Russischer exStaatsanwalt geht gegen Michael Iwanowitsch Kalinin vor

Russischer exStaatsanwalt geht gegen Michael Iwanowitsch Kalinin vor

 

Die Person von Michael Kalinin, dem Namensgeber der Stadt Kaliningrad und vieler anderer Städte, Dörfer, Plätze, Straßen und Einrichtungen, ist in Russland nicht unumstritten. Die in Russland herrschende und im Westen angezweifelte Meinungsfreiheit erlaubt es, dass Kalinin durch seine Landleute drastisch unterschiedlich beurteilt und tituliert wird.

 

 

Nun gibt es einen ehemaligen russischen Staatsanwalt, welcher in seiner aktiven Zeit als Staatsanwalt  für besonders wichtige Angelegenheiten, in der Generalstaatsanwaltschaft tätig war und der gegen Kalinin vorgehen will.

Der exStaatsanwalt Igor Stepanow hat in Moskau eine Straße mit der Bezeichnung „Kalinin-Straße“ gefunden. Die Kalinin-Straße umfasst insgesamt sieben Privathäuser und Wirtschaftsgebäude. Stepanow schlägt vor, diese Straße umzubenennen und ihr den Namen General Wassili Rewjakin, einem ehemaligen Kommandanten der Stadt Moskau während des Großen Vaterländischen Krieges zu geben.

Der ehemalige Staatsanwalt ist in Russland bekannt für sein Engagement im Kampf für die Interessen der Opfer des Bolschewismus. Er hatte in der Vergangenheit bereits gefordert, ein Ermittlungsverfahren gegen Joseph Stalin einzuleiten. Weiterhin schlug er vor, den erschossenen Konterrevolutionären im Gebiet Nischni Nowgorod ein Denkmal zu widmen. Nach seiner Aussage, sind mehr als 20 seiner Familienmitglieder sowjetischen Repressionen ausgesetzt gewesen. Im wesentlichen handelte es sich um Kirchendiener. Er habe häufig die Unterschriften von Kalinin unter Dokumenten gesehen, die sich mit dem Genozid befassten, deren Opfer seine Familienangehörigen geworden sind – so der exStaatsanwalt.

Der Moskauer Stadtverwaltung wurde ein entsprechendes Schreiben Stepanows zugeleitet, in dem der Jurist detailliert aufführt, weshalb Kalinin nicht Namensgeber für diese Straße sein darf. Die Stadtverwaltung hat den Brief entgegengenommen und wird sich mit dem Gesuch während der nächsten planmäßigen Arbeitssitzung beschäftigen – verlautete aus dem Bürgermeisteramt.

Russische Medien kommentieren, dass es in Moskau eine sehr große Anzahl von Straßen, Plätzen und sonstigen Einrichtungen gibt, die Namen von sowjetischen Persönlichkeiten tragen, die auch in der Stalin-Zeit tätig waren. Sollte die Stadtverwaltung dem Ersuchen des exStaatsanwaltes nachkommen, so würde dies ein Präzedenzfall für die Umbenennung von hunderten, vielleicht sogar tausenden oder zehntausenden Straßen und Plätzen, nicht nur in Moskau, sondern in ganz Russland sein. Mit anderen Worten, es würde eine End-Sowjetisierung vorgenommen werden.

Weiterhin hat sich Stepanow an den Leiter der Republik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow gewandt und diesen darauf aufmerksam gemacht, dass es in seiner Republik eine Siedlung mit dem Namen Kalinin gibt. Auch eine Straße in der Hauptstadt Grosny trägt diesen Namen. Bisher steht eine Antwort aus.

Ebenso hat der exStaatsanwalt an die Stadtverwaltung in Kaliningrad geschrieben. Hier liegt bereits eine Zwischenantwort vor. Die Stadtverwaltung bittet darum, alle notwendigen Dokumente zu übergeben, die notwendig sind für eine begründete Umbenennung der Stadt.

Stapanow kommentierte, dass er versuchen werde, alle geforderten Dokumente beizubringen, aber da er alleine ist, wird er vermutlich nicht alles schaffen.

Russische Medien kommentieren, dass es bereits im Jahre 2015 in einem Stadtbezirk den Versuch gab, eine Metro-Station umzubenennen. Es wurde im Forum „Aktive Bürger“ eine Abstimmung durchgeführt. Die Mehrheit sprach sich gegen eine Umbenennung aus.

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