Neues Sozialverhalten russischer Unternehmer?

Neues Sozialverhalten russischer Unternehmer?
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Noch vor einigen Jahren waren Informationen in den russischen Medien undenkbar, die darüber berichten, dass russische Unternehmer sich sozial engagieren. Nun nehmen aber diese Meldungen zu und es scheint, dass es langsam zu einem qualitativen Wandel im Bewusstsein des russischen Unternehmertums kommt. Man verdient Geld, man verdient viel Geld und ist bereit, einen Teil der manchmal überproportional hohen Gewinne in soziale Projekte zu investieren.

 

Im Widerspruch hierzu stehen natürlich die Bemühungen vieler Unternehmer, sich vor der Zahlung von Steuern und Sozialabgaben zu drücken. Das System des „Gehalts im Umschlag“, ist nach wie vor stark ausgeprägt. Das sich ein Arbeitnehmer mit diesem System selber schadet, bemerkt der Arbeitnehmer aber meist erst dann, wenn es zu spät ist und er bei der Rentenbeantragung feststellt, dass seine Rente ihm ein Leben ohne ein weiteres Arbeitsverhältnis nicht ermöglicht.

Nun steht die Frage, warum die russischen Unternehmer einerseits aktiv Steuern und Sozialabgaben verkürzen und andererseits sich in sozialen, nicht immer billigen, Projekten engagieren.

Ich denke, dass es hier um das persönliche Sozialansehen des Unternehmers geht, der sich häufig mit seinem jetzt erwachten gesellschaftlichen Bewusstsein, ein Denkmal setzen möchte. Denn wenn er seinen Mitarbeitern ein ehrliches Gehalt zahlt und die Sozialabgaben ehrlich abführt, so erhält er im Höchstfall die Dankbarkeit seiner Mitarbeiter und berichtet wird darüber kaum. Finanziert aber ein Unternehmer (teilweise mit den eingesparten Steuern und Sozialabgaben) den Bau eines Museums, eines Altenheims, öffentlicher Plätze u.ä., so ist dies immer mit seinem Namen verbunden. Sein Ansehen in der russischen Gesellschaft steigt und er steht im positiven Aufmerksamkeitsfokus. Dies streichelt die Seele des russischen Unternehmers.

Aber vermutlich ist auch dies nur eine Zwischenetappe in der Entwicklung der russischen Gesellschaft. In den 90er Jahren, der Zeit der Großen Freiheit, der Wild-Ost-Entwicklung, der Zeit der Gesetzlosigkeit, wurde gestohlen (manche sagen auch privatisiert), was nicht niet- und nagelfest war. Es wurden Millionäre und Milliardäre wie frische Brötchen am Fließband produziert. Die Wörter „Sozial“ und „Moral“ gab es in diesen Jahren nicht. Ab den „Null“-Jahren trat ein kleiner Wandel ein. Zumindest versuchte der Staat von diesen Neureichen ein paar Steuern zu erhalten, um die Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen. Ein schwieriger, langwieriger Prozess. Einige sind diesem Prozess zum Opfer gefallen – sprich Chordokowski, Beresowski, um nur zwei Namen zu nennen. Jetzt bemerkt man in der Gesellschaft eine gewisse Konsolidierung und es wächst langsam das Bewusstsein, dass wieder Ordnung in das Land einzieht. Die Gesetze regeln das Leben vernünftig, wenn sie auch nicht immer so umgesetzt und angewendet werden, wie sich die Autoren dies vorgestellt haben. Aber es gibt Fortschritte. Und diese Fortschritte werden - so zumindest mein Eindruck – begleitet durch ein sich änderndes gesellschaftliches und soziales Bewusstsein.

Kommen wir auf Kaliningrad zu sprechen. So ist es doch angenehm zu lesen, dass die aufwendige Wasserspielanlage vor dem Haus der Bildenden Kunst im Stadtzentrum durch die Sberbank finanziert wurde.

Die Sportanlage unter der Hochbrücke wurde ebenfalls aus privaten Quellen finanziert.

Eine Reihe von kleinen Bronzefiguren, insgesamt werden es sieben, wird durch eine Kaliningrader Künstlerfamilie modelliert und an passenden Orten im Kaliningrader Zentrum aufgestellt. Geld bekommt die Künstlerfamilie nicht, aber vielleicht zukünftig Aufträge der Stadt.

Alexander Jaroschuk, der ehemalige Bürgermeister der Stadt und Inhaber der Baumarktkette „Bauzentr“, hat den Bau einer Kirche in der ul. Newskowo finanziert.

Jewgeni Morosow, Präsident der Baufirma „Megapolis“ und ehemaliger Bauminister in Kaliningrad, hat den Neubau einer großen Kirche in einem Kaliningrader Neubauviertel gespendet.

Wladimir Kazman, Unternehmer und Restaurant-Papst in Kaliningrad, hat mit vielen Millionen Euro den Neubau der Synagoge ermöglicht.

Das Denkmal von Alexander Newski auf dem Wassiljewski-Platz wurde von einem Unbekannten gesponsert,

Der Inhaber der Aktiengesellschaft „Moloko“ Rustam Alijew wird jetzt ein Museum der russischen Malerei errichten – ein Projekt, welches ganz bestimmt keinen finanziellen Gewinn abwerfen wird. Dieser Tage wurde das erste Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Rustam Alijew informierte, dass es mehrere Projektentwürfe geben wird, um aus einer Vielzahl durch den Kulturrat das Beste auswählen zu lassen. Im Jahre 2022 soll das Museum, mit angeschlossener Schule, seine Pforten öffnen.

Bekannt wurde, dass Rustam Alijew über eine eigene große Privatsammlung russischer Malerei verfügt. Diese wird ab 21. November in einer Ausstellung im Kaliningrader Kultur-Historischen Museum gezeigt.

Übrigens wird das Museum auf einem Exklusiv-Grundstück errichtet – dem zweiten Bauabschnitt des Fischdorfes. Das Grundstück gehört der Gebietsregierung und diese stellt es zur Verfügung. Wie sagt doch ein Sprichwort: Leben ist Geben und Nehmen.

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