Immobilienbetrug in Russland nimmt an Intensität zu

Immobilienbetrug in Russland nimmt an Intensität zu
 
Betrüger kennen weder Urlaub noch Zwangs- geschweige denn freiwillige Selbstisolierung im Rahmen der Corona-Krise. Dies betrifft alle Bereiche der kriminellen Aktivität. So auch im Immobilienbereich, wo die zuständigen Organe ein starkes Ansteigen von Betrug registrieren.
 
 
Die Analysten aus dem russischen Innenministerium haben ein rasantes Ansteigen der Betrugsfälle im Immobilienbereich im ersten Halbjahr 2020 festgestellt. Insbesondere davon betroffen ist der sogenannte Zweitmarkt, d.h. der Markt für den An- und Verkauf von gebrauchten Immobilien.
 
 
56 Prozent mehr Betrugsfälle gab es im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019. Kommentiert wird, dass nicht nur die absolute Zahl der Betrugsfälle wächst, sondern auch die Summen selber, um die betrogen wird.
 
Hauptschuldige am Ansteigen der Immobilienkriminalität sind Firmen, die Komplettdienstleistungen im Immobilienbereich anbieten. Die Mitarbeiter dieser Firmen bieten ihre Dienstleistungen zu einem niedrigen Preis an und locken damit Interessenten. Wer sich nicht von der Solidität der Firmen überzeugt, verliert in der Regel alles: Geld und Wohnung.
 
 
Leider sind auch nicht selten Beamte in diesem kriminellen Bereich tätig, die ihre Position ausnutzen, um sich persönlich zu bereichern. Zehn Prozent aller Betrugsfälle im Immobilienbereich werden durch Staatsdiener durchgeführt.
 
Im September wurde ein Fall bekannt, wo eine 53jährige Frau aus Jakutien, über viele Jahre mit nicht existenten Immobilien und Grundstücken einen lebhaften Handel betrieb. Interessierten Käufern gaukelte sie beste Beziehungen zu staatlichen Entscheidungsträgern vor, die bereit sind, Immobilien günstig abzugeben. In Wirklichkeit fand nicht eine einzige Transaktion statt. 89 Personen wurden um Geld und Eigentum gebracht.
 
Insbesondere Ausländer, die weder die russische Sprache beherrschen, noch sich in der Gesetzgebung auskennen, sollten übervorsichtig sein und mit kühlem Kopf in den perspektivreichen russischen Immobilienmarkt investieren. Wer nicht selber vor Ort lebt, braucht eine Vertrauensperson mit Vollmacht. Eine Vertrauensperson selber findet man aber nicht über Nacht. Hierzu bedarf es vieler Monate.
 
 
Weiterhin sollten Ausländer die Bankverbindungen aus dem Ausland nach Russland rechtzeitig klären, denn nicht alle Banken haben anscheinend die Möglichkeit oder den Willen, Geld nach Russland zu überweisen.
 
Wer sich in Russland eine Immobilie zulegt sollte weiterhin wissen, dass auch durch Ausländer Immobiliensteuern zu zahlen sind. Wer die Wohnung vermietet, hat 30 Prozent Einkommenssteuer zu zahlen – es sei denn, man findet Möglichkeiten der gesetzlichen Steueroptimierung.
 
Ausländer, die russische Gesetze verletzen, können schnell mit einem jahrelangen Einreiseverbot belegt werden, bis hin zur Beschlagnahme ihres Eigentums, um aufgelaufene Schulden zu begleichen. Unkenntnis der Gesetze schützt nicht vor Strafe.
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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 20. Oktober 2020 02:23 pm

    Dieses Immobilienproblem besteht aber nun schon viele Jahre. Vermutlich hat sich wohl aber die Art der Abzocke auf ein anderes Gebiet verlagert. Laut russischen Nachrichten bereits, vor vielen Jahren kauften doch die Wohnungsinteressenten "ihre" Wohnung vom Reissbrett - und - waren sehr oft ihr ganzes Geld los. Deswegen stehen ja noch so viele halb errichtete Rohbauhäuser in den Ballungsgebieten. Man könnte sie auch Betrugsruinen nennen. Da gab es meines Wissens vor wenigen Jahren ein großes Donnerwetter aus dem Kreml und die Gouverneure, Banken und Baubetriebe bekamen den Hut übergestülpt, diese Häuser schnellstens und in ordentlicher Qualität fertig zu bauen, so daß die Eigentümer der Wohnimmobilie einziehen können.
    Das Wohnungsproblem in Russland scheint das zentrale Problem zu sein, womit große Teile der russischen Bevölkerung verdammt unzufrieden sind. Wenn man dann auch diese "Verschläge" sieht, in denen noch ganze Familien hausen, ist das verständlich.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 20. Oktober 2020 05:29

      ... das Problem der "Betrogenen Anteilseigner" ist so gut wie gelöst - per Gesetz. Man hat lange gebraucht - aber es ist jetzt recht solide organisiert.

      Gebaut wird in Russland unheimlich viel. Gegenwärtig gibt es sogar ein Programm der staatlichen Hypothekenförderung ... da beginnt ein wahrer Ansturm auf Wohnungen ... Aber Versäumnisse der Vergangenheit brauchen natürlich ihre Zeit ... und natürlich gibt es auch Leute, die trotz aller Vergünstigungen und Förderungen nicht in der Lage sind, sich neuen Wohnraum zu leisten ... Es wäre ja auch zu schön, wenn mit einem Fingerschnipsen über Nacht ein Problem gelöst werden könnte...

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