Russischer Blogger Warlamow wartet auf Kaliningrader Einladung

Russischer Blogger Warlamow wartet auf Kaliningrader Einladung
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Die russische Medienwelt ist gewaltig. Und ich spreche hier nicht von irgendwelchen Ersten, Zweiten, Dritten Fernsehkanälen. Es gibt private TV-Kanäle, es gibt Print-Medien, mehr oder auch weniger staatsnah, es gibt Internetportale in einer Vielzahl, dass es nicht mehr überschaubar ist und es gibt YouTube, wo die Anzahl derjenigen wächst, die sich dort als nicht diplomierte Journalisten, also als Blogger, etablieren und mehr oder weniger qualifizierte Meinungen und Berichte einstellen.

 

Und es gibt einige russische Blogger (ich habe sie abonniert), die lassen mich vor Neid erblassen. Kaum das bei mir ein kleines Signal erscheint und ich sehe, das der Blogger „WDudj“ einen neuen Beitrag platziert hat, hat er auch schon nach 20 Minuten 100.000 Zugriffe und am Abend bereits eine Million Zugriffe.

Beim Portal „PolitRussia“ sind die Zugriffsquoten zwar nicht ganz so hoch, aber 50.000 Aufrufe am Tag sind normaler Standard.

Und es gibt den Blogger Warlamow. Bei dem sind 100.000 Aufrufe am Tag völlig normal und nichts Besonderes.

Und alle haben ihre Meinung – ob sie mir gefallen oder nicht, ob sie Putin gefallen oder nicht, ob sie der russischen oder der nichtrussischen Gesellschaft gefallen oder nicht – sie stehen im Netz und sind frei verfügbar.

In der ersten Zeit habe ich mir die Beiträge von Warlamow angeschaut, insbesondere die beiden Beiträge, die er in Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft über Kaliningrad veröffentlicht hat. Er war in der Stadt und dem Gebiet Kaliningrad und hat an dem von ihm besuchten Orten kein gutes Haar gelassen.

Warlamow lebt von seiner auffälligen äußeren Erscheinung und davon, dass er es mag zu kritisieren und seine Gesprächspartner mit direkten Bemerkungen konfrontiert. Anscheinend ist es das, was die russischsprachige Internetgemeinde mag und deshalb sind die Zugriffsquoten hoch.

Natürlich ist Kaliningrad kein Paradies. Natürlich gibt es jede Menge Mängel. Natürlich haben diejenigen, die nach 1990 das Schicksal von Stadt und Gebiet lenkten, mit unterschiedlicher Effektivität gearbeitet. Und natürlich sehe auch ich, welch großes Entwicklungspotential Kaliningrad auf vielen Gebieten hat. Warlamow hätte den letzten Satz völlig anders formuliert – weniger diplomatisch. Nun, er braucht die Zugriffsquoten, denn er verdient damit Geld. Und Geld verdient man eben nur mit Sensationen oder mit sensationellen Aufmachern.

Kurz und gut – dieser Warlamow plant nun seine Aktivitäten für das kommende Jahr und will auch wieder nach Kaliningrad kommen. Es hat sich einiges geändert – so hat Kaliningrad einen neuen Bürgermeister. Warlamow war noch zu Jaroschuks Zeiten bei uns gewesen. Nun soll ihm der neue Bürgermeister Alexej Silanow vor dem Mikrophon bei einem Stadtspaziergang Rede und Antwort stehen.

 

Warlamow hat sich schriftlich an den Kaliningrader Bürgermeister gewandt – betreffs möglicher Terminabstimmung. Er betont in seiner Ankündigung, dass, wenn es zu einem großen Stadtspaziergang kommt, alles gezeigt wird. Der Spaziergang wird unzensiert veröffentlicht. Und er wird mit dem Bürgermeister keine Fragen absprechen und wird dem Bürgermeister auch nicht mitteilen, welche Straßen er für den Spaziergang aussuchen wird.

