Kudrin: Den Russen fehlt das Gefühl „Steuerzahler“

Kudrin: Den Russen fehlt das Gefühl „Steuerzahler“
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Der ehemalige russische Finanzminister Kurdin, Vertrauter von Präsident Putin, Kritiker von Premier Medwedjew und jetzige Leiter des russischen Rechnungshofes meint, dass den Russen das Gefühl fehlt, Steuerzahler zu sein. Deshalb nehmen sie viele Verantwortlichkeiten die ihnen zustehen, einfach nicht wahr.

Nicht sehr häufig bin ich mit Äußerungen von Herrn Kudrin einverstanden, aber in diesem Fall stimmt zumindest seine Feststellung, dass der Russe selten, ja eigentlich fast nie, den Begriff „Steuerzahler“ in den Mund nimmt und somit auch nicht sein Recht wahrnimmt nachzufragen, was mit den 13 Prozent Steuern, die jeder russische Arbeitnehmer als Einheitssteuersatz für Einnahmen zahlt, denn so im größten Land der Erde geschieht.

Die Aussage von Herrn Kudrin wird sofort relativiert, wenn man sich in Erinnerung ruft, dass es eines der größten Hobbys der Russen ist, Steuervermeidungsmodelle, Steueroptimierungsmodelle und alle möglichen anderen Modelle zu entwickeln, nur um keine Steuern zu zahlen. Und wer keine Steuern zahlt, dem kommt natürlich auch nicht in den Sinn nach der Verwendung von Geldern zu fragen, die er nicht bezahlt hat.

Aber es gibt natürlich eine Reihe von Russen, die ehrlich Steuern zahlen und die nehmen eben ihr Recht nicht war, sich um die Verwendung der Gelder zu kümmern und nachzufragen, warum irgendeine Straße nicht instandgesetzt wird, oder warum eine Straßenbeleuchtung nicht funktioniert. Es gibt keinen Bund der Steuerzahler in Russland und auch keinerlei andere gesellschaftliche Organisationen, die sich um die Verwendung der Steuergelder durch die russischen Beamten kümmert und, bei Bedarf, auch kritisch hinterfragt.

Kudrin brachte sogar das Beispiel, dass ein Großteil der Russen meint, dass der Rechnungshof, den er leitet, die Aufgabe habe, die Stimmen bei Wahlen zu zählen.

Kudrin vertrat die Ansicht, und wieder kann ich ihm nur zustimmen, dass es keine hochqualitativen Entwicklungen im Lande geben wird, wenn sich die Bürger, die Zivilgesellschaft, nicht in die Entwicklungsprozesse einbringt und sich nicht für nationale Ziele interessiere.

Reklame

Kommentare ( 6 )

  • boromeus

    Veröffentlicht: 3. März 2019 22:11 pm

    Mich erstaunt es immer wieder ,wie es möglich ist ,von einem so niedrigen Steuersatz ,dieses Riesenreich am Laufen zu halten.Zumal ja nicht jeder einsieht, dass Steuern notwendig und bezahlt werden müssen.Wenn ich dann betrachte ,was man uns hier bei Steuersätzen, von 35 -52 % aus der Tasche zieht,könnte man richtig neidisch werden.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 3. März 2019 23:08

      ... und ich zahle als Unternehmer keine 13, sondern 6 Prozent und bin dabei von allen anderen Steuern auch noch befreit. Und meine Sozialkosten (Rente, Krankenversicherung) kann ich direkt von der Steuer im vollen Umfang abziehen ... Ja, Russland ist ein Steuerparadies. Jetzt werden die Renten im erheblichen Umfang angehoben (bis 1. Juli Sonderanpassung) und es gehen riesige Gelder in den Sozialbereich ... und die Armee wird auch nicht vernachlässigt. Tja, irgendwie scheint es zu funktionieren, denn die internationalen Ratingorganisationen haben ja auch die Einstufung Russlands angehoben ... Russland ist schon nicht mehr Ramsch-Niveau.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 4. März 2019 01:57 pm

