Unangenehmes zwischen Weißrussland und Russland: Wagner-Kämpfer verhaftet

Unangenehmes zwischen Weißrussland und Russland: Wagner-Kämpfer verhaftet
 
Seit zwei Tagen füllen sich die Spalten der russischen Medien, die über einen äußerst unangenehmen Vorfall zwischen Russland und Weißrussland berichten. Beide Seiten halten sich aber mit direkten Anschuldigungen zurück. Aber der Fakt stimmt, dass der weißrussische KGB mindestens 32 Personen verhaftet hat, die in irgendeinem Verhältnis zu Russland stehen.
 
 
Die Medien nennen unterschiedliche Zahlen: 32 oder 33 bereits verhaftete Kämpfer und noch weitere 170 Kämpfer, die sich irgendwo in Weißrussland aufhalten oder verstecken sollen.
Nicht alle sollen die russische Staatsbürgerschaft haben, aber alle sollen Mitglieder der privaten Militärorganisation „Wagner“ sein.
 
Nun ist es schon lange ein offenes Geheimnis, dass auch Russland über private Militärorganisationen verfügt. Diese sind zwar in Russland verboten, aber wo kein Kläger, da auch kein Richter.
 
Videobegleitung: Erster Kanal, Weißrussland - Einsatz und Verhaftung von Wagner-Kämpfern
 
Die Wagner-Organisation wird überall dort eingesetzt, wo Russland offiziell als internationales Subjekt nicht auftreten darf oder will. Und um zu ihren Einsatzorten zu gelangen, gibt es für die Kämpfer unterschiedliche Möglichkeiten. Es ist auch kein Geheimnis, dass Weißrussland als Transitland oder Umsteigebahnhof für die Kämpfer fungiert – und dies nicht erst seit gestern.
 
Mit diesem Wissen ausgestattet und mit ein wenig kühlem Kopf ist man in der Lage, die Meldungen, die in den russischen und weißrussischen Medien verbreitet werden, vielfältig zu interpretieren.
 
Wir rufen uns in Erinnerung, dass am 9. August in Weißrussland Präsidentenwahlen stattfinden. Es sieht nicht besonders gut aus für Lukaschenko. Seine Mitwettbewerber haben anscheinend Popularität im Volk und die Gefahr, dass Lukaschenko nicht wiedergewählt wird, scheint wohl doch real zu sein.
 
Da kommen dann natürlich die rund 200 Wagner-Kämpfer, die sich in Weißrussland aufhalten, um von dort irgendwohin in die Welt weiterzufahren oder zu fliegen, gerade recht. Man konstruiert daraus den Fakt, dass diese Truppe sich in den Wahlkampf einmischen soll – wenn dies nötig ist. Und was für ein Glück, dass man das noch rechtzeitig aufgedeckt hat. So kann man Sicherheitsmaßnahmen einleiten. Absagen will Lukaschenko die Wahlen nicht, aber das Internet, das könnte man abschalten – so verlauten Informationen.
 
Lukaschenko hat seinen Sicherheitsrat sofort einberufen, um die entstandene Lage zu besprechen. Der russische Botschafter wurde einbestellt und der Kreml kommentierte, dass man noch kein vollständiges Bild von dem habe, was vorgefallen ist und somit nichts sagen könne.
 
Die Zentrale Wahlkommission Weißrusslands hat alle Kandidaten zur Präsidentenwahl – es sind neben Lukaschenko vier weitere Bewerber - einbestellt und gewarnt, dass es während der Wahlen zu Zwischenfällen kommen könne.
 
Die Kandidaten zeigten finsteren Humor, als sie von Journalisten befragt worden. „Auch wir könnten verhaftet werden … oder man lässt uns jetzt nicht mehr zur Wahl zu …“ so ein Kommentar. Ein weiterer Kandidat erschien in einem Sportkostüm, welches gewöhnlich Untersuchungshäftlinge im Gefängnis tragen. Ein dritter Kandidat erklärte offen seine Zweifel an der offiziell verbreiteten Version zum Zwischenfall.
 
