Putins Uhr, Putins Datum, Putins Wahl

Putins Uhr, Putins Datum, Putins Wahl
 
Russische Medien berichteten am 17. September, dem ersten Tag der dreitägigen russischen Wahlen zur Staatsduma, den Regionaldumen und anderen Volksvertretungen über Putins Wahl, Putins Uhr und Putins vernachlässigtes Uhrendatum.
 
 
Natürlich haben alle politisch Interessierten den wenige Sekunden kurzen Beitrag gesehen, der von den russischen Medien am 17. September, dem ersten Tag der russischen Wahlen verbreitet wurde und der zeigte, wie Putin in seinem Arbeitszimmer zu seinem Schreibtisch ging, sich in seinen Arbeitsstuhl setzte, mit einigen Tastenklicken sich in sein elektronisches Kabinett auf der Wahlplattform einklickte und dann sein Wahlrecht wahrnahm.
 
Für mich, als Deutschen in Russland, mit doppelter Staatsbürgerschaft, ein neidvoller Anblick, denn in Deutschland darf ich weder elektronisch, noch klassisch-konservativ durch Besuch eines Wahllokales wählen. Für mich hat der Bundestag im Jahre 2013 beschlossen, dass ich die Rechte des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr nutzen darf. Wie würde jetzt der phlegmatische Russe sagen: Nu, i chren s nimi.
 
Dafür darf ich mein Wahlrecht in Russland erstmals nutzen und werde dies auch am Sonntag tun und natürlich darüber berichten.
 
Aber ich weiche vom Thema ab, denn viele Russen, die den Präsidenten bei seiner verantwortlichen Abstimmung beobachtet haben, haben auch seine Uhr gesehen: Rund, schwarz mit unspektakulärem randgenähtem Lederarmband.
 
 
Spektakulär war allerdings das Datum seiner Uhr. Es zeigte die Zahl 10, obwohl es bereits der 17. war. Das ließ natürlich wieder viel Raum für Spekulationen zu. Zum Glück erwähnte der russische Präsident in seinen anschließenden kurzen Worten, dass er sein Wahlrecht unter den Bedingungen der Quarantäne wahrnimmt. Und in die Selbstisolierung hat sich der russische Präsident erst vor zwei oder drei Tagen begeben, so dass die Erklärung des Pressesprechers des Präsidenten durchaus glaubhaft klingt.
 
Peskow sagte, dass der russische Präsident keine Aufmerksamkeit auf das Datum seiner Uhr verwendet. Für Putin ist wichtig zu wissen, was die Uhr selber geschlagen hat. Er konzentriert sich nur auf die Zeiger.
 
Nun könnte man natürlich dem Präsidenten empfehlen, zukünftig eine Uhr ohne Datumsanzeige zu kaufen. Die ist dann sicherlich preiswerter. Oder man könnte anregen, dass einer der Gehilfen des Präsidenten vielleicht einmal alle zwei Monate das Datum der Uhr zum Monatsanfang anpasst, dann würde man zukünftigen Gerüchten und Mutmaßungen aus dem Wege gehen.
 
Und es tauchten noch andere Fragen auf.
 
Alle in Russland wissen, dass der russische Präsident kein Mobiltelefon hat. Wie kann er sich dann aber in sein Kabinett auf der Wahlplattform einloggen? Immerhin erhält er über ein Mobiltelefon den notwendigen Pin-Code. Aber auch hier hatte Peskow eine Erklärung. Ein Gehilfe des russischen Präsidenten musste sein Mobiltelefon zeitweilig opfern. Bleibt nur zu hoffen, dass die Wahlplattform auch das Telefon des Gehilfen als vertrauenswürdig kennt, denn normalerweise sind die Plattformen immer mit einem Bestandstelefon verknüpft um Missbrauch über Dritttelefone nicht zuzulassen.
 
 
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Kommentare ( 7 )

  • Hannelore Jülicher Nehme

    Veröffentlicht: 19. September 2021 22:28 pm

    Also, ich würde sagen, dass seine Uhr ca. 15:20 anzeigt... ?!