    Hallo boromeus,
    mich erstaunt das nicht mehr, warum in Deutschland mit eigentlich hohen Steuersatz und -einnahmen nicht mehr für das Land getan wird. Das Ganze nennt sich einerseits Unfähigkeit und zum anderen Korruption. Wo beide zusammen treffen, ist es so, als ob Sie kaltes Wasser in siedendes Öl schütten.
    Ein "kleines" Beispiel ist doch der Berater-Skandal bei Uschi´s Söldnertruppe. Da werden mal so aus dem Handgelenk heraus 2 Millionen Euro an externe Firmen bezahlt, wo auch Uschi´s Kinder arbeiten.
    Oder denken Sie an diese nicht fluggenehmigte Drohne oder an die geleasten israelischen Drohnen.
    Denken Sie an diese Idiotien bei der Bundesbahn, beim BER, bei der Glaswelle in Hamburg usw.
    Und wer von diesen Ausbünden an Unfähigkeit oder den Korrupteln auf zwei Beinen ist bisher zur Verantwortung gezogen worden? Niemand!
    Aber die Diäten werden regelmäßig für beschlossenen Ungesetzlichkeiten umfangreich erhöht. Wird das moniert, fallen diese Leute aus allen Wolken - Neiddiskussion.

  • boromeus

    Veröffentlicht: 4. März 2019 10:49 pm

    @radeberger
    Der Sumpf unserer Bananenrepublik ist auch nicht flacher.Überall dort wo Geld sprudelt, bedient an sich auch.Wird Zeit dass man ein Gesetz schafft, wonach Leute die Steuergelder verprassen, zur Rechenschaft gezogen werden.Ein Handwerksmeister kann auch nicht zum Kunden gehen und eine Heizung für 15.000 Euro anbieten,den Auftrag annehmen und anschließend sagen,oh das kostet jetzt aber 150.000 Euro.Es zeigt auch wie man in den letzten Jahren alles schön umgangen hat,mit sogen. Koalitionsverträgen.Das ist wesentlich einfacher,denn dann kann man unter Umgehung des Parlamentes fleißig Dinge beschließen,die allen dienen ,nur dem Volk nicht.Oder unsere FDJ Sekräääähtärin macht sich selber ihre Gesetze.Rechtsstaat?Grundgesetz?Gewaltenteilung?Was ist das?Wenn noch Geld da ist,ok dann bauen wir halt 'ne Brücke für 3,5 Mil. in die Pampa.Hauptsache die Kohle muss weg .Und über die Leasing-Drohnen aus Israel wollen wir lieber nicht sprechen,sonst verliere ich meine gute Kinderstube..

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 4. März 2019 13:47 pm

    "Und über die Leasing-Drohnen aus Israel wollen wir lieber nicht sprechen,sonst verliere ich meine gute Kinderstube."

    Ach ja, überall bei diesem Themenkomplex der deutschen Staatsräson die gleiche Selbstzensur im Geiste der Meinungsfreiheit.

  • boromeus

    Veröffentlicht: 4. März 2019 16:59 pm

    Das ist keine selbstauferlegte Staatsräson oder Selbstzensur.Ich habe zum Thema USRAEL nicht die besten Einstellungen,um nicht deutlicher zu werden.Und da man ja ähnlich wie die Vorbilder über'm großen Teich,alles was eine kontrere Meinung hat, in Gutmenschentum erstickt,unterdrückt,oder in die rechte Ecke stellt,als Geschichtsrevisionist,und als"Reichsbürger"bezeichnet,macht das keinen Sinn.Natürlich..alles im Sinne des"political correctness.Es finden heute die gleichen Methoden Anwendung,wie vor Jahren auch,um sich Andersdenkende zu entledigen statt.Belegt Leute,die heute öffentlich sagen was Sache ist,mit Berufsverbot,sterben wie von Geisterhand an Herzinfarkten,oder werden weggesperrt.Praktisch genau die Mittel,die vor 86 Jahren auch schon angewandt wurden.Nur heute im sogenannten"freiheitlichen Rechtsstaat".In dem Leute, die wir nicht gewählt haben,sagen was gemacht wird,und die,die wir gewählt haben,nichts zu sagen haben.In diesem Gebilde ,dass man laut Uno,Germany bezeichnet..

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 5. März 2019 02:32 pm

    "Das ist keine selbstauferlegte Staatsräson ..."
    Das glaube ich Ihnen gern. Aber da gab es einmal eine Frau Bundeskanzlerin, die es auch heute noch ist, die vor Jahren schon, um sich dort bei den Kippa-Trägern einzukratzen, vor deren Knesseth vollmundig verkündet hatte, daß die Sicherheit Israels deutsche Staatsräson sei. Sie erntete damit natürlich tosenden Beifall.
    Ich weiß nicht, wer der Frau diesen Mist als Redenschreiber aufs Papier gezaubert hat.
    Schlimm daran ist, daß sie die Aussage dieses Satzes wohl nicht überblickt hat, wie so vieles andere auch. Sonst hätte sie das umformuliert oder rausgestrichen.

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung