Kleiner Anlass, große Wirkung – wie organisiert man einen Krieg?

Kleiner Anlass, große Wirkung – wie organisiert man einen Krieg?

Ich gehöre zu der Generation Deutscher, die keinen Krieg erlebt hat und das soll auch so bleiben. Aber es gab Geschichte und wer die Zukunft gestalten will, der muss die Geschichte kennen. Auch die jüngere Geschichte, denn alles fängt immer klein an.

Erinnern Sie sich an den klitzekleinen Ersten Weltkrieg? Er begann am 28. Juli 1914, also fast auf den Tag genau vor 100 Jahren. Anlass war der „Abschuss“ des Thronfolgers von Österreich-Ungarn in seiner Kutsche und seine Gattin wurde ebenfalls Opfer. Auf den Tag genau einen Monat später, erklärte Österreich-Ungarn dem kleinen Serbien den Krieg. Deutschland ließ sich auf dieses Abenteuer, im Rahmen seiner Europa- und sonstigen Bündnispolitik, ein und stand nach vier Jahren als der große Verlierer am Pranger. Wer hätte Anfang des Jahres 1914 gedacht, dass viele deutsche Familien das Weihnachtsfest 1914 ohne Mann, Vater, Bruder, Sohn verbringen werden?

Dann folgten Hunger- und Inflationsjahre und Anfang 1933 kam der Retter Deutschlands in den Reichstag und er tat den Deutschen in den kommenden Monaten viel Gutes an – es gab wieder Arbeit, es wurde viel produziert, viel gebaut und dem Volk ging es gut. Das Volk sammelte Kraft durch Freude und bereitete sich auf größere Aufgaben vor – auf ein Großdeutschland. Die paar Leute, die immer mal was zu meckern hatten und den Äußerungen des Führers nicht glaubten, wurden in Umerziehungslager (auch KZ genannt) gesteckt und zum Schweigen gebracht. Manche hielten den Schweige-Stress dort auch nicht durch und starben oder wurden gestorben.

Und dann kam der 1. September 1939. Sie erinnern sich sicherlich? Da überfielen polnische Terroristen den Sender Gleiwitz und Adolf, der Lieblings-Adolf aller Deutschen bis zum 8. Mai 1945, zögerte diesmal nicht einen ganzen Monat, sondern erklärte schon im Morgengrauen des 1. September 1939: „… und seit 5.45 Uhr wird nun zurückgeschossen …

Tja, welcher Deutsche hätte noch zu Anfang des Jahres 1939 gedacht, dass das kommende Weihnachtsfest schon in vielen Familien ohne Vater, Bruder, Sohn, Enkel stattfinden würde? Deutschland wollte GROSS werden, Deutschland wollte die Welt beherrschen und geendet hat es in einer Weltkatastrophe, an der die Deutschen noch heute kranken.

In der Weltgeschichte gab es schon oft Versuche von Staaten, die ganze Welt beherrschen zu wollen. Das ist auch in den letzten zweitausend Jahren immer mal wieder temporär gelungen, endete aber letztlich immer mit dem Untergang des Welteneroberers. Vielleicht sollten diejenigen, die gerne die Rolle des Weltbeherrschers spielen wollen, diese geschichtlichen Tatsachen berücksichtigen?

Im vergangenen Jahr begannen sich die Probleme in der Ukraine zuzuspitzen – ein Land, unweit von Serbien, mitten in Europa. Zuerst eine kleine Demonstration, dann Tote in Kiew, jetzt Bürgerkrieg im Land – eine rasante Entwicklung. Und der Präsident der Weltmacht Amerika Herr Obama drohte der Regionalmacht Russland:

„… und seit 5.45 Uhr … „

Nein, so drohte er natürlich nicht. Er sagte, dass Russland teuer für die Krim bezahlen wird. Aber was meinte er damit? Wie teuer und in welcher Valuta?

Nun, es begannen die Sanktionen, die sich in den letzten Jahren, wenn die USA sie gegen andere Staaten angewandt hatten, doch mehr oder weniger effektiv erwiesen hatten. Aber jetzt klappte das nicht so richtig mit den Sanktionen. Die Europäer zickten rum und wollten nicht so richtig mitspielen. Es muss also irgendetwas anderes organisiert werden, um diesen widerspenstigen Putin endlich in die Schranken zu weisen und ihn bezahlen zu lassen – so wie angekündigt.

Dann passierte „plötzlich und unerwartet“ der Zwischenfall mit dem malaysischen Flugzeug. Es stürzte ab und es gibt die unterschiedlichsten Versionen zu den Ursachen und Verursachern. Schon nach wenigen Minuten, noch niemand war am Unglücksort gewesen, stand für die westliche Seite alles fest, man wusste alles. Da kann man nur staunen, denn selbst bei einen kleinen Unfall auf einer deutschen Autobahn, muss die Polizei zur Unfallaufnahme kommen und bis eindeutig alles geklärt ist, vergehen in der Regel ein paar Stunden, wenn nicht gar Tage oder Wochen. Und dann gibt es ein Gerichtsverfahren und der unabhängige Richter spricht Recht. Hier ist es anders. Hier kann jeder der Zugang zu einem Mikrophon, einer Zeitung oder einem TV-Sender hat, der Weltöffentlichkeit seine Meinung aufdrücken – ungestraft und ungeprüft – und die Welt glaubt das alles.

Also, dieser Flugzeugabsturz ist, so zynisch wie es klingt, für Amerika und seine Gleichgesinnten, ein „Geschenk“ und da natürlich die Russen, oder doch zumindest die von Russland unterstützten Separatisten dieses Flugzeug vom Himmel geholt haben, so hat also Russland den Amerikanern dieses Geschenk gemacht – richtig? Na, so wie die beiden Länder sich jetzt „partnern“ ist wohl kaum damit zu rechnen, dass Russland auch noch etwas zu verschenken hat. Da kommt einem doch glatt in den Sinn, dass sich Amerika vielleicht selber beschenkt hat.

Und am 22. Juli 2014 erklärte Herr Obama, nachdem im UN-Sicherheitsrat einstimmig eine Resolution zu dem Vorfall angenommen worden war und eigentlich erst einmal alle hätten zufrieden sein können:

„… wenn die Russen weiterhin die Separatisten unterstützen, werden die Kosten für dieses Verhalten weiter steigen.“

Ach, Herr Obama, wird dann noch ein Flugzeug abstürzen?

Es gibt ein Sprichwort in Deutschland: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Aber dieses Sprichwort scheint nicht zu stimmen, denn Amerika hat in den letzten …zig Jahren schon so oft gelogen, um einen Krieg in einem anderen Land zu beginnen und immer wieder glaubt man den Amerikanern. Amerika weiß: Dem Sieger stellt man keine Fragen. Und Amerika geht davon aus, dass es siegreich sein wird - koste es, was es wolle.

Und so „beweisen“ die Amerikaner und andere die Schuld der Russen ohne Beweise vorzulegen. Je größer die Lüge, umso mehr Leute glauben daran (hoppla, habe ich da Goebbels zitiert?). Und man glaubt den nicht vorgelegten Beweisen der Amerikaner und vor allem der Ukrainer. Und bei all dem, was man den Russen vorwirft, kann man nur zu der Überzeugung kommen, dass die Russen wahre Ungeheuer sind und die anderen völlige Unschuldslämmer.  

Aber nun haben die Russen Beweise vorgelegt – am 21.07.14, vier Tage nach der Katastrophe. Vier Tage haben die Russen geschwiegen, zumindest sich sehr zurückhaltend geäußert. Das wird natürlich sofort als „schlechtes Gewissen“ der Russen gewertet und nicht etwa, dass die Russen erst einmal ihr Material ordentlich sichten und auswerten wollten, um dann damit an die Weltöffentlichkeit zu treten. Und vier Tage Auswertung scheint mir für so einen komplizierten Fall nicht übermäßig lang zu sein – oder? Und als sie dann an die Weltöffentlichkeit traten, da formulierten die objektiven Journalisten von ARD/ZDF am gleichen Abend, dass Russland „Beweise produziert hat.“ Und auch nach dem Briefing im russischen Verteidigungsministerium gab es Seitens Russland keinerlei Schuldzuweisungen – für niemanden. Russland hat nur Fragen gestellt und wartet nun auf Antworten.

Eine erste indirekte Antwort erhielt Russland am 22.07.2014. Da stimmte das ukrainische Parlament einer Teilmobilmachung zu – wohl schon der dritten in diesem Jahr. Männer im wehrpflichtigen Alter bis 60 Jahre haben sich der Armee zur Verfügung zu stellen (und Teile der bankrotten ukrainischen Wirtschaft ebenfalls). Geld, um Krieg gegen das eigene Volk zu führen, scheint also vorhanden zu sein. Um aber Gaslieferungen aus Russland zu bezahlen, um im Winter nicht zu erfrieren – dafür ist kein Geld da – interessant finde ich.