Weißrussland arbeitet eng mit der Ukraine in dieser Angelegenheit zusammen. Es stellte sich heraus, dass ungefähr die Hälfte der Verhafteten bereits im Donbass gekämpft hatte und in der Ukraine hofft man nun auf Auslieferung durch Weißrussland.
 
Letztendlich bleibt aber eine Frage offen, wenn wir unterstellen, dass die Wagner-Gruppe speziell in Weißrussland eingesetzt wurde, um die Wahlen am 9. August zu begleiten.
 
Was sollte diese Gruppe dort tun? Um sich schießen? Die Wahlen verhindern, Entführungen vornehmen, einen nicht genehmen Wahlsieger verhaften …
 
Persönlich sehe ich keinen Sinn in einer derartigen Aktion, die so offensichtlich wäre – wenn sie denn stattfinden würde – dass man die ganzen westlichen Demokratien, an der Spitze mit den USA, für lange Zeit mit Argumenten füttern würde, dass Russland sich in die Wahlen anderer Länder einmischt.
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Kommentare ( 5 )

  • A. Bienenfreund

    Veröffentlicht: 30. Juli 2020 21:43 pm

    Batja zieht eine Show ab um seine Wiederwahl zu sichern und zerschlägt dabei einen großen Haufen Porzellan. Der Typ klebt dermassen an seinem Sessel, dass er lieber das Land den Maidan runtergehen lässt als auf Rente zu gehen und sich nur noch seinen Kartoffeln zu widmen.
    Die angeblichen "Wagnerleute" sollen für eine, in Belorussland registrierte.., privaten Securityfirma arbeiten und sollen auf dem Weg nach Lybien gewesen sein um dort Öleinrichtungen der Tripolisregierung zu bewachen.
    Das gibt ein paar Wochen unschönes Theater - 9. August ist Lukashenkowahl

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 31. Juli 2020 12:55 pm

    Glauben Sie ernsthaft, dass die belarussischen Sicherheitskräfte es wagen würden, russische Elitekämpfer ohne die Zustimmung der russischen Führung zu verhaften? Es ist nur ein gemeinsamer Karneval.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Juli 2020 13:55

      ... eine interessante Meinung. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, gehen Sie davon aus, dass Weissrussland kein souveräner Staat, sondern eine inoffizielle Republik der Russischen Föderation ist - richtig?

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 31. Juli 2020 15:22 pm

    Ich denke, dass Weissrussland in allen Angelegenheiten ein souveräner Staat ist.., mit Ausnahme des externen und internen Sicherheitbereichs.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Juli 2020 15:29

      ... wie kann ein Staat souverän sein, wenn er in Fragen der inneren und äusseren Sicherheit nicht souverän ist?
      Mit anderen Worten - Weissrussland darf souverän entscheiden, welche Kartoffelsorten angebaut werden ... habe ich Sie richtig verstanden?

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 31. Juli 2020 15:35 pm

    Wenn wir komplexe Fragen auf das Niveau eines schwachsinnigen Bauern vereinfachen, lautet die Antwort JA. Und Lukaschenko versucht ein Maximum an Souveränität für sein Land zu erhalten ... auch wenn die Tagespolitik eigentlich signalisiert, dass es besser und vorteilhafter wäre, in einem Staatenverbund zu leben und Probleme gemeinsam zu lösen ...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Juli 2020 16:18

      ... ich glaube nicht, dass Weißrussland von Leuten regiert wird, die das Niveau von schwachsinnigen Bauern haben. Wirkliche, also WIRKLICHE Souveränität haben in der Welt nur wenige Staaten ... ich glaube, Putin hatte das einmal festgestellt.

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 31. Juli 2020 17:15 pm

    Ich meinte das Verschwinden von so etwas wie der Souveränität des Staates, wenn die mächtigste Macht der Welt aufgrund des Einflusses von außen den Verlust von mehr als 150.000 Menschenleben erlitt. (USA) Und dies ist erst der Anfang ... Von nun an ist die Souveränität eines Staates auf dem Planeten Erde eine Illusion. Und nicht nur Putin hat das verstanden, sondern auch viele andere gebildete Menschen.

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