Oleg Skworzow: "Ich mag es nicht im Trend zu liegen"

Oleg Skworzow: "Ich mag es nicht im Trend zu liegen"

Oleg Skworzow war viele Jahre das „Gesicht“ der „Assoziation ausländischer Investoren im Kaliningrader Gebiet“ und geschäftsführender Direktor. Nun gab er seinem Leben eine neue Richtung.

Oleg Skworzow gab unserem Medienpartner „newkaliningrad.ru“ ein Interview.

 

„Kaliningrad-Domizil“, ebenfalls seit vielen Jahren bekannt mit Oleg, nutzt die Möglichkeit mit Hilfe dieses Interviews ihnen einen Vertreter der neuen russischen Generation vorzustellen.

Wir kennen uns seit dem Jahre 2005, als die Assoziation ausländischer Investoren in Kaliningrad einen Geschäftsführer suchte. Ich arbeitete drei Jahre als Leiter der Revisionskommission und lernte Oleg als ruhigen, besonnenen Menschen, als Organisationstalent kennen. Es war einfach angenehm, gemeinsam mit ihm Antworten auf Fragen des täglichen Lebens zu finden. Und anscheinend empfanden andere dies auch so, denn seine gesellschaftlichen, geschäftlichen und politischen Kontakte und Möglichkeiten in Kaliningrad sind bemerkenswert.

Oleg Skworzow im Interview mit newkaliningrad: Irgendwann saßen meine Frau und ich zusammen mit einem ausländischen Investor und unterhielten uns über Geschäftsideen. Ich erzählte, womit sich meine Frau beschäftigte, sprach über ihre Liebe zu Kindern, über ihre künstlerische und Designerbegabung … und so entstand der Gedanke der Gründung der Firma „Kontakt“. Während ich noch in der Assoziation arbeitete und kurzzeitig im Parkhotel „Philipp“, entwickelte meine Frau ihre Firma weiter und ich staunte, als sie mir über die Erfolge und finanziellen Ergebnisse berichtete … Und da kam mir der Gedanke an diesem Geschäft einfach mitzuwirken. Und der ausländische Investor schlug mir vor, eines der Häuser, die seine Firma in den Nordbergen verwaltete, für die Entwicklung unserer Geschäftsidee zu nutzen.

Die letzten Jahre waren nicht einfach. Die Krise hatte viele Spuren hinterlassen und nicht alles was zurzeit Kaliningrad betrifft, stellt mich zufrieden. Die politische und wirtschaftliche Situation im heutigen Kaliningrad unterstützt nicht immer optimistische Gedanken. Und dann lernt man (plötzlich und unerwartet) junge Leuten kennen oder aktiviert den Kontakt mit Bekannten, mit angenehm positiven und optimistischen Grundeinstellungen, deren Verhalten sich unterscheidet von den „ewigen Meckerern und Nörglern“ in den Internetforen. Und warum soll man diesen „Hoffnungsträgern“ nicht unter die Arme greifen und bei der Entwicklung von Geschäftsgedanken helfen? Unsere Firma "Kaliningrad-Domizil" hat Möglichkeiten für die Unterstützung junger Start-Up.

Oleg Skworzow im Interiew mit newkaliningrad: Wir werden dieses Haus nutzen für die Durchführung verschiedener Veranstaltungen für Kinder und für Erwachsene. Wir werden Kochkurse in einem besonderen Format durchführen, Gespräche am Kamin organisieren und das Format „Garagenverkauf“, welches in seiner Grundidee aus Amerika kommt, in Kaliningrad entwickeln. (Anm. UN: Der nächste Garagenverkauf findet am Samstag den 10. September von 10.00 - 18.00 Uhr in Kaliningrad, ul. 3. Bolshaja Okrushnaja 40 statt) Und wir werden in diesem Haus eine Diskussionsplattform schaffen. Ich bin offen für weitere Vorschläge. Die Idee mit dem „Garagenverkauf“ brachte mir Alexandra Smirnowa nahe (Anm. UN: Ex-Ministerin für Wirtschaft und Vizepräsidenten von Avtotor). Sasha hat Kaliningrad zu einem Studium in den USA verlassen (Howard-Business-Schule) und übergab uns ihren Hausrat für den Garagenverkauf– so sind wir gestartet. Nun haben wir uns entschlossen, solche Veranstaltungen regelmäßig durchzuführen. „Kaliningrad-Domizil“ hat uns für den nächsten Garagenverkauf sehr viele Dinge zur Verfügung gestellt, begonnen bei Unterhaltungselektronik, über Haushaltstechnik bis hin zu Geschirr. Die Erwachsenen können kaufen und die Kinder können im Garten spielen oder ein kühles Bad im Bassin nehmen.

