Russlands Medien – Staatssprachrohr, liberales Gedankengut, ausländischer Medienagent

Russlands Medien – Staatssprachrohr, liberales Gedankengut, ausländischer Medienagent
 
Wohl kaum ein Deutscher schaut in Deutschland russisches Fernsehen oder nutzt die Informationsmöglichkeiten des russischsprachigen Internets. Die Befriedigung des Wissensdurstes über Russland scheitert häufig an fehlenden Sprachkenntnissen. Somit gibt es keine oder nur sehr oberflächliche Kenntnisse über das, was die russischen Medien, egal ob staatsnah, liberal oder als ausländischer Medienagent, an Informationen verbreiten. Ich will versuchen, Ihnen die russische Medienrealität ein wenig näher zu bringen.
 
 
„Kommersant“ informiert über eine Analyse von „Mediascope“ zum Nawalny-Video „Putins Palast“. Im Zeitraum vom 19. bis 31. Januar haben über 100 Mio. dieses Video weltweit angeklickt. Bis zur letzten Sekunde gesehen haben diesen Film aber nur 3,4 Mio. Zuschauer. 97 Prozent haben vorzeitig das Video beendet. 15 Mio. Zuschauer haben den Film länger als 30 Sekunden geschaut, 11,6 Mio. länger als zwei Minuten.
 
Medwedjew, der ehemalige russische Premier und jetzige stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates informierte, dass das Ru-Net vollständig einsatzbereit ist. Für den Fall, dass das von den USA kontrollierte Internet für Russland gesperrt wird, hat Russland für seinen nationalen Bedarf sofort einen Ersatz, der das Funktionieren aller lebenswichtigen Elemente der Wirtschaft und Sicherheit des Landes garantiert. Medwedjew hofft allerdings, dass eine Umschaltung niemals notwendig sein wird.
 
Das Europäische Gericht für Menschenrechte hat im Jahre 2020 von russischen Bürgern 30 Prozent weniger Klagen entgegengenommen, als im Jahre 2019. Darüber informiert das Europäische Gericht. Russland besetzt mit der Anzahl von Klagen Platz 24 innerhalb der Staaten des Europarates. Um 7 Prozent rückläufig sind Entscheidungen des Gerichtshofes, die gegen Russland gerichtet sind. 14 Prozent aller Klagen wurden außergerichtlich entschieden.
 
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat im Januar ein Urteil gegen Russland gefällt. Vier, zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilte Verbrecher, hatten Russland verklagt, weil ihnen zu lange Handschellen angelegt worden waren. Das Gericht gab den Klägern recht und verurteilte Russland zur Zahlung von Entschädigungen bis zu 3.000 Euro. Seit Mitte 2020 gilt in Russland eine neue Verfassung, die nationales Recht über internationales Recht stellt. Somit bleibt es im Ermessen Russlands, die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zu erfüllen oder nicht.
 
Präsident Putin hat das Oberste Gericht Russlands und das russische Justizministerium gebeten, sich gemeinsam der Frage über die Einrichtung eines russischen Gerichtshofes für Menschenrechte zu stellen und ihm entsprechende Empfehlungen bis zum 1. Juni 2021 zu unterbreiten. Der Präsident folgt damit einer Bitte des Rates für Menschenrechte beim russischen Präsidenten während eines Treffens Ende 2020. Mit der Schaffung dieses Gerichtes entsteht eine Parallelbehörde zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Man kann davon ausgehen, dass Russland nach Einrichtung dieses Gerichtshofes seine Mitgliedschaft im Europarat und weiteren internationalen Organisationen überdenkt.
 
Der russische Präsident Putin hat angewiesen, weitere Maßnahmen zur Regulierung der Arbeit internationaler IT-Firmen einzuleiten. Es geht um solche Firmen wie Facebook, Youtube und ähnliche Sozialmedien, die gezwungen werden sollen, in Russland eine eigene Niederlassung zu gründen. Russland hat somit im Streitfall einen konkreten russischen Ansprechpartner und auch einen Ansprechpartner der verantwortlich ist für die Umsetzung staatlicher Forderungen und der russischen Gesetzlichkeit. In dem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Russland intensiv an der Schaffung von Alternativen für Facebook und Youtube arbeitet, die noch in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen sollen.
 
