Distanzarbeit – Russland entwickelt die Gesetzgebung

Distanzarbeit – Russland entwickelt die Gesetzgebung
 
In Russland will man die Kosten erstatten, die einem Arbeitnehmer entstehen, wenn dieser bei sich zu Hause arbeitet und nicht zentrale Büroräumlichkeiten des Arbeitgebers nutzt. Details dieser neuen Regelung sind durchaus interessant.
 
 
Zuerst dachten die Abgeordneten der Duma über eine Möglichkeit nach, die russische Arbeitsgesetzgebung zu vervollständigen. Anlass hierzu waren die neuen Bedingungen, die die Corona-Krise diktierte. Sie erarbeiteten einen Gesetzentwurf, welcher vorsieht, dass diejenigen, die nicht in Büroeinrichtungen des Arbeitgebers arbeiten, entstehende Kosten für sich geltend machen können.
 
Interessant dabei ist, dass in dem Gesetzentwurf nicht vom „Home-Office“ gesprochen wird, sondern von „Distanz-Arbeit“, denn der Gesetzentwurf bezieht sich auf bereits bestehende Regelungen zur Distanzarbeit, wo es dem Arbeitgeber verboten wird, den Standort des Arbeitnehmers zu ermitteln, um festzustellen, wo er konkret arbeitet.
 
Videoeinspielung: Blauer Strand in Jantarny
 
Es besteht also in Russland durchaus die Möglichkeit, dass Iwan Iwanowitsch oder Tamara Nikolajewna am Blauen Strand im idyllischen Kaliningrader Badeort „Jantarny“ liegen und dort vielleicht die Quartalsbilanz der Firma erstellen oder ein Marketingprojekt für den optimaleren Verkauf von geschmacklosem Naturkaugummi erarbeiten.
 
Das russische Arbeitsministerium hat dem Gesetzentwurf der Duma-Abgeordneten bereits zugestimmt.
 
Übrigens wurde das Gesetzprojekt nicht von irgendwelchen Duma-Abgeordneten erarbeitet, sondern vom Vorsitzenden der Staatsduma Wjatscheslaw Wolodin und der Vorsitzenden des Föderationsrates, der Oberkammer der Duma, Walentina Matwijenko. Beide erklärten, es gehe darum, die Rechte der russischen Arbeitnehmer besser zu schützen, die Distanzarbeit ausführen.
 
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass der Arbeitnehmer mit seinem Arbeitgeber vertraglich aushandelt, welche Kosten der Arbeitgeber übernimmt oder erstattet. Hierbei geht es um Kosten für Strom, Amortisierung von PC-Technik, Kosten für Verbrauchsmaterial usw. Man kann derartige Vereinbarungen aber auch im Arbeitsvertrag aufnehmen, wenn beide Seiten dies für sinnvoll halten. Der Vielfalt möglicher Vereinbarungen werden keine Grenzen gesetzt. Das, was beiden Seiten nutzt, soll getan werden.
 
Weiterhin soll das Gesetz die Arbeitnehmer davor schützen, dass ihre Arbeitskraft rund um die Uhr ausgenutzt wird. Einen 24-Stunden-Arbeitstag soll es nicht geben. So sieht der Gesetzentwurf die genaue Definition von „Freizeit“ und „Kernarbeitszeit“ vor, in Russland allerdings bezeichnet als „Zeit der Zusammenarbeit.“ In den Vereinbarungen, die zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgeschlossen werden, darf es keine Festlegungen zu einem konkreten „Distanz-Arbeitsort“ geben.
 
Videoeinspielung: Szenenausschnitt aus sowjetischer Kino-Komödie
Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung