Russische Iskander-Raketen in Deutschland?

Russische Iskander-Raketen in Deutschland?

Das amerikanische „Berlin-Journal“ informierte in einem Artikel Ende Juni 2016 über die mögliche Stationierung von Iskander-Raketen in Königsberg. Eine nicht kleine Gruppe von Deutschen, aber auch Russen meint, dass Königsberg zu Deutschland gehörte, gehört und immer gehören wird.

Wenn die Russen also Iskander-Raketen in Königsberg stationieren – wie das amerikanische „Berlin-Journal“ schreibt, so müssten doch nach deren Logik, die Russen diese Raketen in Deutschland stationieren. Ja dürfen die Russen denn das?

Der Artikel brachte bei seinem Erscheinen am 30. Juni 2016 nichts Neues an Fakten. Alles war bereits bekannt, auch, dass die Russen planen, Iskander-Raketen im russischen Kaliningrad zu stationieren. Neu – nach meinem subjektiven Gefühl war, dass in diesem Artikel massiv von „Königsberg“ gesprochen wurde, eine an sich neue Qualität in der Formulierung von Artikeln. In anderen deutschen Veröffentlichungen wurde bisher immer „Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg“, oder „Königsberg, dem heutigen Kaliningrad“ geschrieben. Es wurde auch nur „Königsberg“ geschrieben, aber nicht so „heftig“, wie im Artikel des „Berlin-Journals“. Das lässt einen dann doch aufhorchen und macht nachdenklich.

Im Impressum von „Berlin-Journal“ las ich, dass es sich um ein amerikanisches Massenmedium handelt und dann erinnerte ich mich, dass wir doch erst vor kurzem, im März 2016, Äußerungen des ehemaligen US-Botschafters in Russland McFaul, Kaliningrad betreffend, hatten. Er hatte sich an Deutschland gewandt und gemeint, dass Kaliningrad doch zu Deutschland gehöre. Er sah Parallelen zur Krim und meinte, wenn Russland sich die Krim wieder holt, dann könne sich Deutschland auch Königsberg wieder holen. Das es ein paar kleine Unterschiede zwischen beiden Regionen gibt – das hatte er geflissentlich übersehen.

Ein wenig später gab es einen Beitrag des ehemaligen Stellvertreters des Oberkommandierenden der NATO-Truppen in Europa Richard Shirreff. In diesem Bericht bietet er Polen an, gemeinsam Ziele in Russland festzulegen, gegen die man Atomschläge führen sollte und empfahl, Kaliningrad bei diesen Zielen nicht zu vergessen.

Wissen Sie, liebe Leser, derartige Beiträge, Kommentare usw. lese ich oft in den Sozialmedien und unter irgendwelchen Artikeln. Sie werden von Fritz Müller und Paul Schulze geschrieben und sind eine Meinungsäußerung – nicht mehr und nicht weniger. Aber wenn ein ranghoher (ehemaliger) NATO-Militär dies äußert, so ist es mehr als nur irgendeine Meinung – oder?

Und insgesamt kam es in den letzten Monaten zu einer deutlichen Belebung der Berichterstattung zum Thema „Königsberg“ – Zufall?

Jetzt haben „Aktivisten“ im Internet eine Aktion zur Umbenennung Kaliningrads in Königsberg gestartet und sammeln dort Zustimmung. Russische Medien informieren, dass es sich um eine separatistische Organisation unter der Bezeichnung „Baltische Avangard des russischen Widerstandes (BARS) handelt. Neben der Umbenennung fordern sie auch alles zu entfernen, was an die totalitäre sowjetische Vergangenheit erinnert.

Screenshot: Petition zur Umbenennung der Stadt Kaliningrad
 
Bei der Gelegenheit – wir haben auch eine Umfrage auf unserem Portal zu dieser Thematik gestartet – schauen Sie mal gleich links von diesem Artikel. Hier haben wir nicht aufgerufen der Stadt einen anderen Namen zu geben, sondern wollten wissen, ob es den Bewohnern der Stadt mit einem neuen Stadtnamen besser gehen würde.
 
Kommen wir nochmal kurz auf die „Organisation BARS“ zurück. Das Internetportal „Exklaw“ zitiert aus Veröffentlichungen dieser Organisation über deren Ziele im Internet:
 

Damit auch alles so klappt, wie sich diese Widerstandskämpfer es vorstellen, besuchte man vor kurzem ein Forum in der Ukraine, wo konkrete Schritte besprochen worden sind, wie man sich besser gegen Russland vereinigen könnte. Ein wichtiger Schritt hierbei ist, Kaliningrad aus dem Einflussbereich Russlands herauszulösen. Man sprach auf diesem Forum auch davon, Weißrussland von Russland zu entfremden, war sich aber des Erfolges nicht ganz sicher, denn Weißrussland fährt eine ziemlich eigenständige Politik. Es würde im Rahmen dieses Artikels zu weit führen, noch ausführlicher über diese ukrainische Veranstaltung zu berichten. Aber behalten Sie, liebe Leser, einfach mal das Stichwort „Projekt Intermarium“ im Gedächtnis – ich habe das Gefühl, als ob wir darüber noch einen Artikel schreiben werden – früher oder später.

Die russischen Organe reagieren nun in der Zwischenzeit schon auf derartige Tendenzen – nachdem man jahrelang vieles tolleriert hatte. Aber die Zeiten ändern sich, denn „NATO ante Portas“, u.a. in Form von einigen deutschen Soldaten an der litauischen Grenze zu Kaliningrad.

Aber es gibt noch einen weiteren Fall, über den wir bereits im „Kaliningrader Tageblatt“ am 6. August kurz berichtet hatten.  

Bisher sind keine weiteren Einzelheiten bekannt. Der Eintrag bei VKontakte ist gelöscht und mit dem jungen Mann konnte ich auch kein Gespräch führen – ich kenne seine Adresse nicht und den FSB wollte ich nicht anrufen – ehrlich gesagt.

Bei diesen ganzen irrsinnigen Diskussionen um das Kaliningrader Gebiet und dem langsamen Eintröpfeln des Gedankens, dass Kaliningrad eigentlich Königsberg und Königsberg eigentlich Deutschland ist, hoffe ich, dass sich Russland nicht daran erinnert, dass der östliche Teil Deutschlands, also Ostdeutschland, also die sogenannte DDR, also die Ostzone ja eigentlich die sowjetische (russische) Besatzungszone ist …
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Kommentare ( 7 )

  • A. Bienenfreund

    Veröffentlicht: 7. August 2016 23:56 pm

    "Und insgesamt kam es in den letzten Monaten zu einer deutlichen Belebung der Berichterstattung zum Thema „Königsberg“ – Zufall?" Nein, "Informationskrieg" auch PsyOp genannt. Dazu darf man getrost auch den ganzen Olympiakram rechnen - der russische Bär soll endlich in Rage kommen. Wie eine Meute kläffender Hunde pisacken sie den Bären von allen Seiten - er soll endlich aggressiv werden dieser Bär. Stattdessen bestellt er seinen Acker und baut sein Land, macht Leibesübungen und übt sich in Selbstverteidigung. Mach weiter so, Bär, und lass die Hunde kläffen. Denen fällt demnächst die Hütte ein.

  • Steffen Görlich

    Veröffentlicht: 8. August 2016 01:07 pm

    Wir wissen alle, dass das Rückholen Kaliningrads nach Deutschland in einer Tragödie mindestens für Mittel-und Osteuropa enden würde. Ich kann auch in der deutschen Berichterstattung der letzten Monate nicht erkennen, dass ein solches Rückholen zum Thema wird. Diesen Realitätssinn sollte man auch den deutschen Politikern zugestehen.
    Ich fände es besser, wenn auf Websites wie hier mehr die Gemeinsamkeiten zwischen den Völkern betont werden und nicht, wie unglücklicherweise seit einiger Zeit wieder üblich, negativ über den Anderen berichtet wird.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 8. August 2016 07:18

      ... bringen Sie Beispiele für Gemeinsamkeiten (insbesondere im Zusammenhang mit Kaliningrad) und wir werden diese sehr gerne veröffentlichen.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 8. August 2016 02:08 pm

    Wenn der Faule Mc als Vertreter des Staates USA solche Vorschläge unterbreitet, dann sollte er mal aufpassen, daß die Sache nicht nach hinten los geht. Denn wenn die Oblast Kalinigrad als halbes Ostpreussen zu Deutschland gehört, dann gehört auch der polnische Teil auch zu Deutschland und Pommern und Oberschlesien auch. Ob das der der wohl nicht nur Faule Mc nicht so richtig bedacht hat? So richtig denken scheinen die Amis wohl sowieso nicht können. Auch der Hinweis von ehemaligen US-Kommandierenden an die Polen über Kernwaffenziele in der RF nachzudenken wird wohl bei verantwortungsbewußten Militärs in Polen nicht nur Unbehagen ausgelöst haben. Denn diese wissen doch ganz genau, wie die verheerenden Folgen eines russischen Gegenschlags auf Polen aussehen würde. Die US-Boys sind doch offensichtlich immer noch der irrigen Meinung, daß das angeblich freieste Land der freien Welt auf seiner Insel zwischen zwei Ozeanen ein sicherer Platz sei, den russische Raketen nicht erreichen könnten.