Aber wozu sollen sich die Mobilisierten zur Verfügung stellen? Nach den Meldungen des ukrainischen Verteidigungsministers läuft doch die Terroristenbekämpfung im Osten der Ukraine erfolgreich und die Terroristen werden in absehbarer Zeit nicht mehr existieren. Wozu also das Land mobilisieren, wozu braucht man zusätzliche Soldaten und Technik?

Also, die Eskalation nimmt zu und niemand weiß, wo sie enden wird. Aber die Eskalation findet im Zentrum Europas statt. Wie schnell kann da noch ganz anderes passieren? Die Ukraine hat zwar keine Atomwaffen mehr, aber dafür jede Menge maroder Atomkraftwerke – Tschernobyl lässt grüßen! Und vielleicht, wenn die Russen nun nicht endlich das machen, was den Amerikanern so vorschwebt, fällt eine „verirrte“ Rakete in eines dieser Atomkraftwerke … Mykolajiw wäre dafür gut geeignet – im Süden der Ukraine, unweit der Krim.

Ich finde, hier spielen sehr viele Leute mit einem wirklich gefährlichen Feuer – Leute übrigens, deren Gehalt aus Steuergeldern finanziert wird. Europa hat in den letzten 100 Jahren zwei verheerende Kriege durchlebt und teuer dafür bezahlt. Amerika hat auf seinem Gebiet nur einen Krieg, den Bürgerkrieg gehabt und der liegt lange zurück (1861–1865). Am 11. September 2001 wurden durch Terroristen zwei Häuser in Amerika zerstört und es gab 3.000 Opfer und die Amerikaner sind bis heute schockiert von diesem Angriff … Aber, es war kein Angriff, es war nur ein Terrorakt. Wenn Amerika auf seinem Territorium solche Kriege erleben würde wie im Irak, in Syrien, in Afghanistan, in Lybien … vielleicht würde man dann weniger aggressiv denken und handeln?

Und zum Schluss meiner schrecklichen Gedanken …

Der Erste Weltkrieg fand in Europa statt. Wer hat verloren? Europa. Wer hat gewonnen? Amerika!

Der Zweite Weltkrieg fand in Europa statt. Wer hat verloren? Europa. Wer hat gewonnen? Amerika.

Der Dritte Weltkrieg wird auch in Europa stattfinden. Wer wird verlieren? Die Welt, denn sie wird danach nicht mehr existieren.

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Kommentare ( 1 )

  • Jenenser

    Veröffentlicht: 23. Juli 2014 12:31 pm


    Das Militär ist heute in Deutschland und den USA ein Berufszweig. Dass man „früher“ als junger Mann auch unter Androhung von Gewalt zu einem gewissen Zeitraum „einberufen“ worden ist, um zu lernen, warum und wie man mit Kriegsgeräten umgeht – nun dieser Personenkreis, der sich daran erinnert, schrumpft von Jahr zu Jahr. Die meisten noch fast männlichen Jugendlichen sind heute froh, da nicht hin zu müssen. Auf der anderen Seite gibt es vielleicht noch einen Gewissen Respekt. Nach dem Motto: die dort beim Militär freiwillig arbeiten, machen ihren „Job“ und ich halt den meinen. Mehr Verbindungen scheint es nicht zu geben. Ob Verteidigung oder Angriff. Trainiert wird beim Militär das Töten von Menschen im Auftrag der Politik. Ich bin auch ehrlich und gebe zu, es gibt interessantere und attraktivere „Jobs“ in der globalisierten Welt...

    Keiner scheint ernsthaft zu glauben, dass der auch in den deutschen Medien kaum beachtete Berufszweig des Militärs unmittelbar seine spießige Idylle: „mein Haus, mein Boot, mein Pferd“ gefährdet. Leider befassen sich nur wenige mit historischen Zusammenhängen, nur wenige hinterfragen, durchaus kritisch, die Politik und machen sich „schreckliche Gedanken“. Und schon gar nicht wissen wollen, was also Krieg bedeutet.

    Ich schließe mich der Hoffnung vom Kommentar-Schreiber Arno Emm an. Und ergänze: dass „auch in den USA“ es genügend Menschen mit zivilem Geschichtsbewustsein gibt, die bereit sind, diesem Treiben Einhalt zu gebieten.

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