Warlamow versprach ein wenig das Format zu verändern. In seiner Sendung wird es keine Expertenmeinungen mehr geben. Dafür werden Bewohner der Stadt zu Wort kommen und dem Bürgermeister an unerwarteten Stellen während des Spaziergangs Fragen stellen und diese Fragen werden wohl für den Bürgermeister eine echte Prüfung werden – meint Warlamow.

Ich weiß, wenn es zu einem derartigen Beitrag kommt, werden die Zugriffsquoten auf dem „Warlamow-Kanal“ in ungeahnte Höhen schnellen. Leider haben wir noch genug Dreck- und Problemecken in der Stadt.

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Kommentare ( 4 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 14. Dezember 2018 21:21 pm

    Ich würde diesem aufgeblasenen Warlamow ganz einfach eine Absage erteilen - oder noch besser - genau seine "Arbeitsweise" anwendend, von Bürgern der Stadt diesem Herrn unangenehme Fragen zu seinen Aussagen in seinen bisherigen Beiträgen stellen und das Filmen nicht nur Warlamows Leuten überlassen, sondern eigene Filmleute einsetzen. Das mögen die anderen nicht.
    Fakt ist doch, daß Warlamow nicht so einfach nach KG kommt. Das läßt er doch von bestimmten Leuten in KG vorbereiten. Diese "Bürger", die den Bürgermeister alt aussehen lassen sollen, müssen doch auch erst einmal gefunden und "gebrieft" werden.
    Ich habe absolut nichts dagegen, daß Vertreter der Stadt zu den Erfolgen, Niederlagen und Versäumnissen der Apparatschiks Stellung nehmen sollen. Aber dieser sogenannte Blogger will sich auf Kosten der anderen offensichtlich profilieren. So habe ich jedenfalls Uwe´s Beitrag verstanden.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 14. Dezember 2018 21:52

      ... tja, leider ist das alles nicht so einfach. Wir haben nun mal in Russland Medienfreiheit, auch wenn im Westen anderes behauptet wird. Und eine Absage des Bürgermeisters wird Warlamow nicht abhalten nach Kaliningrad zu kommen und er findet problemlos genügend Leute, die ihm helfen.

  • A. Bienenfreund

    Veröffentlicht: 16. Dezember 2018 10:43 pm

    zu diesem Konkurenten von K-D habe ich mich jüngst kundig gemacht: da steht mit Sicherheit eine Agentur dahinter. Niemand kann gleichzeitig mit einem Bürgermeister spazierenggehen und aus Paris, Estland und Kiew berichten. Möglich ist, das er seinen Kanal teilweise vermietet - es gibt entsprechende Angebote im Internet und es ist einträglich. Dagegen( und für eine Agentur) spricht allerdings der recht konsistente Inhalt des Blogs.
    Wie dem auch sei, sein Format "Spaziergang mit Bürgermeister" ist auf jeden Fall sein eigenes und es ist grundsätzlich ein gutes Format, auch wenn er es mehr reisserisch nutzt. Der Bürgermeister sollte es als Chance sehen sich zu positionieren! Als sportlich Herausforderung. Und ja, er sollte zwei eigene Kameraleute mitbringen und die vielen Begleiter Varlamovs filmen und eine Art "Making of" ins Netz stellen. Uwe Erichowitsch, bieten Sie dem Bürgermeister an diese Begleitung und das "Making of" zu machen.
    Das wäre auch ein guter PR-Gag für Ihren Kanal.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 16. Dezember 2018 12:17

      ... ich bin für solche Aktionen ein paar Nummern zu klein.

  • A. Bienenfreund

    Veröffentlicht: 17. Dezember 2018 14:54 pm

    Findet sich kein Sponsor in Kaliningrad für sowas? Der müsste natürlich auch mögliche rechtliche und finanzielle Konsequenzen absichern - mhm ja, ich kann Sie schon verstehn.
    Aber gut wäre es trotzdem, wenn das irgendjemand machen würde.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. Dezember 2018 15:28

      ... übrigens, Ihr jetziger Kommentar ist der 4.000ste auf diesem Portal. Danke.

  • A. Bienenfreund

    Veröffentlicht: 17. Dezember 2018 22:58 pm

    immer wieder gerne ;-)

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