Gespräche in der Sauna zum Schicksal des schwindenden russischen Volkes

Gespräche in der Sauna zum Schicksal des schwindenden russischen Volkes

 

Jeden Morgen pünktlich um sechs Uhr gehe ich in die Sauna. Das macht nicht nur fit für den beginnenden Alltag, sondern man erfährt dort auch alles, was am Vortag und in der Nacht in Russland und in der Welt passiert ist. Die Sauna in Russland ersetzt defacto das Internet.

 

 

Sexualthemen in unserer Sauna sind recht selten. Es ist ja eine gemischte Sauna und so hält man sich mit glitschigen Themen zurück. Nun wurde aber die demographische Entwicklung in Russland und das langsam aussterbende russische Volk zum Thema.

Man erinnerte sich an die vielen dramatischen Meldungen des auslaufenden Jahres über die negative Entwicklung. Nicht nur, dass die Bevölkerungszahl stagniert. Sie droht auch sich rückläufig zu entwickeln, dramatisch rückläufig, wie das russische Statistikamt berechnet hat.

Einer aus unserer Saunarunde informierte uns, dass er sich nun diesem Problem stellen wolle.

Das irritierte die anderen Anwesenden, denn der Mann war doch schon in einem fortgeschrittenen Alter und alleinstehend – wie wir alle wussten.

Aber er informierte, dass seine kleine Datsche am Stadtrand von Kaliningrad für die Teilnahme an der Lösung des demographischen Problems die ideale Voraussetzung ist.

Den anwesenden Frauen wurde wohl noch heißer und bei den Männern merkte man, wie die Neugier, vielleicht sogar die Erregung stieg.

Und unsere Runde erfuhr, dass der Mann auf seinem Datschengrundstück eine Weinberg-Schneckenzucht einrichten will. Damit schlägt er mehrere Fliegen mit einer Klappe. Zum einen wird er Nutznießer von landwirtschaftlichen Subventionen, denn die Schneckenzucht zählt ab sofort zur Landwirtschaft und wird vom Staat gefördert.

Andererseits erfülle er die Forderung des russischen Präsidenten an alle männlichen Bewohner des Landes, mehr Schnecken zu essen. „Hört ihr, Männer dieses Landes! Esst mehr Schnecken und wir lösen unser demographisches Problem“, hatte Putin vor ein paar Tagen ausgerufen, nachdem der Teilnehmer an einer landwirtschaftlichen Gesprächsrunde mit dem Präsidenten informiert hatte, wie Schnecken auf die Potenz der Männer wirken.

Ein männlicher Teilnehmer unserer Saunarunde, ein gutgestellter Unternehmer, dämpfte allerdings die schon einsetzenden Erwartungen der Anwesenden, denn er meinte, dass er erst gestern zehn Schnecken in einem gutgeführten Kaliningrader Restaurant gegessen habe und nur die Hälfte hätte gewirkt.

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