Corona-Virus-Situation in den Regionen der Russischen Föderation Stand 03. April 2020

Corona-Virus-Situation in den Regionen der Russischen Föderation Stand 03. April 2020

 

„Kaliningrad-Domizil“ analysiert Meldungen russischer föderaler und regionaler Medien sowie staatlicher Behörden zur Corona-Virus-Lage in Russland zur allgemeinen Information, insbesondere für deutsche Bürger die sich in Russland aufhalten.

 

 

Aufmerksame Leser russischer Medien werden bei einem Vergleich föderaler Statistiken mit regionalen Meldungen Unterschiede in den Zahlen feststellen, insbesondere was die Zahlen zu den Neuinfizierten und den Todesfällen anbelangt. Dies hängt damit zusammen, dass ein Abstrich in Russland dreimal untersucht wird: Zwei Untersuchungen in Regionallaboren, eine weitere Untersuchung im Zentrallabor. Die Regionen veröffentlichen somit die „höchstwahrscheinlichen“ Zahlen und die föderalen Stellen zwei, drei Tage später die endgültigen, bestätigten Zahlen.   Somit kommt es zu unterschiedlichen Zahlenangaben.

„Kaliningrad-Domizil“ nutzt föderale zentrale staatliche Informationsquellen für die Erstellung der Statistik. In unseren Kommentaren finden Sie jedoch Hinweise auf Regionalereignisse, die zentral noch nicht erfasst sind.

Die Corona-Virus-Infektion hat 78 von 85 russischen Regionen erfasst. Schwerpunkt ist die Stadt Moskau und das Moskauer Gebiet.

 

 

Mehr als 575.000 Infektionsteste wurden bisher in Russland durchgeführt.

 

 

4.149 Infektionsfälle sind in Russland registriert.

34 Personen sind an der Infektion verstorben.

281 Infizierte konnten bisher als geheilt aus den Krankenhäusern entlassen werden.

 

 

19 Infektionsfälle sind im Gebiet Kaliningrad registriert.

Es gibt keine Sterbefälle im Kaliningrader Gebiet.

Fünf Infizierte konnten bisher geheilt aus den Krankenhäusern entlassen werden.

 

 

Der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow kommentierte, dass die Kaliningrader Labore bereits bei 40 weiteren Personen die Infektion festgestellt haben. Man warte jetzt auf die endgültige Bewertung aus dem Zentrallabor.

 

Weitere Informationen aus dem föderalen Russland

Russland stellt sämtliche Flugverbindungen ins Ausland ab Mitternacht zum 4. April ein. Es wird keinerlei Flüge mehr aus dem Land und in das Land geben. Vermutlich werden damit 30.000 russische Bürger im Ausland verbleiben.

Der russische Gesundheitsminister bezeichnet den Verlauf der Virusinfektion in Russland als zufriedenstellend. Die bisher eingeleiteten Maßnahmen zeigen Wirkung sowohl zur Anzahl der Erkrankungen wie auch zur Schwere der Infektion.

Russland hat ein neues Virus-Testsystem eingeführt. Dies ist in der Lage mindestens 10 Virenarten gleichzeitig zu erkennen. Ab sofort werden bis zu 400 Komplekte täglich produziert. Jedes Komplekt kann bis zu 96 Teste durchführen. Im weiteren ist die Produktionserweiterung auf bis zu Tausend Komplekte am Tag geplant.

Der russische Premierminister Mischustin hat angewiesen, für medizinische Ausrüstungen und Medikamente, die ab dem 16. März nach Russland eingeführt worden sind, keine Mehrwertsteuer zu erheben. Dies betrifft allerdings nur diejenigen Unternehmer, die gleichzeitig den medizinischen Einrichtungen kostenlose humanitäre Hilfe erweisen, in den infizierte Patienten behandelt werden.

Die russische Verbraucherschutzbehörde empfiehlt, möglichst wenig Kontakt mit Bargeld zu haben, da auch die Geldscheine und Münzen Infektionsübermittler sein können.

Der russische Präsident hat das Verteidigungsministerium angewiesen, Pläne für den Einsatz von Wehrpflichtigen in den Einheiten und Einrichtungen zu erarbeiten, die sich mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben beschäftigen. Diese Weisung gab der Präsident im Hinblick auf die jetzige Corona-Virus-Situation.

Die Stadt Moskau hat weitere einschränkende Maßnahmen beschlossen. In den Fahrzeugen, die die Genehmigung zum fahren erhalten haben, darf sich nur noch eine Person aufhalten. Eine zweite Person ist nur dann gestattet, wenn beide Personen auch gemeinsam in der Selbstisolierung sind. Weiterhin sind Ansammlungen von drei Personen bereits ein Verstoß gegen die Isolierungsanordnung und wird mit hohen Strafen geahndet.