Oleg erzählte mir, dass er die Bekanntschaft mit dem Kaliningrader Fond „Tue Gutes“ gemacht hat und ein Großteil der erzielten Einnahmen nun diesem Fond zur Verfügung gestellt wird. Der Fond unterstützt mit diesen Geldern Mütter von kranken Kindern. Und so entschlossen wir uns spontan, aus der Ausstattungsreserve für unsere Wohnungen, einen Beitrag zu leisten und etwas Gutes zu tun.

Oleg Skworzow im Interview mit newkaliningrad: Wir haben mit Dima Simin und Elena Selesnowa (Organisatoren des Projektes „Großes Mittagessen“ in Kaliningrad) darüber gesprochen, dass es in Kaliningrad keinen „Weihnachtlichen Ausverkauf“ gibt. Wir werden diesen nun im kommenden Winter organisieren, für die Kinder mit Weihnachtsbaum, Spielzeug und Lebkuchen, für Erwachsene mit Glühwein. Und wir haben den Gedanken, ein pop-up-Restaurant zu eröffnen. Die Idee besteht darin, für einen Abend ein Restaurant zu eröffnen und zu einem bestimmten Thema zu kochen. Dazu laden wir Kaliningrader Köche aus  bekannten Restaurants und Hotels ein  und die Gäste helfen bei der Vorbereitung mit. Dann wird gemeinsam gegessen und Gespräche geführt – und dies nicht nur über das Essen. Und das alles zu einem symbolischen Preis, der nur zur Deckung der Kosten für die verwendetenLebensmittel bestimmt ist.

Die Restaurantszene in Kaliningrad hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und es finden sich genügend Köche, die diesen Gedanken unterstützen werden. Wiederum geht es nicht darum Geld zu verdienen. Es geht darum eine interessante Gemeinschaft zusammenzubringen, Gespräche zu führen und sich gegenseitig Impulse zu geben für eine positive Lebensgestaltung.

Oleg Skworzow im Interview mit newkaliningrad: Dann gibt es die Idee „Gespräche am Kamin“ – eine Idee die durch Geschäftsleute geboren wurde. Hier sollen Führungspersönlichkeiten aus Banken, Direktoren von Unternehmen zusammen kommen, die für ihr Unternehmen kein qualifiziertes Personal finden können. Und wir wollen ein sogenanntes Geschäftsfrühstück organisieren. Der Direktor einer Firma lädt junge, interessierte Leute ein, man sitzt zusammen und diskutiert über verschiedene Themen und der Direktor führt ein „unsichtbares Casting“ durch.

Eine zweite Form dieser Kamingespräche besteht darin, Menschen, die ein erfolgreiches Geschäftsleben organisiert haben, zu uns einzuladen und diese tauschen dann ihre Erfahrungen mit anderen aus, die noch auf der Suche nach ihrem persönlichen Erfolgskonzept sind.

Oleg möchte mit dieser Idee die virtuelle Welt von Facebook und VKontakte verlassen und Kontakte in der realen Welt schaffen. Dass er dies kann, hat er bereits in der vergangenen Woche bewiesen, als das erste „Treffen am Kamin“ durchgeführt wurde. Auch hier steht bei Oleg nicht der Gedanke im Vordergrund Geld zu verdienen. Er möchte bei sich Leute sehen, denen er zwanglos und ohne Druck gegenüberstehen kann – einfach nur, weil es angenehm ist, mit diesen Leuten in einen Gedankenaustausch zu treten. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es der Gouverneur ist, der Bürgermeister, ein erfolgreicher Geschäftsmann oder ein Arbeitsloser. Wichtig ist, dass zwischen diesen Leuten ein Dialog und gegenseitiges Verstehen stattfindet.

