Corona-Virus-Situation in den Regionen der Russischen Föderation Stand 01. April 2020

Corona-Virus-Situation in den Regionen der Russischen Föderation Stand 01. April 2020

 

„Kaliningrad-Domizil“ analysiert Meldungen russischer Medien und staatlicher Behörden zur Corona-Lage in Russland zur allgemeinen Information, insbesondere für deutsche Bürger die sich in Russland aufhalten.

 

 

Aufmerksame Leser russischer Medien werden bei einem Vergleich föderaler Statistiken mit regionalen Meldungen Unterschiede in den Zahlen feststellen, insbesondere was die Zahlen zu den Neuinfizierten und zu den Todesfällen anbelangt. Dies hängt damit zusammen, dass ein Abstrich in Russland dreimal untersucht wird: Zwei Untersuchungen in Regionallaboren, eine weitere Untersuchung im Zentrallabor. Die Regionen veröffentlichen somit die „höchstwahrscheinlichen“ Zahlen und die föderalen Stellen zwei, drei Tage später die endgültigen, bestätigten Zahlen.   Somit kommt es zu unterschiedlichen Zahlenangaben.

„Kaliningrad-Domizil“ nutzt föderale zentrale staatliche Informationsquellen für die Erstellung der Statistik. In unseren Kommentaren finden Sie jedoch Hinweise auf Regionalereignisse, die zentral noch nicht erfasst sind.

Die Corona-Virus-Infektion hat 75 von 85 russischen Regionen erfasst. Schwerpunkt ist die Stadt Moskau und das Moskauer Gebiet.

 

 

536.669 Infektionsteste wurden bisher in Russland durchgeführt.

 

 

2.777 Infektionsfälle sind in Russland registriert.

24 Personen sind in Russland an der Infektion verstorben.

190 Infizierte konnten bisher als geheilt aus den Krankenhäusern entlassen werden.

 

 

12 Infektionsfälle sind im Gebiet Kaliningrad registriert.

Es gibt keine Sterbefälle im Kaliningrader Gebiet.

Fünf Infizierte konnten bisher geheilt aus den Krankenhäusern entlassen werden.

 

 

Gouverneur Anton Alichanow geht nicht von den Zahlen aus, die offiziell gemeldet werden. Er gibt sich pessimistischer und meint, dass 75 Patienten sich gegenwärtig in der Isolierstation der Krankenhäuser befinden und darunter sind ganz bestimmt Personen, die auch wirklich infiziert sind. 51 Personen von den genannten 75 sind aus dem Ausland nach Russland zurückgekehrt.

Die Weltgesundheitsorganisation hat sich zu Russland optimistisch geäußert. Russland habe rechtzeitig notwendige Maßnahmen eingeleitet und habe gute Chancen, diese Krise besser zu überleben, als viele westliche Staaten.

Anton Alichanow kommentierte gegenüber Journalisten, dass die nächsten zwei, drei Tage zeigen werden, ob die gegenwärtigen Maßnahmen der Selbstisolierung verlängert werden müssen. Man warte auf Entscheidungen der Zentralregierung. Aber es ist wohl schon jetzt abzusehen, dass die totale Selbstisolierung mindestens noch um eine weitere Woche, wenn nicht gar bis Monatsende, verlängert wird.

Seit Dienstag gilt in Kaliningrad die totale Selbstisolierung. Ich hatte Ihnen bereits am gestrigen Tag einige Beispiele der Umsetzung der Isolierung unter Nutzung der Kameras des Stadtsicherheitssystems gezeigt und kommentiert, dass es wohl noch Reserven gibt bei der Umsetzung. Reporter des Informationsportals „kaliningrad.ru“ waren gestern auch unterwegs und haben ihre fotografischen Eindrücke jetzt veröffentlicht.

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In ganz Russland wurde ein Service gestartet, welcher die Umsetzung der totalen Isolierung mit Punkten bewertet. Maximal erreichbare Punktzahl ist „5“. Kaliningrad wurde am Mittwochmorgen mit 4,1 bewertet, gehört also zu den disziplinierten Regionen. Sieht man allerdings die Bewegung auf den Kaliningrader Straßen, so hat man eine ungefähre Vorstellung von der Disziplin in anderen russischen Städten. Leider verstehen wohl immer noch nicht alle Bürger, dass der nächste Schritt vermutlich die offizielle Verhängung des Ausnahmezustandes mit Ausgangssperre ist.

Videoeinspielung System Stadtsicherheit

Fotoeinstellung Rating Disziplin

Die Geschäftsführung des Kaliningrader Zentralmarktes und des Marktes „Selma“ werden ab 2. April damit beginnen, Lebensmittelpakete für bedürftige Bürger auf Kosten der Marktverwaltungen zu verteilen. Die Lieferung erfolgt bis an die Haustür. Nutznießer werden alleinlebende Rentner und mobilitätseingeschränkte Bürger sein. Damit schließt sich die Marktführung der Initiative der Kaliningrader Stadtverwaltung an.

