Welche Wahrheit ist richtig im russischen Kaliningrad?

Welche Wahrheit ist richtig im russischen Kaliningrad?
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Die Kaliningrader Medien sind angefüllt mit pessimistischen Meldungen über den Lebensstandard in Russland, über fallende Realeinkünfte, über das, sich ständig verschlechternde, Leben der Menschen. Die Menschen selber winken auch ab, wenn man fragt: „Kak djela?“ (wie geht´s) und insgesamt wird Jammern großgeschrieben.

Mit Wohlbefinden greifen natürlich auch westliche Medien jede pessimistische Meldung aus Russland auf, um den sprachunkundigen deutschen Medienkonsumenten ein möglichst dramatisches Bild des Lebens im Putin-Reich zu schildern.

Und natürlich findet man in den Sozialnetzwerken ausreichende Informationen über die dramatischen und sich ständig zuspitzenden Lebensumstände der leidgeplagten russischen Bürger. Nicht selten werden russischstämmige Ehepartner oder Ehepartnerinnen zitiert, die weiteres Dramatisches zu berichten wissen und damit beim Ehepartner oder der Ehepartnerin noch weitere Mitleidswellen auslösen.

Und dann gibt es eine banale Meldung in den Kaliningrader Medien, die die Entwicklung des Einzelhandels betrifft.

Es wird mitgeteilt, dass sich die Verkaufsfläche für Hypermärkte und Supermärkte in Kaliningrad in den letzten sieben Jahren um 600 Prozent vergrößert hat.

Im Jahre 2011 hatten die Hypermärkte in Kaliningrad eine Gesamtfläche von 42.225 Quadratmeter. Ende 2017 waren es bereits 286.216 Quadratmeter und bei den Supermärkten entwickelte sich die Verkaufsfläche von 29.528 Quadratmeter im Jahre 2011 auf 75.526 Quadratmeter im Jahre 2017.

Die Verkaufsflächen der Apotheken vergrößerte sich im genannten Zeitraum von 6.600 Quadratmeter auf 13.849 Quadratmeter.

Nun steht für mich die Frage, warum sich die Verkaufsfläche derart extrem vergrößert hat, wenn doch die Bevölkerung darbt und kaum Geld hat, um das tägliche Leben zu fristen – glaubt man denn den Veröffentlichungen in Ost und West.

Vermutlich werden auch einige kommentieren, dass die Ausweitung der Apotheken damit im Zusammenhang steht, dass die Menschen im Putin-Reich mit jedem Jahr kränker werden. Wenn wir denn dieser Logik folgen, so müsste es doch auch logisch sein, dass mit der Zunahme der Verkaufsfläche im Einzelhandel, die Menschen immer reicher werden, denn warum sollte man den Einzelhandel expandieren lassen, wenn sich niemand die Waren leisten kann?

Und es steht die Frage: Welche Wahrheit ist richtig? Vermutlich wohl die, die man jeden Tag in der Praxis sehen kann: Überfüllte Parkplätze vor den Supermärkten, lange Schlangen an den Kassen, übervolle Einkaufswagen.

Kommentare ( 6 )

  • Georg

    Veröffentlicht: 31. Juli 2019 01:43 pm

    Ihre Zahlen über die Entwicklung des Einzelhandels in Kaliningrad wirken auf den ersten Blick zunächst beachtlich, aber kein Vergleich mit westlichen Standards. Die Stadt Nürnberg, mit Kaliningrad gut zu messen, hatte bei einer flächendeckenden Einzelhandelserhebung im Jahre 2011 eine Verkaufsfläche von 1.081.450 m². Ich lebe bei der Stadt Forchheim, ein fränkisches Kleinod mit 32000 Seelen. Der Einzelhandel diesen kleinen Städtchens verfügt über eine Verkaufsfläche von 111380 m². Meine Zahlen halten jeder Nachprüfung stand. In Forchheim gibt es einen riesigen Globus-Markt, zwei große EDEKA-Center, 3 x Norma, 2 x Aldi, 2 x Rewe, 1 x Netto, 1 x Lidl, 3 Baumärkte, 2 große Elektrofachmärkte usw.. Meine Frau sagt unumwunden, dass Kaliningrad mit dem Angebot in Forchheim nicht mithalten kann, vorallem nicht in der Qualität der Waren und dies bestätigt auch eine Irina Sch., eine übergesiedelte Lehrerin aus KGD. KGD ist 15 x größer als Forchheim....

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Juli 2019 03:15

      ... schön, dass es in Deutschland ein so entwickeltes Einzelhandelsnetz gibt, welches im Verlaufe vieler Jahrzehnte aufgebaut wurde. Aber im Artikel ging es um etwas anderes, nicht um den Vergleich wie gut Deutschland und wie rückständig Kaliningrad ist...

