Russland dreht die Schrauben für Wehrpflichtige fester

Russland dreht die Schrauben für Wehrpflichtige fester
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Die russische Armee, in den 90er Jahren am Boden liegend und ein Bild des Jammers, hat ihr Image vollständig geändert. Von vielen unbemerkt, lief hinter den Kasernenmauern ein Erneuerungsprozess, der für alle wohl, spätestens ab 2015 sichtbar wurde.

Im Jahre 2015 begann der Einsatz der russischen Armee in Syrien. Irgendwann startete ein Schwarm von Flügelraketen, gestartet von Schiffen der Kaspischen Flottille, Richtung Syrien und erreichten punktgenau ihre Ziele. Russland demonstrierte damit: Wir sind auf dem Weg der Modernisierung, wir sind auf dem Weg die Fehler der Vergangenheit auszumerzen.

Zu den Fehlern der Vergangenheit gehörte auch, dass man sich um die Durchsetzung der Wehrpflicht keine großen Gedanken und Sorgen machte. Viele drückten sich vor dem Wehrdienst. Es wurden viele Instrumente entwickelt, um nicht seiner gesetzlichen Pflicht zum Dienen nachkommen zu müssen.

Aber auch hier haben sich die Zeiten geändert und die jungen russischen Männer stehen Schlange, um Vertragssoldaten zu werden. Vertragssoldaten dienen nicht nur 12 Monate, sondern länger – eben so, wie vertraglich vereinbart. Und sie genießen eine Reihe von Vorteilen in sozialer Hinsicht – bis hin zur Versorgung mit einer Eigentumswohnung.

Putin äußerte vor wenigen Tagen, dass er die Richtung der Entwicklung der Armee darin sehe, die Wehrpflicht völlig abzuschaffen. Dies wird ein Prozess sein, der sich noch über mehrere Jahre hinzieht. Aber gegenwärtig ist es bereits so, dass die Anzahl der Wehrpflichtigen sich die Waage hält mit der Anzahl der Vertragssoldaten.

Gegenwärtig braucht aber die russische Armee noch die Wehrpflichtigen, die im Verlaufe von 12 Monaten an der einfacheren Bewaffnung ausgebildet werden und die Aufgaben im Rahmen der Bewachung von Objekten übernehmen können.

Und natürlich gibt es immer noch Wehrpflichtige, die versuchen sich zu drücken. Das wird immer schwieriger, denn einfach nur nicht zu dienen, sich also vor den Wehrkreiskommandos zu drücken – das funktioniert nicht mehr. Denn ein junger Mann braucht in Russland einen Wehrdienstausweis. Und den bekommt er nur, wenn er gedient hat. Und wenn er irgendwo anfangen will zu arbeiten, bekommt er nur dann einen Arbeitsvertrag, wenn er diesen Ausweis vorlegen kann.

Einen Wehrdienstausweis bekommt aber auch der, der aus gesundheitlichen Gründen vom Wehrdienst befreit wurde. Er ist ja nicht schuld, dass er nicht dienen durfte. Seine Gesundheit hat dies nicht zugelassen. Und somit gibt ihm der Staat seinen Wehrdienstausweis mit dem Vermerk „Dienstuntauglich“, um den jungen Mann nicht zu diskreditieren.

Somit ist klar, dass die neue Klasse der Wehrdienstunwilligen sich auf diese Schiene verlagert und versucht, aus gesundheitlichen Gründen eine Befreiung zu bekommen. Und leider gibt es Ärzte, die sich gegen Schmiergeld dazu hergeben, entsprechende Gesundheitszeugnisse auszustellen.

Damit soll nun Schluss sein. Die medizinischen Einberufungskommissionen erhalten nun das Recht, die medizinischen Gutachten ihrer zivilen Kollegen anzuzweifeln und eine weitere Untersuchung beim Arzt ihres Vertrauens anzuordnen. Früher war es einfach unmöglich, ein medizinisches Gutachten eines russischen Arztes oder einer Poliklinik anzuzweifeln.

Ein Arzt, der jetzt ein falsches medizinisches Gutachten erstellt und glaubt, dass er über das System der Schmiergelder schnell reich wird, riskiert somit zukünftig nicht nur entdeckt und wegen Korruption verurteilt zu werden, sondern wird auch die Zulassung als Arzt verlieren – sieben Jahre Studium sind somit „fufu“. Das wird sich wohl jeder russische Mediziner zukünftig gut überlegen.

Diejenigen Wehrpflichtigen, die wirklich gesundheitlich nicht für den Wehrdienst geeignet sind, werden unter besondere medizinische Betreuung genommen und müssen sich regelmäßig in medizinische Einrichtungen melden, wo man bemüht ist, die Einschränkungen zu behandeln. Gelingt dies und der Wehrpflichtige wird gesund, erhält er den Einberufungsbefehl.

Männliche Wehrpflichtige mit ernsthaften Erkrankungen oder sogar einer Invalidenstufe, werden einmalig begutachtet und erhalten eine lebenslange Freistellung vom Wehrdienst.

Zu den häufigsten Diagnosen, die zu einer Befreiung vom Wehrdienst führen gehören: Plattfüße, Skoliose, Myopie, Bluthochdruck und Hautkrankheiten.

Die Statistik zeigt, dass 30 Prozent aller Wehrpflichtigen in den letzten Jahren eine Wehrbefreiung aus gesundheitlichen Gründen erhalten hat. Nun kann man wohl, nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes, davon ausgehen, dass der Spruch nicht mehr aktuell ist: „Armes, krankes Russland“.

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