Wieder hat der russische Sicherheitsdienst FSB in 19 Regionen illegale Waffenwerkstätten ausgehoben, 43 Personen verhaftet und 200 Stück Waffen verschiedenster Art beschlagnahmt. Zu den beschlagnahmten Waffen gehörte ein 50-mm-Granatwerfer und eine 45-mm-Kanone.
 
Und zum Schluss noch eine weniger wichtige Information. Soeben hat das Moskauer Gericht in der Angelegenheit der Verletzung der Bewährungsauflagen durch den russischen Bürger Alexej Nawalny das Urteil gefällt: 3,5 Jahre Kolonie.
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Kommentare ( 6 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 3. Februar 2021 03:00 pm

    "Wohl kaum ein Deutscher ..." Was bin ich nun? Von der Geburt an ein Deutscher ... , vom Herzen her, Ihr wißt es alle, die meine Kommentare gelesen haben und kann auch nicht gegen meine Gefühle für dieses Große Land an.
    "Putins Palast" - ich verstehe eines nicht, wie man sich so eine Gelegenheit entgehen läßt, diesen Verleumder unter einem meinetwegen reißerischen Titel dermaßen vorzuführen, daß es selbst den aktivsten Unterstützern zu heiß wird, Nawalny weiterhin die Stange zu halten. es ist doch offensichtlich, daß der film nicht von Nawalny an sich erschaffen wurde, er aber durch seine Kommentare sich wirklich zum Ami-Clown machte.
    Einen handfesten, beweisbaren Film über Nawalny erstellen mit all seinen "Vorzügen", Erfahrungen, fragwürdigen Besitztümern oder auch seiner Mitarbeitertruppe und natürlich seinen wohl sehr engen Beziehungen zu deutschen Regierungsstellen mit der entsprechenden Wertung als auch den US-Regierungsstellen. Das dürfte doch nicht so schwer sein.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 3. Februar 2021 05:53

      ... ja, für uns Außenstehende ist es unverständlich, warum Russland - ein Land, dem man große propagandistische Fähigkeiten nachsagt, in dieser Angelegenheit anscheinend versagt ... oder, sagen wir es etwas versöhnlicher, seine Möglichkeiten zum medialen Gegenangriff, nicht nutzt. Vermutlich will man die "ruhige Hand" zeigen. Aber die ruhige Hand wird dadurch relativiert, dass Navalnys Horden auf den Straßen den westlichen Kameras genügend Material für das "undemokratische und diktatorische" Verhalten des Putin-Russlands liefern.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 3. Februar 2021 03:21 pm

    Nun hat Ljoscha wohl die bereits angebrannte Suppe seiner damaligen Verurteilung von vor ein paar Jahren ausgefaßt. Kann er echt zufrieden damit sein, da die Richterin das Ganze auf fast 50% verringert hat. Aber der Hauptgang und das Kompott seines Wirkens wartet ja noch auf ihn. Bis dahin wird das Regime-Change-Interesse an dem gealterten Nawalny schon längst erloschen sein. Er kann nichts mehr bewirken, außer für die Begleichung seiner Geldstrafe zu wirken. Er ist eben nur ein krimineller Politdarstelle, der sich wohl selbst als Herrausforderer für das Präsidentenamt sieht. Scheinbar meint er ein Vaclav Havel zu sein. Mehr wird er niemals sein, auch wenn seine jetzigen Mitstreiter meinen, das Feuer der Dissidenz am Lodern halten zu müssen. Ist ja verständlich, woher wollen diese Leute, Fans und Mitarbeiter eines westlich aufgebauten Umsturzidols ihren monatlichen Lohn erhalten? Die bisherigen Sponsoren haben wegen Erfolglosigkeit das Portomonaise meist zugemacht.

