Wie so häufig – die Wahrheit hat Nuancen. Putins Draht zum Kaliningrader Feuerwehrmann

Wie so häufig – die Wahrheit hat Nuancen. Putins Draht zum Kaliningrader Feuerwehrmann
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Am 20. Juni, im Format „Direkter Draht“, erhielt ein Kaliningrader Feuerwehrmann die Möglichkeit, seine Sorgen dem russischen Präsidenten darzulegen. Es ging um sein niedriges Gehalt. Nach dem Anruf geriet Kaliningrad in Bewegung.

Zuerst bewegte sich der Gouverneur Anton Alichanow, der, wie alle seine anderen Amtskollegen in Bereitschaft saß, wenn es etwas Operatives gäben sollte. Und so setzte sich der Apparat in Bewegung um festzustellen, warum ein Kaliningrader Feuerwehrmann nur 16.000 Rubel Gehalt im Monat erhält.

Das liberale Informationsportal „newkaliningrad“, ein Portal, welches völlig unverdächtig ist, auch nur im mindestens Sympathien für irgendwelche Staatsbeamten zu zeigen, veröffentlichte eine erste Stellungnahme des Kaliningrader Gouverneurs.

Es stellte sich heraus, dass dieser Feuerwehrmann in dem kleinen Vorort Svetly seinen Dienst versieht. Und es ist völlig richtig, dass der Feuerwehrmann nur ein Gehalt von 16.000 Rubel erhält, wobei das Durchschnittsgehalt eines Arbeitnehmers in Kaliningrad sich auf 29.000 Rubel im Monat beläuft und das Durchschnittsgehalt eines Feuerwehrmanns 22.000 Rubel beträgt. Allerdings hatte der Feuerwehrmann wohl keine Zeit gehabt, in seiner Videoinformation, die er in Vorbereitung des Direkten Drahtes dem Präsidenten übersandt hat, zu erwähnen, dass er nur einen Tag arbeitet und dann drei Tage frei hat, sein Gehalt von 16.000 Rubel somit für eine Woche Arbeit ausbezahlt wird. Niemand hindere den jungen Mann daran, in diesen drei freien Tagen weitere Arbeitsverhältnisse einzugehen – so kommentierte der Gouverneur.

Man werde nun Möglichkeiten suchen, um das Gehalt des Kaliningraders zu prüfen und warum dieses Gehalt niedriger ist, als das Durchschnittsgehalt für Feuerwehrleute – so der Gouverneur.

Dann machten sich Journalisten des liberalen Informationsportals auf den Weg zu diesem Feuerwehrmann und sprachen mit diesem.

Dieser informierte die Journalisten über den gesamten Ablauf des heißen Drahts, dass er sich nicht zum ersten Mal an den Präsidenten gewandt habe, diesmal aber seine Frage bereits im Vorfeld der Vorbereitung zum Heißen Draht ausgewählt worden ist.

Er informierte, dass er bereits zehn Jahre als Feuerwehrmann arbeite und er bestätigte nochmals sein Gehalt von 16.000 Rubel. Und er bestätigte die Informationen des Gouverneurs, dass er genügend Freizeit habe, um noch drei weitere Arbeitsverhältnisse zu erfüllen. Im Gespräch mit den Journalisten wollte der Feuerwehrmann diese Arbeitsstellen nicht nennen.

Im weiteren Gespräch kommentierte er, dass er glaube, dass sich an seinem Gehalt wohl nichts Prinzipielles ändern werde, denn bereits im vergangenen Jahr hatte sich ein anderer Feuerwehrmann an Putin gewandt und von diesem die Antwort erhalten, dass der Präsident informiert ist, dass sein Einkommen ein anderes ist, als er angegeben habe.

Vermutlich hatte wohl auch dieser Feuerwehrmann vergessen dem Präsidenten mitzuteilen, dass er eben nicht die normalen 22 Arbeitstage arbeitet, sondern eben nur sieben Tage und die restliche Zeit weitere Arbeitsverhältnisse ausfüllt.