Oleg Skworzow: Mir gefällt die Idee „Wohnung“, ich habe dort meinen 35. Geburtstag gefeiert und ich weiß, wie viel Kraft und Zeit Artjom Ryshkow dort investiert hat (Anm. UN: Artjom ist eine sehr bekannte junge Kulturpersönlichkeit in Kaliningrad und sein Projekt "kwartira - Wohnung" ist ein Anziehungspunkt für die moderne Kaliningrader Gesellschaft). Aber ungeachtet dessen, dass unser Haus wesentlich größer ist als seine „kwartira-Wohnung“, möchten wir keine 50-60 Gäste haben – wir möchten mehr eine Stubenatmosphäre entwickeln.

Das Haus ist nicht meine Haupttätigkeit – es ist vielmehr eine Art Hobby. Ich möchte in der jetzigen Etappe einfach nur etwas geben, mehr geben als ich zurückbekomme. Wenn ich allerdings sehe, dass ich mit dieser Tätigkeit mehr Geld verdienen kann als mit Consultingleistungen – dann werde ich über eine Neuausrichtung meiner beruflichen Tätigkeit nachdenken. Dann sage ich „Jungs, wozu brauche ich Eure Fabriken und Firmen – ich habe eine andere Beschäftigung gefunden.“

Es ist angenehm solche Dinge zu lesen und Gemeinsamkeiten festzustellen. Auch in unserer Firma sind wir in der „Findungsphase“. Einerseits wollten wir unsere Tätigkeit als Wohnungsverwaltung einstellen und nur das Auftauchen von jungen, optimistisch eingestellten Kaliningradern die mit uns zusammen arbeiten wollen, hat uns davon abgehalten. Andererseits stand die Frage, womit man sich dann beschäftigen sollte? So wurde der Gedanke einer Informationsagentur geboren – eine Tätigkeit, welche mir persönlich seit Monaten einen 18-Stunden-Arbeitstag verschafft, kein Geld einbringt (ganz im Gegenteil), aber ich erhalte eine innere Befriedigung mit dem was ich tue. Und ich sehe, dass ich mit meinen Gedanken nicht alleine stehe. Und es gibt weitere junge Leute, die uns in unserer Firma unterstützen, nicht auf die Uhr schauen und „nur für die Sache“ arbeiten. Und das macht mein Sein in Russland so angenehm und gibt mir den Optimismus der im heutigen Russland/Kaliningrad gebraucht wird.

Oleg Skworzow: Natürlich gibt es Risiken. Plötzlich will der Hausbesitzer nicht mehr vermieten, will das Haus verkaufen. Wir haben einen Vertrag für ein Jahr und haben eine „Zukunftsklausel“ vereinbart. Bisher sind wir alle mit dem Status-quo zufrieden.

Ich glaube, irgendwelche Befürchtungen sind nicht nötig. Mein ehemaliger (russischer) Chef hatte mir einmal in einer schwierigen Periode gesagt: „Uwe, alles Geld der Welt kannst Du nicht verdienen.“ Und damit hatte er Recht. Nicht alles in Russland wird mit Geld reguliert - entgegen anderlautender Gerüchte im Westen. Ein gutes, ehrliches Verhältnis zu seinen Mitmenschen und Geschäftspartnern ist manchmal mehr wert als ein Koffer Geld. Und es gibt noch vieles gemeinsames zu organisieren. Es fehlt in Kaliningrad ein Informationsportal, welches optimistisch und wahrheitsgetreu in englischer Sprache über das moderne Kaliningrad in Richtung Westeuropa berichtet. Oleg spricht ausgezeichnet englisch und ich habe ein wenig Erfahrung als Organisator eines deutschsprachigen Informationsportals. Und wir haben gute deutsche und russische Medienpartner in ganz Russland – da gibt es also weitere Punkte für optimistische Zukunftsgedanken …

Oleg Skworzow: Ich bin Optimist und liebe es positiv zu denken. Manchmal muss man auch mal über negatives nachdenken … was aber unseren neuen Geschäftsplatz anbelangt – da gibt es nur positive Gedanken. Alles das ist spontan und unerwartet passiert.

Uwe Niemeier

 

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