  • Steffen Häger

    Veröffentlicht: 3. Februar 2021 10:03 pm

    Hallo, Herr Niemeier,
    danke für den kurzen Nachrichtenüberblick. Das erspart mir viel Zeit. Muss mich heute nicht durch die russische Medienlandschaft zu kämpfen.
    Die noch schlechten Russischkenntnisse behindern mich sehr. Die letzte ( unwichtige) Meldung war die schönste und hat mein Stimmungsbarometer um 200 % steigen lassen.
    Von Youtube habe ich auch eine "Belobigung" bekommen. Meine Kommentarfunktion wurde vollständig gesterrt.
    Habe sicher zu viele prorussische Kommentare geschrieben.
    Grüsse aus Norwegen

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 3. Februar 2021 10:05

      ... ja, auch ich warte auf die angekündigte russische Youtube-Alternative ...

  • Gego Tschetoch

    Veröffentlicht: 3. Februar 2021 13:27 pm

    Es ist für mich beruhigend zu lesen, dass Russland fundamental und umfassend seine "Selbständigkeit" anstrebt. Weiter so, kann ich nur sagen... und immer schön in dem Bewusstsein, dass ein großer Teil der Russischen Föderation und sein kleiner Nachbar Belarus ebenfalls zum Europa des Jahres 2021 gehören. Die Vertreter der EU vergessen das allzuleicht, wenn sie von Europa sprechen. Aber diese Ansicht ist mittlerweile als altmodisch und rückständig zu betrachten... finde ich!

  • Hans-Otto Bathke

    Veröffentlicht: 11. Februar 2021 00:11 pm

    Moin moin Herr Niemeier
    Leider muss ich Ihnen recht geben.
    Sehr mangelhaft ist die Ausbreitung sprachkundiger Personen. Sicherlich fehlen derartige Kenntnisse.
    Im täglichen Konsum deutscher Medien ist es sehr schwierig sich eine realistischen Haltung zu bewahren.
    Durch jahrelanges Training gelang es der Regierung das Volk oder besser Teile des Volkes zu einer Medienhörigkeit zu erziehen die sondergleichen ist. Die gängigsten Kanäle wurden und werden derart beeinflusst, dass dass verbreitet wird was regierungskonform ist. Durch die Erziehung in der Schule und in Ergänzung durch die Medien werden, meist jüngere Menschen, zu einer Art "deutscher Michel" gemacht.
    Davon zeigt eindeutig das Verhalten in der jetzigen Corona Kriese. Ein großer Teil wird nach hause verbannt, ihnen werden die Grundrechte aberkannt bzw. verweigert und diese Menschen sehen es als gut und richtig an. Ob sie diese wiederkriegen oder nicht oder unter welchen Bedingungen wird ihnen tröpfchenweise verabreicht.
    --->

  • Hans-Otto Bathke

    Veröffentlicht: 11. Februar 2021 00:44 pm

    --->
    In D herrscht ein Denken von "12 bis Mittag" vor. Nicht groß nachfragen, schön still sein und obrigkeitshöhrig.
    Es ist m.E. nicht an uns Antworten zu geben sondern die richtigen Fragen zur eigenen Erkenntnis zu stellen.
    Russland ist für viele Menschen ein Land mit sieben Siegeln. Die Größe ist in Deutschland unvorstellbar. Die Denkweise und die Haltung zum Land können viele nicht erfassend. Vieles steht konträr zur Haltung des Deutschen. In meinen Begegnungen mit russischen Menschen habe ich viel gelernt, auf dem Roten Platz in der Schlange zum Mausoleum, in Hütten oder in Nobelschuppen.
    Ob alles richtig ist was wir machen sei dahin gestellt. Wir haben es aber versucht es besser zu machen.
    Die EU in der jetzigen Form wird immer wieder versuchen ihren Machtbereich aus zu dehnen. Aber, den Spruch sagte mir ein alter Sibirier "Man darf den Bären nicht teilen bevor man ihn erlegt hat."
    Leider hat D nicht gelernt oder es schon wieder vergessen was ´45 war.

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