Kaliningrader Taxifahrer haben keine Kunden mehr. Stundenlang stehe man an der Straße und warte auf irgendeinen Kunden, der wenigstens ein paar Meter fahren wolle. Es gibt auch keine Aufträge, um aus Restaurants oder Geschäften Lebensmittel oder Essen abzuholen.

In Kaliningrad haben die Wohnungsverwaltungsgesellschaften damit begonnen, die Treppenhäuser und Fahrstühle zu desinfizieren. Empfohlen wird auch den Bürgern in ihren Wohnungen diese Desinfektion fortzusetzen.

Die Kaliningrader Stadtreinigung hat die Arbeitszeit für die Straßenreinigung geändert. Diese darf jetzt nur noch von 4-7 Uhr morgens arbeiten.

Im Kaliningrader Gebietshaushalt hat man rund 100 Mio. Rubel gefunden, die der Gouverneur gerne für die Erhöhung der Arbeitslosenhilfe verwenden möchte. Bis zu 6.000 Rubel mehr, könnten die Betroffenen zusätzlich zu der bisherigen Arbeitslosenhilfe erhalten.

In Kaliningrad sind acht neue Lungenmaschinen und fast eine Million Gesichtsmasken eingetroffen. Das hilft ein wenig weiter, wobei auch die Privatinitiative immer mehr Raum greift. Frauen, die gut mit der Nähmaschine umgehen können, haben in ihrer „HomeFabrik“ begonnen, Masken für die Mehrfachnutzung zu nähen. Diese können gewaschen werden und können mit einem neuen Stoff- oder Zellstofffilter beliebig oft verwendet werden. Und es werden sogar Farbvarianten angeboten – für Männer und Frauen. Vielleicht habe ich die Möglichkeit, Ihnen morgen Varianten zu zeigen – eine Bestellung habe ich zumindest ausgelöst.

Die Kaliningrader Fahrzeugholding „Avtotor“ positioniert sich immer mehr als sozial verantwortungsbewusstes Unternehmen. Nachdem das Unternehmen vor einigen Tagen der Gebietsregierung 30 Mio. Rubel für operative Ausgaben und Hilfen zur Verfügung gestellt hat, hat das Unternehmen nun auch die Kompensationszahlungen für Mitarbeiter des Meeresmuseums übernommen und finanziert die vollständige Desinfektion der Museumsräume.

Im Rahmen der Selbstisolierung und der Abstandswahrung kam es, mal so nebenbei informiert, im Kaliningrader Zoo zu tätlichen Auseinandersetzungen. Augenzeugen haben diesen Zwischenfall gefilmt.

Videoeinspielung

Russland erarbeitet gegenwärtig elektronische Möglichkeiten für die Registrierung von Geburten- und Sterbefällen.

Der russische und der amerikanische Präsident haben sich zur Corona-Virus-Situation ausgetauscht und vereinbart, dass Russland den USA humanitäre Hilfe erweist und medizinische Ausrüstungsgüter, die dringend in den USA benötigt werden, übergibt. Noch in der Nacht zum 1. April startete das Flugzeug. Durch beide Länder wurde diese Vereinbarung offiziell bestätigt. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten kommentierte, dass man während der Gespräche beider Präsidenten den Eindruck gewonnen habe, dass es Personen in den USA gibt, die diese Hilfe verhindern wollten.

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Weißrussland hat Russland um humanitäre medizinische Hilfe gebeten. Es wurde bekannt, dass alle GUS-Staaten, mit Ausnahme der Ukraine und Turkmenien, sich ebenfalls an Russland mit der Bitte um humanitäre Hilfe gewandt haben.

Russland setzt seine humanitäre Hilfe für Italien fort. Russische Spezialisten haben gemeinsam mit italienischen Soldaten die Desinfizierung von drei Altenheimen abgeschlossen. Fortgesetzt wird die Desinfizierung von Straßen in den besonders stark betroffenen Städten. Gegenwärtig werden drei weitere Gesundheitseinrichtungen für die Desinfektion vorbereitet. Insgesamt wurden durch die russischen Spezialisten bisher 14 italienische Gesundheitseinrichtungen mit 45.000 Quadratmetern Fläche spezialbehandelt.

