Die „Kleinen Feiglinge“ sollen aus Russland verschwinden

Die „Kleinen Feiglinge“ sollen aus Russland verschwinden

 

Erstmals, nach 30 Jahren Aufenthalt in Russland, hörte ich den Begriff „Tschekuschka“. Ich schaltete sofort alle von mir genutzten elektronischen Wörterbücher ein, um zu erfahren, was oder wer das ist und selbst „Yandex“ bot mir keine Übersetzung an. Ich war ratlos.

 

 

Aber dann las ich nicht nur die Überschrift eines Beitrages von „Kommersant“, sondern auch den Artikel selber. Und damit wurde mir sofort klar: „Tschekuschka“ ist ein „Mörsawtschik“.

Da ein Großteil meiner Leser und Zuschauer wohl auch mit dem Begriff „Mörsawtschik“ nichts anzufangen weiß, hier eine volkstümliche Übersetzung: „Der kleine Feigling“.

In Deutschland gibt es diesen „Kleinen Feigling“ in unterschiedlichen Mini-Abfüllungen – also eine praktische Abfüllung, für den Schluck „zwischendurch“. Auch in Russland gibt es diese kleinen Abfüllungen, aber nicht die ganz kleinen. In Russland beginnt der „Schluck für zwischendurch“ ab 250ml. Logisch, denn Russland ist ein großes Land und somit sind auch die Schlucke größer. Während ein Deutscher in Deutschland nach der Arbeit in der Kneipe um die Ecke ein Bier und einen Kurzen bestellt und der Wirt ihm dann ein Gläschen mit 20cl oder 40 cl hinstellt, wenn er ein Bier und einen Doppelten bestellt, fängt beim Russen das Glas ab 50 Gramm an – wobei niemand 50 Gramm bestellt – Sto Gramm, 100 Gramm ist der normale Standard.

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Somit erklärt sich auch, warum die kleinste Flasche in Russland 250 ml hat, denn nur 100 Gramm … nein, auf einem Bein kann man nicht stehen, schon gar nicht nach 100 Gramm, also 200 Gramm für zwei Beine und eine kleine Eiserne Reserve von 50 Gramm … so ist das in Russland.

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Und nun schockte die russische Behörde für Standardisierung die Bevölkerung mit der Information, dass es zum 1. Juli keine „Kleinen Feiglinge“ mehr geben soll. Das hängt damit zusammen, dass es neue Regeln für die Abfüllungen in Flaschen gibt. Es darf kein Alkohol mehr in Flaschen mit 250 oder 375 ml abgefüllt werden.

Der Schock war nicht nur bei den Verbrauchern groß, sondern auch bei den Produzenten, denn es gibt Hersteller, die fast die Hälfte ihrer Produktion in diese kleinen praktischen Taschenflaschen abfüllen.

Kommentiert wird, dass die Russen in den letzten Jahren experimentierfreudiger geworden sind, d.h. sie trinken nicht nur Wodka, sondern sind auch bereit, mal was anderes zu probieren, aber wollen nicht viel Geld für eine Literflasche ausgeben – „… a wdrug nje wkusno … vielleicht schmeckt es ja nicht …“. Da waren die kleinen Flaschen nicht nur praktisch zum Probieren, sondern auch kostengünstig.

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Nachdem die Wellen ausreichend hochgeschlagen waren in Russland, beeilte sich das russische Amt für Standardisierung mitzuteilen, dass diese neue Festlegung einen empfehlenden Charakter trägt und freiwillig ist. Somit ist klar, dass es wohl auch zukünftig in Russland die „Kleinen Feiglinge“ geben wird. Na dann: Prost und sa sdorowije.

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