In Russland ist die erste empfindliche Geldstrafe für Verletzung des Regimes der Selbstisolierung ausgesprochen worden. Ein Einwohner der Stadt Ufa wollte in den Nachtstunden für sein Auto einen neuen Stellplatz suchen und wurde dabei von der Polizei gestellt. Er musste eine Strafe von 15.000 Rubel zahlen.

Ramsan Kadyrow, Leiter der Republik Tschetschenien hat ein nächtliches Ausgangsverbot für seinen Verantwortungsbereich angewiesen. Somit ist Tschetschenien das erste Subjekt der Russischen Föderation, das zum System des Ausnahmezustandes übergeht, um undiszipliniertes Verhalten seiner Bürger, zur Einschränkung der Folgen der Corona-Krise, mit staatlichen Machtmitteln zu verhindern.  

In Russland hat der illegale Handel mit Sondergenehmigungen für das Verlassen der Wohnung begonnen. In Tatarstan wurden erste Fälscher verhaftet. Für ein Einmal-Sonderausweis forderten die Fälscher 2.000 Rubel.

Mitarbeiter von Fitnessclubs, die jetzt arbeitslos geworden sind, sollen auf Baustellen gehen und mit ihren gestählten und trainierten Körpern die dort arbeitenden Migranten ablösen – so der Vorschlag einer Ratingagentur. Wie man allerdings mit den Migranten verfahren soll, die dann weder Arbeit noch Einkommen haben, nicht aus Russland aus- und nicht in ihr Heimatland einreisen können, wurde durch die Ratingagentur nicht mitgeteilt.

Am 2. April fand ein Telefongespräch des russischen Präsidenten Putin mit seinem serbischen Amtskollegen statt. Serbien hat Russland um humanitäre Hilfe gebeten. Noch in der Nacht zum dritten April startete das erste von insgesamt 11 militärischen Großtransportern mit Hilfe für Serbien. Die Hilfe besteht aus medizinischen Ausrüstungsgütern sowie Ärzten und anderem medizinischen Personal.

 

Informationen aus dem Kaliningrader Gebiet

Der Kaliningrader Gouverneur hat verfügt, dass das Regime der strengen Selbstisolierung für eine weitere Woche beibehalten wird. Die Bedingungen bleiben im wesentlichen unverändert.

Erleichterungen wird es für große Kfz.-Werkstätten geben, denen gestattet wird, die Fahrzeuge instand zu setzen, die im operativen System, im System der Sicherheit, dem medizinischen System und dem Versorgungssystem für die Bürger arbeiten.

Kaliningrad wird vorerst nicht dem Beispiel anderer Regionen folgen, die ein Verbot des Alkoholverkaufs oder eine starke Einschränkung der Verkaufszeiten angeordnet haben.

Der Bürgermeister des Ostseestädtchen Jantarny hat verfügt, dass nur noch Bürger mit einem Sonderausweis Zugang zur Stadt erhalten. Vorerst soll die Zutrittsbegrenzung nur für das kommende Wochenende gelten. Mit ähnlichen Gedanken hatte sich gestern bereits der Bürgermeister von Baltisk zu Wort gemeldet.

Der Kaliningrader Einzelhandel meldet die ersten Defizite im Warenangebot. Es handelt sich um Zitronen und Ingwer. Wie Einzelhändler mitteilten, kam es zu diesem Defizit, weil einige Kunden kistenweise die Ware aufkauften, da die Information verbreitet wurde, dass Zitronen und Ingwer die Immunität stärken. Der Einzelhandel erwartet neue Lieferungen in Kürze.

Die kommunalen Dienstleistungsbetriebe planen, für verspätete Zahlungen keine Verzugszinsen zu fordern. Man berücksichtige die eingeschränkten Möglichkeiten der Kunden Bankautomaten, Post und ähnliche Einrichtungen aufzusuchen.

Mit Stichtag 31. März haben 44 Prozent aller Einzelhändler ihre Tätigkeit eingestellt. 80 Prozent aller Gaststätteneinrichtungen, Verkaufseinrichtung für Bekleidung und ungefähr die Hälfte aller Kioske für Tabak und ein Drittel aller Märkte haben geschlossen. Geschlossen wurden 20 % aller Bäckereien, 12 % aller Bier-Shops und zwei Prozent aller Läden für den Verkauf von Alkohol. Es wird ein rapider Umsatzrückgang beobachtet, sogar bei den Geschäften, die keinerlei Einschränkungen unterliegen.

Ein Vertreter des Kaliningrader Gaststättengewerbes kommentierte, dass, wenn die einschränkenden Maßnahmen auch nach dem 30. April fortgesetzt werden, ein Drittel aller Gaststätten und ähnlichen Formate endgültig schließen werden.

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