

Dann kamen mir Zweifel an meiner Denkweise. Vielleicht sind all diese Partnerschaften wirklich nur mehr oder weniger „virtuell“ und niemand erwartet irgendwelche konkreten „Produktionsergebnisse“ – immerhin handelt es sich ja um Politik und nicht um ein Wirtschaftsunternehmen, welches Verträge abschließt um Gewinn zu erwirtschaften.

Und dann hatte ich ein Treffen mit einem Bundestagsabgeordneten in Kaliningrad, der sich zu einem Arbeitsbesuch in der westlichsten Region Russlands aufhielt. Und wir kamen auch auf dieses Thema zu sprechen. Dabei stellte sich heraus, dass er genau die gleichen Vorstellungen zur „Organisation und Durchführung“ von Partnerschaften hatte wie ich. Na, was war ich erleichtert.

Und um nun langsam zum „hüpfenden Komma“ zu kommen. Gibt es vielleicht eine der deutschen Partnerstädte, die unserer Informationsagentur mitteilen könnte, wie zufrieden oder nicht zufrieden sie mit der Kaliningrader Partnerschaft sind? Gibt es jemand in diesen Städten, der uns über die reale Arbeit, über reale greifbare Erfolge oder Ergebnisse informiert? Wir würden dies gerne veröffentlichen und dazu beitragen, dass man weiter miteinander redet … und handelt. Denn reden ist immer besser als schießen …

Ach, wir könnten natürlich die Antworten der deutschen Partnerstädte auch ins russische übersetzen und auf unserem Portal veröffentlichen. Unser Portal wird auch von Russen gelesen und ob die Kaliningrader über deutsche Ansichten immer real informiert sind … ich habe da so meine Zweifel. Und wenn uns das deutsche Generalkonsulat noch in der Kontaktherstellung mit den deutschen Städten unterstützt, dann haben wir doch wieder Neues im Verhältnis zwischen Deutschland und dem russischen Kaliningrad zu berichten.

Ach, und noch ein Gedanke für eine Belebung von Partnerschaften. Vielleicht gibt es Internetportale in den deutschen Partnerstädten, die an einer Zusammenarbeit mit unserem Internetportal interessiert sind und wir tauschen regelmäßig interessante Artikel aus? Zum Beispiel habe ich im „Rostocker Journal“ einen Artikel gefunden, der heißt: „Frau Merkel, besetzen Sie Königsberg“. Am kommenden Montag übernehmen wir diesen Artikel und kommentieren ihn. Vielleicht veröffentlicht das Rostocker Journal auch unseren Artikel? Es wäre doch schön, wenn mir miteinander reden und miteinander schreiben …

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