    Ach so. Wie ist es denn dann mit Alaska? Ist das nicht noch russisches Land? Hatten die Amis nicht damals der russischen Zar mit so einem lächerlich niedrigen Preis über den Tisch gezogen.
    Irgendwie versuchen doch diese Berufsstinksäcke immer Unfrieden zu stiften.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 9. August 2016 02:32 pm

    "Gebiete immer noch zu Deutschland gehören sollen und das es keinen wirksamen Verzicht gab. "
    Da kann man doch nur diesem Wissensdefizit, daß vermutlich dem allgemeinen Bildungssystem in den westlichen deutschen Besatzungsgebieten geschuldet ist, darauf hinweisen, daß es in Zusammenhang mit WK II Konferenzen der Alliierten Staaten Sowjetunion, USA und Großbritannien in Teheran, Jalta und Potsdam gegeben hat, wo die Grenzen in Europa von den Siegermächten neu gezogen worden sind. Und nicht nur die des ehemaligen Deutschen Reiches. Wer verbrecheriche Kriege führt und verliert hat keine Möglichkeit und auch kein Recht eines sogenannten Verzichts. Deutschland hat es der sowjetischen Führung zu verdanken, daß es überhaupt noch existiert. Da gab es doch ganz andere Pläne der heutzutage hochgelobten angeblichen Freunden aus Übersee, die Deutschland nach 70 Jahren immer noch im Besatzungsstatus halten.
    Es sei allen ins Stammbuch geschrieben, die hier über Kaliningrad noch deutsch oder nicht russisch oder was auch sonst noch schwadronieren, schaut euch die Landkarte vom ehemaligen Deutschen Reich von 1900 an. Schaut sie euch von 1933 an und schaut sie euch von 1945 an. Und dann könnt ihr mal überlegen ob es ein Deutschland nach einer erneuten schuldhaften kriegerischen Auseinandersetzung geben könnte.

  • ru-moto

    Veröffentlicht: 9. August 2016 14:58 pm

    Schade, dass die ewig gestrigen Kriegshetzer ("Kalingrad ist Deutsch") mit einseitigem "Wissensstand" nichts verstehen können. "Wollen" kann man wohl ausschließen.

  • Steffen Görlich

    Veröffentlicht: 10. August 2016 01:22 pm

    Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass ich es für wesentlich gescheiter halte, sich für das friedliche Miteinander einzusetzen, als in die jetzt übliche und gefährliche Polemik gegen die andere Seite einzustimmen. Ich dachte, dass Sie vor Ort die Gemeinsamkeiten am besten aufspüren können. Mir fällt folgendes ein:
    - Festival "Nachbarn" in Krasnolesje, fand gerade wieder statt und ist ein Symbol für den Austausch mit Polen und Litauen
    - internationale Aktivitäten des Kinder Zentrums für ökologische Bildung in Kaliningrad
    Sauberes Meer
    Weitere Projekte der Kinder- und Schularbeiten des Zentrums
    - Arbeit des Vereins Anthroposophie in Gromovo und anderen Stelle des Oblast (es gab mal einen Bericht oder ein Interview, aber was gibt es Neues?)
    - Projekte von ChildFund, zB in Krylowo (es gibt viele NGOs, die helfen und keine Agenten oder Prediger der deutschen Demokratie sind)
    - Museumsprojekte im Kaliningrader Oblast
    - Berichte über gemeinsame Wirtschaftsprojekte (wenn jetzt vielleicht auch etwas spärlich gesät)

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 10. August 2016 08:10

      ... ja, das sind alles Aktivitäten über die man berichten könnte, die aber durch andere Aktivitäten mehr als neutralisiert werden. Leider ist es so, dass all diese positiven Veranstaltungen nicht die Wühltätigkeit kompensiert die gegenwärtig gegen Kaliningrad läuft.
      Bleiben wir bei einem älteren Beispiel stehen. Der deutsche Vizekonsul für Kultur im Generalkonsulat Daniel Lissner hat viele Kultur- und Bildungsveranstaltungen im Verlaufe von mehr als drei Jahren betreut und mit einem hetzerischen russlandfeindlichen Auftritt im Deutsch-Russischen Haus den deutsch-russischen Beziehungen soviel Schaden zugefügt, dass man sich gewünscht hätte, er wäre nie nach Russland gekommen.

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 11. August 2016 12:15 pm

    @UEN
    Man muss nicht alles zitieren. Wenn ich mich nicht täusche, ist das kein amerikanische Journal, sondern ein "Blatt" der rechten Szene aus Deutschalnd, welches der Verfassungsschutz beobachtet. Die haben einfach ihren Sitz in die USA verlegt, um erstmal nicht erreichbar zu sein. Gegen die Redakteure ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen aller möglicher Dinge, auch wg. Sozialbetrug. Der Wert der Beiträge tendiert daher bei Null.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 11. August 2016 12:36

      ... vielen Dank Techniker, für Ihre Meinung.

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