Putins direkter Draht zur Bevölkerung

Putins direkter Draht zur Bevölkerung
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Vier Stunden und 16 Minuten bei Wasser und ohne Brot – das war der 17. direkte Draht des russischen Präsidenten Putin mit der Bevölkerung am 20. Juni. Deutsche TV-Sender bezeichneten in ersten Kommentaren diesen Direktkontakt mit der Bevölkerung als Theater und Show.

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Über eine Million Russen waren da wohl anderer Meinung, denn sie hatten Vertrauen zu Putin, dass dieser eine Antwort auf ihre Fragen hat, auch wenn man natürlich innerhalb von vier Stunden nicht eine Million Fragen beantworten kann.

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Und oftmals haben diese Fragen einen Charakter, wo man sich selber fragt, ob es denn nicht möglich ist, diese auf Regionalebene zu beantworten. Wieso muss sich ein Präsident mit einer fehlenden Wasserleitung in irgendeinem Dorf beschäftigen oder mit Wartelisten bei Ärzten in einer medizinischen Einrichtung?

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Und eben weil der Präsident auf eine Vielzahl dieser Alltagsprobleme geantwortet hatte, hatte er keine Zeit, die Bitten anderer Fragesteller zu erfüllen – z.B. eine Anekdote aus seinem Leben zu erzählen. Er meinte, dass es andere seiner Kollegen gibt, die Witze und Lustiges besser erzählen können als er und meinte damit den jetzigen ukrainischen Präsidenten.

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Und während er noch antwortete, wurden in den Regionen bereits erste Beschlüsse umgesetzt, wo der Präsident mal eben so nebenbei im Gespräch gebeten hatte, dass der Gouverneur doch mal nach dem Rechten schauen sollte und was man da machen könnte. Und da alle Gouverneure in Bereitschaft saßen, war ein schnelles Reagieren wohl auch möglich.

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Schnell reagiert wurde auch da, wo es eigentlich schon zu spät war – zu spät um Gutes zu tun, aber nicht zu spät, um Straf- und Ermittlungsverfahren einzuleiten.

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Der Präsident kommentierte niedrige Gehälter – Gehälter unter dem Existenzminimum. Logisch, dass man nicht die absolute Ziffer nehmen kann, denn vielleicht arbeitet der Arbeitnehmer ja auch keine acht Stunden. Oder aber er erhält noch zusätzlich Geld im Umschlag. Wobei der Präsident durchaus informiert war, dass es Diskrepanzen in der Entlohnung gibt. Aber alle Probleme kann man nicht sofort lösen und soziale Ungerechtigkeiten müssen im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes beseitigt werden. Hierunter fällt auch die Problematik des realen Einkommensrückgangs bei der Bevölkerung über eine ganze Reihe von Jahren.

Es wurden weitere Themenkomplexe behandelt: die Renten, Probleme in der Versorgung mit Medikamenten, die Müllentsorgung, das Verhältnis zu den USA und zur Europäischen Union, der Donbass, China, Handelskriege von Drittstaaten. Und Putin meinte zu diesem ganzen Themenkomplex abschließend, dass, wenn Russland einen Platz an der Sonne erhalten will, muss einfach nur die Wirtschaft auf Trab gebracht werden.  

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Ein besonderer Moment war, als der Präsident über die 90er Jahre sprach, einer Zeit, als das Land vor dem Zerfall stand, vor dem Verlust seiner Souveränität, vor dem Verlust seiner Verteidigungsfähigkeit, wo der gesamte Sozialbereich zusammengebrochen war und das Land fast an den Rand eines Bürgerkrieges geführt wurde. So klar wurde diese Periode – zumindest nach meinem Erinnerungsvermögen – noch nie charakterisiert.

Und es gab danach Leute, die sich die Aufgabe gestellt hatten, diesen Zerfallsprozess des Landes zu beenden. Und eben diese Leute müssen sich heute beschimpfen lassen als Verbrecher am Volke, nur weil sie unpopuläre Entscheidungen treffen, um das Land wieder aufzubauen.

Angesprochen wurden auch das schmerzliche Thema der Korruption und der jüngste Vorfall mit dem Journalisten Golunow. Der Präsident hofft, dass die Untersuchungen alle Verfehlungen verantwortlicher Personen an den Tag bringen und diese zur Verantwortung gezogen werden.

Eine weitere Frage erhielt der Präsident zum neuen Gesetz über die Strafbarkeit von Beleidigungen an die Adresse des Staates und seiner Vertreter. Putin kommentierte, dass dieses Gesetz keinerlei Kritik bestraft. Bestraft wird, wenn diese Kritik in beleidigender Form vorgebracht wird.

Angesprochen auf die hohen Gehälter der Staatsbeamten, antwortete Putin, dass er es sich schwer vorstellen kann, dass ein Minister das gleiche Gehalt erhält, wie ein einfacher Arbeiter. Aber er wünsche sich sehr, dass sich die Wirtschaft so entwickle, dass der Arbeiter ein Gehalt wie ein Minister erhält. Er zitierte einen bekannten russischen Spruch: „Wir müssen nicht so arbeiten, dass es keine Reichen gibt, sondern so arbeiten, dass es keine Armen gibt.“

Weiterhin kommentierte Putin die bekannten Sprüche zu aktuellen negativen Erscheinungen in der russischen Gesellschaft: „Unter Breschnew hätte es dies nicht gegeben.“ Er stimmte dem zu, ergänzte aber, dass es unter Breschnew auch viele andere Dinge nicht gegeben hat und dies letztendlich zum Zerfall der Sowjetunion führte.

Eine weitere Frage bezog sich auf die neue Bewaffnung der russischen Armee und das diese öffentlich gezeigt wird. Putin zitierte hierzu eine historische Wahrheit: „Willst du Frieden, dann bereite dich auf den Krieg vor“, und eine zweite historische Wahrheit: „Wer nicht seine eigene Armee füttert, wird eine fremde Armee ernähren.“ Allerdings, so Putin weiter, strebt Russland keine Position als Supermacht an. Für Russland ist es wichtig, seine Stellung als Wirtschaftsmacht auszubauen. Und Putin bezeichnete die niedrige Arbeitsproduktivität als das größte Problem in Russland.

Und der Präsident fand sogar Zeit auf zwei Fragen zu antworten, die wohl die gesamte Welt interessieren:

  1. Sind Sie es nicht schon leid, Präsident zu sein? Antwort: „Nein“
  2. Sind Sie ein Außerirdischer? Antwort: „Nein und das kann ich beweisen.“

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Schaut man sich die Berichterstattung der deutschen Medien an, so gibt es nur ein Fazit: der russische Präsident Putin kann machen was er will – deutsche Medien finden immer Möglichkeiten, seine Handlungen in einem negativen Licht oder mit einem gewissen Beigeschmack dem deutschen Medienverbraucher zu servieren – der leider, meist aus fehlenden Sprachkenntnissen, nicht die Möglichkeit hat, sich auch alternativ zu informieren. Und alternativ zu informieren bedeutet bei mir in diesem Falle nicht zu RT-Deutsch oder Sputnik umzuschalten, sondern in der Vielzahl anderer, allerdings russischsprachiger Medien, Informationen und Kommentare zu finden.

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Kommentare ( 2 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 21. Juni 2019 00:11 pm

    @UEN
    Wenn schon der Zar ein Kaliningrader Beispiel behandelt, sol das hier nicht fehlen:

    "Die Russen beschäftigt derzeit ohnehin weniger die internationale Agenda als die schlechte Wirtschaftslage. Seit 2013 sinken die verfügbaren Realeinkommen. Darum drehten sich offenbar auch die meisten Fragen. "Es reicht den Leuten nicht für das Nötigste - für Essen und Kleider", sagt eine Moderatorin gleich zu Beginn vor einer Schalte zu einem Feuerwehrmann in der Region Kaliningrad.
    Als Kommandeur einer Wache verdiene er gerade mal 16.000 Rubel, klagt der Mann. Das sind umgerechnet 225 Euro. "

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 21. Juni 2019 06:31

      ... und der Gouverneur Anton Alichanow hat sich sofort mit dieser Angelegenheit beschäftigt und in den Kaliningrader Medien mitgeteilt, dass es hier Nuancen gibt, denn dieser Mann arbeitet als Feuerwehrmann ein Tag und hat dann drei Tage frei. Was er in diesen drei Tagen macht, ist seine Sache. Er kann nicht arbeiten, kann aber auch einer Zweit- und Drittbeschäftigung nachgehen. Tja, so ist die Wahrheit ...Und mit vielen anderen, die vor Hunger nicht in den Schlaf kommen in Russland, ist es ähnlich ... wobei, natürlich gibt es Bedürftige, aber wir wollen mal die Kuh auf dem Eis lassen ...

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 21. Juni 2019 08:29 pm

    @UEN
    Das ist natürlich eine Betrachtungsweise. Er wird also 2 Tage die Woche arbeiten ... da guckt natürlich Otto- und Iwan Normalverbraucher und meint, das reicht - eigentlich noch zuviel. Er arbeitet dann aber 48 h - als mehr als eine normale Wochenarbeitszeit ... Und ja, Anwesenheitspflicht ist Arbeit. Das ist ähnlich wie die "Bereitschaftszeiten" dt. Krankenhausärzte. Machen > 24h "Bereitschaft". Dafür gibt es dann z.B. 200 Euro. In Wirklichkeit arbeiten sie aber. Wenn man dann den Stundenlohn ausrechnet, so bekommen wir für diesen nicht einmal eine Kinderbetreuung für unsere Kids.

    Und es ist aus meiner Sicht nicht richtig zu meinen der gute Feuerwehrmann sollte sich nach in Summe 48h Wochendienst doch gefälligst noch andere Arbeit suchen, um überhaupt auf ein angemessenes Gehalt zu kommen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 21. Juni 2019 08:39

      ... schauen Sie auf meinen neuen Beitrag, der in zehn Minuten freigeschaltet wird. Ich sehe das insgesamt etwas anders.

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