Kaliningrader Airport „Pawel Kortschagin“

Kaliningrader Airport „Pawel Kortschagin“
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Sie erinnern sich? Am 29. und am 30. Oktober veröffentlichte ich zwei Beiträge zum gesamtrussischen Wettbewerb für die Vergabe von Namen an 45 Airports im Land. Der Wettbewerb verläuft öffentlich in mehreren Etappen. Für jeden Airport gibt es eine große Namensliste, dann wird abgestimmt, die Namensliste wird kürzer, dann wird wieder abgestimmt … usw. usw. Letztendlich entscheidet die Mehrheit über den Namen. Alles sehr einfach – scheint es.

Aber es gab natürlich Vorgaben für die Namen. Der Name muss von einem russischen Bürger oder Bürgerin sein (es konnte auch eine Zarin sein) und er muss zur russischen Historie einen Bezug haben.

Somit ist logisch, dass der Name „Immanuel Kant“ nicht auf der Liste erscheinen konnte, obwohl er in der allerallerallerersten Liste, wo die Suche begann, draufstand. Und er stand da nicht nur drauf, sondern für diesen Namen stimmte eine große Anzahl von Wettbewerbsteilnehmern.

Dann wurde der Name von der Kommission entfernt – wie viele andere auch – eben aus dem bekannten Grund: Kant war kein Russe.

Wenige Momente später war er wieder auf der Liste, denn man hatte herausgefunden, dass Kant doch Russe war. Denn während des Siebenjährigen Krieges, wo Russland Königsberg und Ostpreußen vier Jahre besetzt hielt, legten alle Königsberger den Treueeid auf die russische Zarin ab. Grund war, dass man dadurch viele Unbequemlichkeiten einer russischen Besetzung vermeiden wollte. Also der junge, damals noch völlig unbekannte Kant, hat die russische Staatsbürgerschaft automatisch, ohne Eigeninitiative angenommen und sie auch, wie alle anderen Königsberger, vier Jahre später wieder abgelegt.

Soweit zur Vorrede.

Nun gibt es aber mal wieder ideologische germanisatorische Auseinandersetzungen in der Kaliningrader Gesellschaft. Ich schreibe bewusst „Kaliningrader Gesellschaft“, denn im russischen Mutterland wird man die merkwürdigen Verhaltensweisen der russischen Kaliningrader in dieser Exklave wohl immer weniger verstehen.

Nachdem nun der Name Kant wieder auf der Liste steht, stimmen die Interessierten weiter ab – Zeit dafür ist noch bis Ende November. Dann wird der Name festgelegt. Und die Gesellschaft ist gespalten. Die sogenannte Kaliningrader liberale Intelligenz will den Namen Kant und schart die Massen um sich und die andere Hälfte der Kaliningrader Gesellschaft will einen anderen Namen – allerdings einen konkreten: den Namen Tschernjachowsk. Dies ist der sowjetische General, der sein Leben für die Befreiung Polens vom Faschismus gegeben hat und der natürlich die Verdienste um die Eroberung Ostpreußens auf seine Truppenfahne schreiben konnte.

Deutsche, die immer noch nicht verkraften können, dass man am 8. Mai 1945 kapitulieren musste, hängen dem sowjetischen General natürlich alle möglichen diskriminierenden Schandtaten an – aber das ist heute nicht das Thema.

Der gegenwärtige Stand der Abstimmung ist der, das „Kant“ mit Riesenabstand die Liste anführt und an diesem Abstimmungsverhältnis wird sich wohl bis zum Monatsende kaum etwas wesentliches ändern.

Und trotzdem bin ich der Meinung, dass es die Kaliningrader Gesellschaft nicht zulassen wird, dass der Airport diesen Namen trägt, denn man wird ganz einfach – zumindest glaube ich das – mit rechtlichen Mitteln gegen die Vergabe dieses Namens vorgehen, denn er erfüllt einfach nicht die Bedingungen des Wettbewerbs: Kant war kein Russe.

Und dann beginnen die rechtlichen Auseinandersetzungen, Rechts- und Geschichtsexperten werden hinzugezogen, Analysen und Bewertungen erstellt um das eine oder das andere zu beweisen. Dann gibt es die erste Instanz, die zweite Instanz und die letzte Instanz. Wir können also davon ausgehen, dass wir wohl in den kommenden Jahren keinen Namen für den Kaliningrader Airport erhalten werden. Er bleibt unser „Chrabrowschik“.

Was meine persönliche Meinung, als NeuKaliningrader anbelangt. Mir gefällt kein einziger Name auf dieser Liste, die gegenwärtig zur Abstimmung steht und dies, obwohl auf dieser Liste natürlich wirklich zu ehrende Namen stehen.

Aber Kaliningrad ist eine Region mit besonderen Befindlichkeiten. Unser ziviler Airport sollte einen Namen tragen, der nichts zu tun hat mit Krieg und Tod und Zerstörung. Er sollte einen Namen tragen, der verbunden ist mit dem Neuanfang 1946, mit dem Aufbau, mit der Organisation des neuen sowjetischen Lebens im Ex-Königsberg. Ich kann es einfach nicht glauben, dass es bei uns keinen Pawel Kortschagin gegeben haben soll, der sich und seine Gesundheit für ein „Auferstanden aus Ruinen“ gegeben hat und den man heute auf diese Weise ehren könnte.

Ach, Sie wollen wissen, wer denn dieser Pawel Kortschagin ist oder war? Es handelt sich um eine Romanfigur des Schriftstellers Nikolai Ostrowski aus dem Buch „Wie der Stahl gehärtet wurde“. Hinter dieser Romanfigur steht real Nikolai Ostrowski, der seine Gesundheit und sein Leben für den Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung während der Revolutionsjahre in Sowjetrussland gegeben hat. Für viele Schüler in der DDR war es Pflichtlektüre. Ich habe dieses Buch freiwillig gelesen, so, wie auch die Bücher von Makarenko – aber das ist ein anderes Thema.

Zitat aus dem Buch: "Wie der Stahl gehärtet wurde."

Das Wertvollste was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben und er sollte es so nutzen, dass ihn sinnlos verlebte Jahre nicht später schmerzhaft geräuen, dass über ihn nicht Schande kommt für Schlechtigkeiten und Kleinigkeiten der Vergangenheit, damit er sterbend sagen kann: Das ganze Leben und all meine Kraft habe ich dem allerbesten in der Welt gegeben - dem Kampf für die Befreiung der Menschheit. Und dafür lohnt es sich jetzt zu leben. Denn eine schwere Krankheit oder irgendein tragischer Zufall kann dem Leben schnell ein Ende setzen.

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Kommentare ( 2 )

  • ru-moto

    Veröffentlicht: 17. November 2018 00:32 pm

    [Deutsche, die immer noch nicht verkraften können, dass man am 8. Mai 1945 kapitulieren musste,...]

    ...schreiben wahrscheinlich auch Kommentare entsprechend.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. November 2018 01:22

      ... Sie können sich gerne mal in der FB-Gruppe "Ostpreußen" anmelden.

  • ru-moto

    Veröffentlicht: 17. November 2018 02:21 pm

    [...in der FB-Gruppe "Ostpreußen" anmelden.]

    Von den Erfahrungen anderer habe ich genug gelesen/gelernt. Als Nichtdeutscher lebe ich für die Zukunft und nicht in der und für die Vergangenheit. Der Umgang mit fb ist für Informierte grundsätzlich höchst bedenklich. Ich werde darauf verzichten!
    Schönes WE!

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. November 2018 07:28

      ... dann machen Sie alles richtig!

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