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Projekt "Studenten als Personalreserve"

Sa, 30 Mär 2013 Projekt Angebot & Nachfrage


Projekt "Studenten als Personalreserve"

Studenten und Unternehmer – Zwei Begriffe, eine Problematik

 
Drei Mal in den letzten Jahren stand ein junger Student/-in vor mir mit der Bitte um Hilfe. Man hatte gehört, dass ich über ein paar Kontakte zu Kaliningrader Unternehmern verfüge und die sollte ich nutzen, um diesen jungen Leuten einen Praktikumsplatz für zwei Monate zu besorgen. Nichts leichter als das – dachte ich. In der Praxis sah das aber anders aus. Nur mit größter Mühe gelang es, diese Praktikumsplätze zu finden und in der Durchführung des Praktikums waren diese dann auch nicht sehr effektiv. Die Studenten waren auf keinen Fall klüger als vorher. Der einzige Trost war, dass sie „das Dokument“ bekommen hatten um ihre Studienunterlagen zu vervollständigen und zum Diplomexamen zugelassen zu werden.
 
In einem Gespräch mit einem mir bekannten Unternehmer, brachte dieser die Gründe für die destruktive Haltung vieler Firmen auf folgende Punkte:
  • Studenten sind im täglichen Arbeitsleben ein Störfaktor. Mitarbeiter müssen sich zusätzlich zu ihrer Arbeit noch mit diesen „Fremden“ beschäftigen und für die daraus resultierenden nötigen Überstunden fordern sie zusätzliches Geld.
  • Die Studenten erfahren während des Praktikums Firmeninterna und verarbeiten diese in ihren Diplomarbeiten. Dies ist für die Firmen, die oftmals mit „grauen/schwarzen Schemata“ ihre Geschäftstätigkeit organisieren, nicht vorteilhaft.
Nach Beendigung des Studiums finden die Studenten ebenfalls nur sehr schwer einen Arbeitsplatz. Viele machen dann das, was sie auch während des Studiums getan haben, um ihren Lebensunterhalt sicherzustellen: sie arbeiten als Kellner oder Taxifahrer.
 
Die Kaliningrader Statistiken sprechen davon, dass es ein Überangebot an Ökonomen und Juristen gibt und die Arbeitgeber aus der Vielzahl auswählen können und nicht auf Studenten oder Jungabsolventen angewiesen sind.
 
Allerdings liegen mir auch andere Informationen vor, Informationen die keinen statistischen Charakter tragen sondern aus Gesprächen mit Unternehmern stammen, die über Personalmangel klagen und nicht wissen, wie sie bestimmte Positionen besetzen sollen. So oft ich diesen Unternehmern dann einen konkreten Vorschlag für eine langfristige, stabile und finanziell vorteilhafte Lösung von Personalproblemen unterbreitete, so oft winkten diese ab. Mein Vorschlag verlangte die Investition von Zeit und ein wenig Mühe und würde in den ersten zwei Jahren keinerlei wesentliche Resultate bringen. Der russische Unternehmer will aber sofort Resultate.
 
Der Vorschlag ist denkbar einfach und stellt vermutlich für deutsche Unternehmer nichts Neues, Ungewöhnliches dar. Es geht um die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen in Kaliningrad und den Kaliningrader interessierten Unternehmern – aber auch ausländischen Unternehmern die in Kaliningrad aktiv sind.
 
Kaliningrader Unternehmer schließen mit Studenten Patenschaftsverträge ab – wünschenswert gleich im ersten Studienjahr. In diesen Verträgen werden die gegenseitigen Pflichten und Rechte geregelt. Diese könnten lauten:
 
