Stalin: Dankbarkeit ist so eine hündische Krankheit. 30 Jahre Mauerfall.

Stalin: Dankbarkeit ist so eine hündische Krankheit. 30 Jahre Mauerfall.
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Das russische Informationsportal „Lenta.ru“ informiert seine russischen Leser über ein ZDF-Interview mit Wolfgang Kubicki und Gregor Gysi anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls.

Das Interview wurde am 6. August ausgestrahlt. Bestimmt war es natürlich für die deutschen Medienkonsumenten. Und ich staunte nicht schlecht, über die Worte von Wolfgang Kubicki, die ich von einem Politiker der deutschen Bestandsparteien so nicht erwartet hätte.

Einspielung Interview

Bei Russen, insbesondere der „Generation 1990+“ würde wohl der Beitrag nur Unverständnis hervorrufen, denn wenn diese Generation sich nur mit Mühe erinnern kann, wer nach Stalin die Macht im sowjetischen Lande inne hatte, so ist die Vorstellung von einer Mauer, quer durch Deutschland, einfach nicht möglich. In Gesprächen mit meinen russischen Bekannten, egal welcher Altersgeneration, bin ich immer wieder erstaunt, wie wenig man von der damaligen DDR, der damaligen BRD und dem Verhältnis zwischen diesen beiden souveränen Ländern weiß. Von der Real-Mauer aus Stein und Beton weiß man so gut wie nichts. Für viele war die Grenze zwischen der DDR und der BRD mehr virtueller Art. Und beginnt man dann darüber zu erzählen, so hat man die volle Aufmerksamkeit der russischen Zuhörer.

Und somit wissen natürlich auch viele Russen nur wenig über die Anwesenheit der Roten Armee in der DDR und wissen schon gar nichts über all die Umstände in den Jahren 1989/90. Man weiß aber ganz genau, dass Gorbatschow ein Verräter war. Aber niemand, zumindest nicht in meinem Bekanntenkreis, stellt die Frage, warum die Rote Armee kampflos abgezogen ist und die Amerikaner noch heute in Deutschland sind.

Dafür weiß aber Kubicki, dass die Ostdeutschen am besten wissen, dass es ohne die Russen keine deutsche Einheit gegeben hätte - eine Äußerung, die bei mir doch einen gewissen „oho“-Effekt ausgelöst hat, denn im Umkehrschluss heißt dies, dass die Westdeutschen die Rolle der Russen eben weniger gut kennen.

So soll es ja Deutsche geben, die heute aktiv an der Neuschreibung der Geschichte interessiert sind und somit auch die deutsche Einheit als Verdienst der Westalliierten darstellen, die den sowjetischen Gegner, 45 Jahre nach dem gemeinsamen Sieg, doch noch in die Knie gezwungen haben.

Einspielung Interview 0.24-0.37

Und Kubicki meint weiter, dass die Deutschen den Russen im Rahmen der deutschen Einheit viel zu verdanken haben.

Einspielung Interview 0.48-0.55

Wenn dem denn so ist, wie Kubicki sagt und Gysi zustimmend nickt, steht die Frage, wie sich denn diese deutsche Dankbarkeit zeigt? Ich kann keine Dankbarkeit erkennen. Ja, im Jahre 1992 und danach kamen die Deutschen nach „Königsberg“ und schenkten den armen hungrigen Kindern Äpfel und Kaugummi – obwohl nie wirklich jemand echt gehungert hat, weder in Kaliningrad, noch im russischen Mutterland. Vielleicht meint Deutschland, mit der Rolle als Oberlehrer gegenüber dem Schüler Russland seine Dankbarkeit abtragen zu können?

Und Kubicki bemerkt völlig richtig, dass die Deutschen in den gebrauchten Ländern Deutschlands das Thema Russland im wesentlichen ausgeblendet haben und man sich nicht gerne erinnert, ja sich nicht erinnern will, was Deutschland den Russen im Ersten und Zweiten Weltkrieg alles angetan hat.

Einspielung Interview 0.57-1.12

Und Russland, oder besser, korrekter formuliert, die Sowjetunion hat nichts getan, um die deutsche Einheit zu verhindern. Keine Truppen sind ausgerückt, kein Schuss ist gefallen. Schön, das Kubicki auch daran erinnert hat.

