Kaliningrader liberale Medien – Polygon für Führungskader

Kaliningrader liberale Medien – Polygon für Führungskader
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Mal wieder steht der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow im Zentrum der Aufmerksamkeit liberaler Medien. Als „liberal“ werden in Russland die Medien bezeichnet, die ständig die Arbeit des Staates und seiner Entscheidungsträger kritisieren – egal, was diese Gutes oder Schlechtes tun.

Es gibt zwei Informationsportale in Kaliningrad, die besonders herausragen, wenn es um die Kritik der „Macht“ geht. Nun hat niemand etwas gegen Kritik, schon gar nicht der Kaliningrader Gouverneur, der sogar seine Regierungsarbeit auf Kritik aufbaut, denn nur kritische Anmerkungen und Hinweise helfen, entweder Fehler zu vermeiden oder schon begangene Fehler wieder zu korrigieren. Und Anton Andrejewitsch ist viel zu jung und ein viel zu hoffnungsvoller, begabter Kader, um sich viele Fehler erlauben zu können. Und so ist er auf die Unterstützung der Gesellschaft angewiesen, die er auch sucht. Das ihm da ab und zu Worte rausrutschen, die er in stressfreier Zeit vielleicht anders formuliert oder vielleicht auch gar nicht gesagt hätte … tja, wer von uns kennt das nicht. Nur, er steht als öffentliche Person im Zentrum der Aufmerksamkeit und wer ihm nicht wohl gesonnen ist, greift mit Wonne und dem Pawlowschen Sabber an den Lefzen jede Kleinigkeit auf, die man gegen den Gouverneur anwenden kann.

Und so schieben sich „rugrad.eu“ und „newkaliningrad“ in der vergangenen Woche gegenseitig Informationen und Kommentarmöglichkeiten zu, in der Hoffnung, dem Gouverneur mal wieder so richtig eins medial auswischen zu können.

Es geht mal wieder um Äußerungen im Rahmen einer Veranstaltung mit Jungunternehmern und zum Thema „Gehalt im Umschlag“, hinterzogene Sozialabgaben, Sozialbetrug, Steueroptimierung. Nach meinem Geschmack hat der Gouverneur geradezu gesagt, was der Wahrheit entspricht. Aber die beiden genannten Medien interpretieren seine Äußerungen so, dass er in einem negativen Licht dasteht.

Der Gouverneur meinte u.a., dass die Menschen selber schuld sind, wenn es nicht mit einem idealen Kindergartenplatz oder anderen Sozialleistungen des Staates klappt. Wenn alle ihre Steuern zahlen würden und die realen Sozialabgaben in die Kassen abführen würden, dann hätte der Staat auch genügend Geld, um seinen Verpflichtungen schneller nachkommen zu können. Und er schlug den Unternehmern vor, die Arbeit des Unternehmens einfach auf legale Füße zu stellen.

Durch irgendwelche Leute wurden Tonaufzeichnungen gemacht und nun geht das Spiel von Rede und Widerrede, Bestätigung und Dementierung wieder los. All das hält nun die Verantwortlichen in der Regierung – egal ob es der Gouverneur, sein Pressesprecher oder sonst irgendjemand ist, davon ab, sich mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben zu beschäftigen. Mich erinnert dies ein wenig an meine eigene publizistische Tätigkeit, wo Personen, in der Regel allerdings Pseudo-Reale, mich mit Kommentaren vollmüllen, in der Hoffnung, dass ich mit der Beantwortung von Kommentaren so beschäftigt bin, dass ich mich nicht mehr mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben beschäftigen kann. Aber ich halte es da wie der Kaliningrader Gouverneur: der spricht einfach nicht mehr mit den beiden Medien. Dass schafft Freiraum. Und ich werde auch nicht mehr auf Kommentare reagieren, die nur das Ziel haben, mich zu beleidigen oder von den schönen und interessanten Dingen des Lebens abzuhalten.

Und, um nochmal auf die Überschrift zu diesem Beitrag zu sprechen zu kommen. Ich hoffe, dass diese beiden Informationsportale „rugrad.eu“ und „newkaliningrad“ noch sehr lange in Kaliningrad berichten und noch sehr lange den Gouverneur angreifen, verunglimpfen, beleidigen können. Denn dies ist die beste Vorbereitung auf höhere Führungspositionen. Kaliningrad ist für den Gouverneur der beste mediale Truppenübungsplatz, der mediale Polygon. Er kann hier auf kleiner Provinzebene den Umgang mit Medien trainieren und das qualifiziert ihn in höheren Führungspositionen, mit anderen, stärkeren, internationalen Medien, souverän umzugehen – also so, wie es sein politischer Ziehvater seit rund zwei Jahrzehnten tut.

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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 3. Juni 2019 20:32 pm

    Да, это жизнь, Уве Эрикович

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