  • boromeus

    Veröffentlicht: 31. Juli 2019 10:14 pm

    WELCHE WAHRHEIT IST RICHTIG IM RUSSISCHEN KALININGRAD? Ist doch klar,oder?Die Kaliningrader Wahrheit natürlich.Denn alles andere,wäre ja auch Germanisierung oder Einmischung in innere Angelegenheiten Russlands,wie ihr es uns überhebliche Deutsche immer wieder predigt.Wahrheit ist relativ.Es ist immer die Frage,wessen Wahrheit gemeint ist und wer daraus den grösseren Nutzen ziehen kann.Dessen Wahrheit ist es dann,egal wie falsch sie auch sein mag..
    Und noch einen kleinen Abschweifer:
    "schön, dass es in Deutschland ein so entwickeltes Einzelhandelsnetz gibt, welches im Verlaufe vieler Jahrzehnte aufgebaut . "
    Die Chance hat man in KGD seid 1946 auch gehabt..,.aber das soll natürlich keine Kritik sein.Wegen..siehe oben....

  • Georg

    Veröffentlicht: 31. Juli 2019 18:04 pm

    https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/armut-in-russland-wie-moskau-obdachlose-unsichtbar-macht/24854002.html

    Herr Niemeier, vielleicht lesen Sie mal diesen Bericht vom Tagesspiegel, sehr informativ

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Juli 2019 23:28

      ... ich bin den deutschen Medien gegenüber so kritisch eingestellt, wie Sie der russischen Gesellschaft gegenüber kritisch eingestellt sind. Ich habe persönlich einige Verleumdungskampagnien deutscher Medien, bewusst organisiert, vor Ort miterlebt und somit sind für mich deutsche Medien - egal welche - keine Ansprech- und Informationspartner mehr. Wenn ich deutsche Medien lese, dann mit dem Ziel, mich mit einzelnen Fakten weiter auseinanderzusetzen. Allerdings sind meine Möglichkeiten begrenzt.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 1. August 2019 03:37 pm

    Heißes Thema! diese Vergleiche von einer westdeutschen Stadt, die im WK II nicht zerstört worden ist. Deren Bürgertum nach dem Krieg einfach so weiter machen konnte, wie vorher. Und die auch von der Besatzung der US-Army partizipierte. Man sollte ganz einfach nicht zwei Städte gegenüber stellen, die als Vergleiche absolut nicht passen.
    "Die Chance hat man in KGD seid 1946 auch gehabt..,.aber das soll natürlich keine Kritik sein.Wegen..siehe oben" Das ist genau das, was ich meine. Ganz ehrlich, meine Herren, Sie disqualifizieren sich selbst mit solchen Beiträgen.
    Man sollte schon mal etwas mehr nachdenken. Oder hat die BRD West in ihrer Vergangenheit solche politischen und gesellschaftlichen Umbrüche verkraften müssen wie das jetzige Rußland?
    Das mit den Quadratmetern Ladenfläche sehe ich wohl auch etwas anders. Kommt es auf die m² an, oder auf die Entwicklung des Umsatzes. Das wäre wohl aussagekräftiger.

  • boromeus

    Veröffentlicht: 1. August 2019 13:44 pm

    @RADEBERGER
    "Ganz ehrlich, meine Herren, Sie disqualifizieren sich selbst mit solchen Beiträgen.Haben Sie in der Stasi gedient,oder sonstigen linientreuen DDR Organisationen? "Im Westen haben wir im Gegensatz zu manchen Ostdeutschen gelernt ,offen Meinungen frei zu äussern.Und das ist auch gut so.Mag sein ,dass das dem einem oder anderm Ex-Ossi nicht passt,ändert aber an der Tatsache nichts.Deutsche Städte und Dörfer hat man vor 78 Jahren auch ausgelöscht .Ihr Vergleich ,der zur Nachsicht aufruft ,hinkt.Die Chancen hatte man im Oblast auch.Die Handschrift, der verbrannten Erde,ist überall erkennbar .Überall dort ,wo der Sozialismus die Menschen verblendet hat.Und die Wunden sind im Osten und im Oblast heute noch reichlich zu sehen.Wenn nicht aus Solidarität Billionen in den Wiederaufbau eures gescheiterten Arbeiter und Bauern Staat geflossen wären, wäre im Osten lange das Licht ausgegangen.45 Jahre Hurra geschrien
    und hinterher den grossen Mahner spielen.Passt irgendwie zusammen..

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 2. August 2019 20:17 pm

    boromeus
    Veröffentlicht: 1. August 2019 13:44:17

    Ist das schön zu lesen, wie Sie über die Ex-DDR Bescheid wissen. Natürlich waren fast alle bei der Stasi. Wo auch sonst. Außer denen natürlich, die nach Westen strebten. Wie weit es mit der angeblich freien Meinungsäußerung schon damals in der alten BRD-West und erst recht jetzt in der Neu-BRD ist, kann man gelegentlich bei anderen Publikationen lesen. Und wie es mit den bundesdeutschen Medien, vor allem mit deren Wahrheitsgehalt beschaffen ist, ja da ist die freie Meinungsäußerung voll gegeben und es interessiert viele gar nicht mehr, daß sie nach Strich und Faden belogen werden. Auch die Wahl-Kandidaten haben doch das Recht der freien Märchenerzählerei - vor der Wahl. Und danach? Was kümmert das Geschwätz von vor der Wahl.
    Was mich interessieren würde, welche Billionen Sie meinen? Meinen Sie die, die nach dem Osten transferiert wurden und dann wieder in den Taschen der Konzerne und Behörden aus dem Westen landeten?

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