Einspielung Interview 1.12-1.30

Somit sind wir wieder beim Thema „Dankbarkeit“. Die scheint wohl darin zu bestehen, dass man die Sanktionspolitik der Amerikaner unterstützt, dass man im Rahmen seiner angeblichen NATO-Verpflichtungen, Truppen an die russische Grenze entsendet, dass man versucht die wirtschaftliche Entwicklung Russlands zu behindern, was letztendlich natürlich sich auf das Wohlbefinden der Menschen auswirken soll, denen man die deutsche Einheit zu verdanken hat. Mit anderen Worten: Man zeigt keine Dankbarkeit – im Gegenteil.

Und Kubicki fordert zum Dialog auf.

Einspielung Interview 1.38-1.42

Und wenn man auf die aktuelle Tagespolitik schaut, so stellt man fest, dass kein Dialog stattfindet, oder da, wo es irgendwelche Anzeichen gibt, sofort gegengewirkt wird, wie die jüngste Einmischung des staatlich gelenkten Senders „Deutsche Welle“ in die inneren Angelegenheiten Russlands zeigt.

Das Informationsportal „Lenta.ru“ erinnert an eine Umfrage der deutschen Zeitung „Der Tagesspiegel“ im Juni dieses Jahres, wonach 72 Prozent aller Ostdeutschen eine Annäherung an Russland wollen und im Westen Deutschlands sind es immerhin 54 Prozent. Also die Mehrheit der Deutschen wünscht eine Annäherung an Russland. Warum hören dann die politisch Verantwortlichen im demokratieverwöhnten Deutschland nicht auf die demokratische Mehrheit der Bevölkerung?

Zusammengefasst erinnert mich dies alles an eine Äußerung des Genossen Stalin: „Dankbarkeit – das ist so eine hündische Krankheit.“

 

Kommentare ( 2 )

  • boromeus

    Veröffentlicht: 9. August 2019 21:00 pm

    "Warum hören dann die politisch Verantwortlichen im demokratieverwöhnten Deutschland nicht auf die demokratische Mehrheit der Bevölkerung?Von welcher Demokratie reden Sie?Von Kastners DDR 2 Diktatur ,die unser Ostzonenimport in ihrer Amtszeit geschaffen hat?Von ihrem "demokratischen" ins Land holen 1Mio "Goldstücke" ,deren Morden und Vergewaltigen einfach weggelogen wird, in der von ihr gleichgeschalteten linientreuen Medienlandschaft?Von jedem,den sie in den letzten Jahren "demokratisch verwöhnt"abgesägt hat, der ihr in die Quere kam.Als amerikanischer Handlanger ,Putinhasser und Umvolkungsgehilfe Soros?Die es geschafft hat in wenigen Jahren Deutschland zur Lachnummer der Welt gezittert hat.Wegen Hochverrat anklagen und vom Hof jagen, solange es noch geht. Und was die Dankbarkeit angeht ,haben Sie Recht .Die Millionen die in Richtung Moskau flossen,reichten natürlich nicht.Im übrigen war die BRD zu keinem Zeitpunkt souverän.Gesamtdeutschland bis heute nicht.Den Befreiern sei Dank.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 10. August 2019 17:10 pm

    boromeus
    Veröffentlicht: 9. August 2019 21:00:45

    Glauben Sie mir, dieses "Geschöpf Gottes" (ist schließlich eine Pfarrerstochter) ist mir wohl genauso suspekt wie Ihnen. Sie muß auch mit der Last der Verantwortung für all diese gigantischen Fehleinschätzungen zurecht kommen, die sie sich geleistet hat. Aber hat sie jemals jemand von deren Umkreis daran gehindert? Nun ernsthaft, wer waren denn diese hochdotierten und hochbezahlten Leute in der Mehrzahl, die die "Trulla von Templin", obwohl aus Hamburg stammend, immer wieder gewählt und immer wieder mit mehr als 10 Minuten stehenden Ovationen im Amt ihres maßlosen Versagens bestätigt hat? (Personenkult?) Waren das die sogenannten Ostdeutschen? Ich glaube wohl kaum. Alle anderen in der CDU und erst recht in der CSU kamen und kommen doch westwärts von dem jetzigen Naturschutzstreifen oder waren rechtzeitig dahin "geflüchtet". Sie brauchen bloß mal die Teilnehmerlisten der letzten 20 Jahre der Bundes- und Landesparteitage durchsehen

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