Doppeltes Trinkgeld in russischen Restaurants zukünftig unmöglich

Doppeltes Trinkgeld in russischen Restaurants zukünftig unmöglich
 
In vielen russischen Restaurants bezahlte der zufriedene Kunde in der Vergangenheit zweimal Trinkgeld, obwohl er nur einmal zufrieden war. Damit soll nun Schluss sein.
 
 
Wenn man mit Speis und Trank und dem Kellner oder der netten weiblichen Bedienung zufrieden war, dann gibt es Trinkgeld. Die Faustregel sagt zehn Prozent der Rechnungssumme. In vielen Ländern dieser Welt wird dies so gehandhabt. Auch in Russland ist dies nicht anders.
 
Aber nicht alle Gäste geben Trinkgeld. Das Gehalt der russischen KellnerInnen besteht aber zum größten Teil nicht aus dem arbeitsvertraglich vereinbarten Lohn, sondern aus dem Trinkgeld. Häufig handelt es sich bei dem Servicepersonal auch nicht um Festangestellte, sondern z.B. um Studenten. Hier macht es für das Restaurant keinen Sinn, in gut ausgeklügelte, faire Gehaltssysteme für die Mitarbeiter zu investieren, um diese mit ihren Erfahrungen an sich zu binden.
 
So kam man vor vielen Jahren auf den Gedanken, das Trinkgeld einfach in den Rechnungsbetrag auf dem Kassenbon automatisch mit einzuschließen. Der Vielfalt für die Bezeichnung wurden keine Grenzen gesetzt.
 
Pech hatte der, der den Kassenscheck nicht aufmerksam gelesen hat – und wer liest diesen schon und somit nicht bemerkt hat, dass ein Trinkgeld dort bereits aufgeführt und im Rechnungsbetrag eingeschlossen war – egal ob er denn zufrieden war oder nicht.
 
Pech hatte natürlich auch der Tourist, der häufig der russischen Sprache nicht mächtig war. So bezahlte man häufig das Pflichttrinkgeld und dann nochmal das freiwillige Trinkgeld.
 
Videobegleitung: Sowjetischer Kinoklassiker „Priwalowskije Millionen“
 
Damit ist nun Schluss. Die fetten Trinkgeldjahre in Russland gehen ihrem Ende entgegen. Neue gesetzliche Regelungen legen fest, dass der automatische Einschluss von Trinkgeld in den Rechnungsbetrag, egal wie dieses genannt wird, aber auch die zusätzliche Berechnung von irgendwelchen anderen Dingen, die der Gast nicht ausdrücklich bestellt hat, also Servietten oder Salz und Pfeffer oder Blumen auf den Gasttischen, ab 2021 verboten ist.
 
Darüber informierte die russische Verbraucherschutzbehörde am heutigen Donnerstag. Man will damit der geschickten Täuschung von Verbrauchern zu den tatsächlichen Kosten einer Bestellung im Restaurant zukünftig einen Riegel vorschieben.
 
Weiterhin bleibt dem Restaurant vorbehalten, auch zusätzliche Dienstleistungen den Gästen vorzuschlagen. Allerdings müssen diese extra, unter Nennung des konkret zu zahlenden Preises, angezeigt werden.
 
Bleibt somit zu hoffen, dass diese Regelungen nicht derart ausarten, dass ein Gast zukünftig sein Essen selber aus der Küche abholen und das Geschirr anschließend auch abwaschen muss, um dem Zusatz-Service-Angebot des Restaurants zu entgehen.
 
Videoeinspielung: Sowjetsicher Kinoklassiker
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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 2. Oktober 2020 00:13 pm

    Ach, so schlimm wird es schon nicht werden. Da werden wohl andere Überlegungen eine Rolle spielen.
    Man bestelle ein Mittagessen, Vorsuppe, Kompott und ein Bier.
    Zu dem Essen gibt es ein kleines Stück Schweinefleisch, wer mehr Fleisch und wohl auch noch Soße will, muß einen anderen Tarif wählen. Statt des normalen geschnittenen Fleisches in minimaler Ausführung wird ein eigentlich normal großes Stück Fleisch und zusätzlichem Besteckgeld und einer Papierserviette das entfallene Bediengeld wieder einspielen. Das sogenannte bereits mit der Abrechnung geforderte "Trinkgeld" hat doch die Aushilfsbedienung sowieso nie gesehen.
    Will man den Sekt aus einem normalen Kelch trinken oder aus einer Industrie-Bleiglasschale, dann kostet das eben auch noch mal xx Rubelchen. Erst wenn die Preiskontrolle mit Kamerateam anrückt und das Ganze zum Skandal erklärt, dann, ja dann und nur dann könnte es sein, daß einige nicht ganz so dickfällige Kneiper sich auf die neuen Regeln einlassen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 2. Oktober 2020 05:28

      ... naja, Fakt ist, dass natürlich niemand im Gaststättengewerbe auf Geld verzichten wird. Bis Januar hat man noch ein wenig Zeit, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Am einfachsten wäre es allerdings, einfach nur vernünftig zu kalkulieren und alle Kosten sichtbar in den Endpreis auf der Speisekarte einfließen zu lassen.

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