Auf die Frage des Journalisten, ob der Feuerwehrmann nun Schwierigkeiten von Seiten seiner Vorgesetzten befürchtet, antwortete dieser, dass kurz nach dem Direkten Draht der Chef des Kaliningrader Katastrophenschutzes mit ihm persönlich gesprochen habe. Er fand es schade, dass er im Vorfeld keine Information erhalten habe, er aber sich persönlich um diese Angelegenheit kümmern werde. Niemand brauche Angst zu haben, dass es irgendwelche negativen persönlichen oder arbeitsrechtlichen Konsequenzen gäbe.

Der Feuerwehrmann kommentierte weiter, dass er dem allen kritisch gegenüberstehe, denn jetzt schaut ganz Russland auf ihn und alle haben Angst, etwas Verkehrtes zu machen. Wenn sich die Aufmerksamkeit wieder gelegt hat, bleibt abzuwarten, wie die Vorgesetzten mit ihm arbeiten werden. Bisher jedenfalls gibt es keinerlei Drohungen.

Auf eine weitere Frage des Journalisten, wie zufrieden er mit seinem Leben unter Putin ist, kommentierte der Feuerwehrmann: „Zu 70 Prozent bin ich zufrieden. Als Präsident verehre ich ihn und es gibt keinen besseren Präsidenten als ihn. Aber mein Gehalt ist trotzdem niedrig.“

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Kommentare ( 3 )

  • Georg

    Veröffentlicht: 21. Juni 2019 14:06 pm

    Ein Berufsfeuerwehrmann in Deutschland arbeitet auch nur 2 Tage die Woche, natürlich jeweils 24 Stunden und bekommt ca. das Zehnfache.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 21. Juni 2019 14:17

      ... na toll für Deutschland und die deutschen Feuerwehrleute.

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 21. Juni 2019 19:41 pm

    @UEN
    Man darf nicht die Tage zählen, sondern die Arbeitsstunden. Der Kaliningrader Feuerwehrmann kommt ja - mit seinen Nebenjobs - auf eine Wochenarbeitszeit von 60-80 Stunden - mindestens. Das ist schlichtweg eine Frechheit. Wenn ich für den Arbeitgeber zur Verfügung stehe (ich spreche da nicht von Reaktionszeiten von 2 oder 4 Stunden - die habe ich auch manchmal mit erheblichen Zuschlägen und ich muss nur ans Handy gehen) dann ist das Arbeitszeit, auch wenn es grade nicht brennt. Der Mann regt sich völlig zu Recht auf. Sein Gehalt ist ein Witz.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 23. Juni 2019 05:34 pm

    Ich wäre dafür, die Arbeitszeiten von Berufsfeuerwehrleuten in Deutschland, in der RF wird es wohl nicht anders sein, vom hier geschilderten, also vom Kopf auf die Füße zu stellen.
    Wenn dieser Feuerwehrmann Dienst hat, dann gibt es drei Schichten. Einsatzbereitschft, Bereitschaft, Ruhezeit. Nicht jeden Tag muß die Feuerwehr ausrücken. Wenn ja, dann entsprechend der Reihenfolge der Einsatzzeiten. Es kann also vorkommen, daß der Feuerwehrmann morgens ausgeschlafen und gut gelaunt nach Hause kommt. Da er aber angeblich 24 Stunden "Dienst" hatte, hat er noch zwei Tage frei. Was macht er da?
    Vermutlich schwarz arbeiten, ohne daß der Arbeitgeber für ihn Sozialabgaben leistet. Naja, dann ist eben seine Rente sehr niedrig und der Feuerwehrrentner kann über seine niedrige Rente, die ja in der RF entschieden früher einsetzt als in der BRD, trefflich klagen. Oder er muß eben wegen seines Geizes an der falschen Stelle weiter arbeiten gehen.

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