Videoeinspielung

Ab 3. April erhalten alle russischen Bürger die aus dem Ausland zurückgekehrt sind und sich in Selbstisolierung befinden müssen per SMS einen Warnhinweis, wenn sie sich außerhalb der Zonen aufhalten, die für sie vorgesehen sind. Die notwendigen technischen Voraussetzungen werden gegenwärtig geschaffen. Die SMS kann man nur vermeiden, wenn man sein Mobiltelefon zu Hause lässt. Alle koordinierenden Maßnahmen, die notwendig sind, wenn die Person den festgelegten Sicherheitsbereich verletzt, werden mit den Rechtspflege-, medizinischen und anderen Aufsichts- und Kontrollorganen koordiniert.

Der russische Sicherheitsdienst FSB denkt darüber nach, rund 70 Prozent seiner Mitarbeiter in Urlaub zu schicken. Den russischen Medien ist zu entnehmen, dass den Mitarbeitern die entsprechenden Tage auf den ganz normalen, ihnen zustehenden Jahresurlaub, angerechnet werden.

Ab dem 1. April beginnt die Frühjahrseinberufung zur russischen Armee. Wie das Verteidigungsministerium mitteilt, werden real die Einberufungen jedoch erst im Mai beginnen – in Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung der Situation. Alle Neueinberufungen, die in den Truppenteilen eintreffen, werden isoliert und müssen eine zweiwöchige Quarantäne durchlaufen – sicherlich nicht die schlechteste Variante, Dienstzeit zu verbringen.

Ab Heute erhalten die russischen Rentner 6,1 Prozent mehr Rente. Und für diejenigen, die sich die Rente nicht auf das Konto überweisen lassen, kommt der Geldbriefträger ins Haus und zahlt die Rente aus. Gleichzeitig hilft dieser Postbote Bedürftigen bei der Überweisung von Geld für die kommunalen Dienstleistungen.

Für diejenigen, die sich mit PC und Internet besser auskennen, bietet die Post neue elektronische Dienstleistungen an – von der Abholung und Auslieferung von Paketen und Postsendungen, bis hin zu elektronischen Einschreibebriefen, Zeitungsbestellungen, Anmietung von Postfächern und vielem anderen mehr. Damit nutzt die Post Russlands die gegenwärtige Situation, um endlich von ihrem arg ramponierten Image wegzukommen. Steht allerdings die Frage, woher die Post Russlands meine email-Adresse hat, denn die habe ich ihr niemals übermittelt.

Einspielung Videoscreen Post Russland

Und in Russland scheint, trotz des bisherigen ruhigen Verlaufes der Corona-Krise, das Stühle rücken begonnen zu haben. Am heutigen Mittwoch bat einer der Stellvertreter des Gesundheitsministers um seine Entlassung. Dem entsprach Premier Mischustin sofort. Und der regionale Gesundheitsminister von Omsk hat um seine Entlassung gebeten. Der Gouverneur hatte es ihm wohl nahegelegt, nachdem am Vortag sich die Anzahl der Infizierten von vier auf acht verdoppelt hatte und dem Minister vorgeworfen wurde, zu wenig getan zu haben. Anschließend ordnete der Gouverneur auch für seine Region die totale Isolierung an.

Die Staatsduma hat heute ein Gesetz beschlossen, dass besonders Betroffene eine Kreditpause bis September erhalten. Es geht um Privatpersonen und Unternehmer aller Kategorien, deren Einkommen um mindestens 30 Prozent rückläufig ist.

In Russland ist der Verkauf von Alkohol gesetzlich eingeschränkt. In der Regel wird Alkohol von 10.00 bis 21.00 Uhr verkauft. Nun haben vier Regionen begonnen, diesen Zeitraum weiter einzuschränken. Hier endet der Verkauf schon um 15 Uhr. Es ist wohl davon auszugehen, dass andere Regionen diesem Beispiel bald folgen werden.

Drei Tabakfabriken in Russland, zugehörig zu BAT, Philipp Morris und Japan Tobacco, haben zeitweilig ihre Produktion eingestellt.

Journalisten der Komsomolskaja Prawda haben beobachtet, wie Bewohner aus Sotchi mit Sack und Pack die Stadt verlassen und Zeltlager in der umliegenden wunderschönen Natur aufbauen. Sie gehen wohl davon aus, dass an der frischen Luft, entfernt von der Zivilisation, das Virus weniger wahrscheinlich ist.

Und zum Schluss meines heutigen Informationsmarathons noch eine Information, für die Sie sich lieber rechtzeitig Taschentücher bereitlegen sollten, wenn Sie zart besaitet sind. Die zehn reichsten Milliardäre Russlands haben im ersten Quartal fast 63 Milliarden USD verloren, davon alleine 33 Milliarden im März. Somit besitzt der reichste Russe, der Herr Potanin, nur noch 24 Milliarden USD und der ärmste russische Milliardär, der Herr Friedmann, nur noch 11 Milliarden USD. Bei derartig verarmten Milliardären können einem wirklich die Tränen kommen.

Tschüss und Poka aus Kaliningrad

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