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 20. September 2021 05:22

      ... und die Datumszahl 10 am 17. September.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 21. September 2021 13:25 pm

    Da kann ich mich doch erinnern, daß es vor einigen Jahren sogenannte Journalisten waren, die wegen der erspähten Armbanduhren des Präsidenten und seines Pressesprechers irgendwelche ganz teure Dinger an den Armen der beiden entdeckt haben wollen, die nicht zum Einkommen der beiden und deren Steuererklärungen passen würden und so weiter. . .
    Das ein Smartphone abgehört werden kann, daß man es lokalisieren kann, das wissen diese Journalisten, die über solchen Unsinn schreiben, doch ganz genau. Wenn nicht, haben sie die Affäre Obama - Merkel verschlafen.
    Also, was macht der kluge Präsident? Irgendein leitender Mitarbeiter hat eins der diensthabenden Smartphones dabei. Aber keiner der Hacker, der da peilt, weiß, welches ist es denn nun. Solche Spielchen konnten sie mit der Smartphone-verliebten Merkel machen, aber doch nicht mit einem ex-Oberst des russischen Geheimdienstes. Es sind nur die üblichen dummen Journalistenspielchen. Über irgend etwas müssen die ja schreiben.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 21. September 2021 13:32

      ... natürlich, auch Journalisten müssen Geld verdienen. Und "Putin" ist nun mal das Wort, was sofort Geld in die Kassen spült ... sogar Blogger können das bestätigen.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 22. September 2021 19:19 pm

    Damit es keinen Dienstgrad Neid gibt - in Dresden war Putin Major

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 22. September 2021 20:53

      ... richtig. Aber das Leben ging ja weiter und Putin war dann, bevor er Ministerpräsident wurde, Direktor des FSB ... wohl dann schon in einem anderen Dienstgrad.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 23. September 2021 09:53 pm

    Ich habe das nur erwähnt, weil sogar in meinem Umfeld Bundesbürger glaubten, ihn schon zu DDR Zeiten in die Ebene von Bush-Vater, Rumsfelld und Konsorten erheben zu müssen, um somit eine besonders schwerwiegende Rolle zu definieren.
    Russischer Geheimdienst - verabscheuungswürdig, menschenrechtverachtend - die ganze Partitur also.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. September 2021 09:59

      ... ja, die Diskreditierung von Führungspersönlichkeiten ist ja immer einer der ersten Schritte, um das Land zu destabilisieren. In Ermangelung von Originalquellen - sprich Informationen aus russischsprachigen Quellen, glaubt man natürlich dem, was in deutscher Sprache angeboten wird. Wir leben damit ... und ... wie hatte Putin einmal gesagt:

      https://www.youtube.com/watch?v=qAoChj96BXM&list=PL4tkeYBmfR1GmFH6-kpulFpq35CJC_oPm&index=50

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 25. September 2021 01:39 pm

    "Ich habe das nur erwähnt, weil sogar in meinem Umfeld Bundesbürger glaubten, ihn schon zu DDR Zeiten ..."
    Ах Товарищ Амплер, - wir - werden das nicht mehr ändern. Dem großen Franzosen Charles de Gaulle wird der Ausspruch zugeschrieben,
    "Wir haben eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg“. Genauso sehe ich das. Es braucht aber Zeit. Außerdem war unter anderem viel Verrat vom Großen Bruder Michail G. mit im Spiel.
    So viel ich weiß, genießt er im eigenen Land einen nicht guten Ruf. Черт с ним.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 25. September 2021 05:26

      ... richtig, der Genosse Gorbatschow genießt einen denkbar schlechten Ruf und es werden gegenwärtig möglichst viele Stimmen gesammelt, um ihn wegen Landesverrat anklagen zu können.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 3. Oktober 2021 14:26 pm

    Leider könnte ich ihn nur als Nebenkläger belangen, und das ist mir zu aufwändig.
    Erinnere ich mich da richtig, daß über dem "Teufel" noch ein Betonungszeichen stehen sollte?

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 3. Oktober 2021 16:18

      ... habe ich jetzt nicht verstanden.

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 4. Oktober 2021 10:13 pm

    Falls Ihr Unverständnis den Teufel betrifft (Tschert s nim) meinte ich das betonte "e" - mein schwarzer Kater heisst "Tschorny".
    Im anderen Fall ist Gorbatschow letztendlich dafür verantwortlich, daß mein Land strafrechtlich gegen mich vorgehen konnte - deshalb Nebenkläger.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 4. Oktober 2021 10:20

      ... gut, verstanden.

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