Für den Unternehmer:
  • Verpflichtung dem Studenten eine monatliche finanzielle Unterstützung zu zahlen, die den Studenten von der Notwendigkeit enthebt, in den vorlesungs- und seminarfreien Zeiten irgendwo Geld zu verdienen. Der Student ist am nächsten Tag nicht übermüdet, kann sich voll dem Studium widmen und erreicht bessere Ergebnisse.
  • Verpflichtung dem Studenten in seiner vorlesungs- und seminarfreien Zeit, aber im Rahmen der normalen Arbeitszeit, die Möglichkeit zu geben, in der Firma anwesend zu sein und sich in allen Abteilungen mit der Arbeit vertraut zu machen.
  • Verpflichtung dem Studenten aktive Hilfe zu leisten bei der Erarbeitung von Kursarbeiten und anderen Studienunterlagen.
  • Verpflichtung dem Studenten einen Praktikumsplatz zur Verfügung zu stellen und ihm aktiv bei der Nachbereitung des Praktikums/Erarbeitung der Diplomarbeit zu helfen.
  • Verpflichtung dem Studenten nach Abschluss des Studiums einen Arbeitsplatz in der Firma zur Verfügung zu stellen.
Für den Studenten:
  • Der Student verpflichtet sich im ersten Studienjahr zu allen studienfreien Zeiten in der Firma anwesend zu sein und sich mit der Organisation der Firma vertraut zu machen.
  • Der Student verpflichtet sich, Im zweiten Studienjahr ein oder zwei Abteilungen innerhalb der Firma auszuwählen, in der er nun ständig in seiner studienfreien Zeit arbeiten wird, mit realen produktiven Ergebnissen.
  • Der Student verpflichtet sich zu konkret zu erreichenden Noten in den einzelnen Lehrdisziplinen.
  • Der Student verpflichtet sich, keine für die Firma schädlichen Firmeninterna zu veröffentlichen oder so in seinem Studium zu verwerten, dass es seiner Patenfirma zum Nachteil gereicht.
  • Der Student verpflichtet sich seine Arbeit in der Firma so auszurichten, dass er sofort nach Abschluss des Studiums in der Lage ist, den für ihn vorbereiteten Arbeitsplatz voll inhaltlich auszufüllen.
  • Der Student verpflichtet sich, mindestens drei Jahre diesen Arbeitsplatz nicht zu verlassen. Tut er dies dennoch, so ist er verpflichtet einen Teil der Sponsorengelder/Studienförderungsgelder dem Unternehmer zurückzuerstatten.
Da zwischen beiden Seiten ein Vertrag abgeschlossen wird, wird der Student somit zu einem Vertragspartner der Firma, zu einem Mitarbeiter und ist gesetzlich zur Loyalität verpflichtet. Zurzeit bestehende Befürchtungen von Unternehmern über den Abfluss von Firmeninterna sind, bei entsprechender Einweisung des Studenten, ausgeschlossen.
 
Zur Umsetzung der gegenseitig eingegangenen Verpflichtungen ist es vorteilhaft, wenn sich die Unternehmer zusammenschließen und einen (mehrere) „Lehrbeauftragten“ in diese „Patenschaftsförderung“ aufnehmen. Diese Beauftragten betreuen die Studenten und helfen bei der Umsetzung der gegenseitigen Verpflichtungen. Der Lehrbeauftragte kann auch Vorschläge für die zweckmäßige „Versetzung“ von Studenten in einen anderen Patenbetrieb unterbreiten, sofern dies im Interesse beider Seiten ist. Sollte aus irgendwelchen Gründen es nicht möglich sein, dass der Student nach Abschluss seines Studiums in dem Patenbetrieb eine Arbeit aufnehmen kann, hat hier auch der Lehrbeauftragte eine Weitervermittlungstätigkeit zu anderen Firmen die sich in diesem Patenschaftssystem organisiert haben.
Die Vorteile für beide Seiten liegen auf der Hand.
 
Unternehmer
  • Ständige Personalreserve aus jungen, aber schon eingearbeiteten Studenten
  • Kostengünstige Personalrotation
  • Keine Zahlung von Vermittlungskosten an Arbeitsagenturen,
  • keine Probezeiten für neue Mitarbeiter,
  • keine Gehaltsinvestitionen in unbekannte neue Arbeitnehmer, die nach Probezeit vielleicht wieder entlassen werden
  • Keine doppelten Zeitverluste bei Entlassung ungeeigneter neuer Mitarbeiter
  • Keine Zeitinvestitionen bei Einarbeitung neuer Mitarbeiter
  • Problemloser Austausch ungeeigneter Studenten, ohne mit der Arbeitsgesetzgebung in Konflikt zu geraten
Studenten
  • Volle Konzentration auf das Studium
  • Keine Zeitverluste für die Suche nach Praktikumsplätzen
  • Praktische Wissensaneignung und Nutzung im Studium
  • Regelmäßige Einkünfte für den Lebensunterhalt während des Studiums
  • Freiwillige Arbeit in einer vom Studenten selbst gewünschten Sphäre
  • Sofortiger Arbeitsplatz nach Beendigung des Studiums

 

In der zweiten Ausbaustufe unseres Internetportals (bis Ende Mai 2013) wird ein Menüpunkt "Partner" ergänzt. In diesem Menüpunkt geben wir Studenten die Möglichkeit sich persönlich vorzustellen und einen Beitrag (in deutscher Übersetzung) zu schreiben, der den Interessen des Studenten entspricht. Unsere Hoffnung geht dahin, das deutsche Investoren und Geschäftsleute aus der Zahl der Studenten einen interessanten Kandidaten(In) für eine Zusammenarbeit gewinnen und diesen jungen, talentierten Leuten eine Zukunft geben, die sowohl für den Studenten/Absolventen, wie auch für den Unternehmer von Interesse ist.

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Bildung, Investitionen, Soziales, Wirtschaft

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