Vergessene russische Schätze

Vergessene russische Schätze
 
„Tote Schätze“ titelt die „Komsomolskaja Prawda“ einen Beitrag und meint damit natürlich die Bankeinlagen der armen Russen, die mit der Zeit in Vergessenheit geraten sind, sich aber zu Milliardenbeträgen angehäuft haben.
 
 
Genaue Angaben, also so, wie es die Buchhaltung eigentlich erfordert, gibt es nicht, da die Banken nicht daran interessiert sind, Auskünfte zu geben und diejenigen, denen das Geld gehört nicht wissen oder vergessen haben, dass es ihnen gehört.
 
Grafik: Lizenzentzüge durch die russische Zentralbank
 
Nun hat die russische Zentralbank seit Mitte 2013 angefangen, den Bankensektor radikal aufzuräumen. Hunderte Banken haben ihre Lizenz verloren und die Nachlassverwalter dieser Banken haben natürlich im Bestand dieser Banken auch Konten gefunden, um die sich seit vielen Jahren niemand mehr gekümmert hat. Gründe sind unterschiedlich. Man hat es einfach vergessen oder Aufwand und Nutzen der Auflösung des Kontos stehen in keinem Verhältnis. Der Besitzer kann aber auch verstorben sein und die Erben wissen nicht, dass ein derartiges Konto existiert.
 
In der Mehrzahl der Fälle haben diese Konten nur einen geringen Bestand, ein paar hundert, vielleicht ein paar tausend Rubel. In den Banken, die ihre Lizenz verloren haben, haben sich diese paar Rubelchen auf die stattliche Summe von 10 Milliarden Rubel angehäuft. Diese Summe steht unumstößlich fest und ist belastbar. Diese Summe teilt sich unter fünf Millionen Konteninhabern auf. Somit ist klar, dass es sich im Durchschnitt um 2.000-Rubel-Konten handelt.
 
Rund 30 Prozent aller russischen Banken haben seit Mitte 2013 ihre Lizenz verloren. Zwei Drittel existieren noch und somit kann man davon ausgehen, dass die Summe der vergessenen Bankeinlagen mindestens drei Mal so hoch ist, also 30 Milliarden. „Komsomolskaja Prawda“ bringt sogar Summen von bis zu 300 Milliarden, die sich, auch bedingt durch Zinsen und Zinseszinsen angesammelt haben sollen. Aber diese Zahl, so schreibt die Zeitung, ist nicht belastbar – reine Statistik.
 
Grafik: Anzahl der gegenwärtig aktiven russischen Banken
 
Steht die Frage, wenn schon die Kunden der Bank sich nicht um das Geld kümmern, warum die Bank keinen Kontakt mit den Kunden aufnimmt? Immerhin ist es für die Bank eine technische Kleinigkeit zu sehen, dass sich jahrelang niemand um ein Konto kümmert. Da könnte man zumindest mal nachfragen: „Kak dela“ („… wie geht´s)
 
Die Banken sagen, dass der Aufwand zu groß ist. Wenn man aber bedenkt, wieviel Millionen SPAM-Anrufe die Banken tätigen, um neue Kunden zu werben, so ist dieses Argument wenig belastbar.
 
Videoeinspielung
 
Die Banken nutzen ganz einfach die Unzulänglichkeiten der russischen Gesetzgebung und diese verpflichtet die Banken nicht, nach Besitzern von Konten zu suchen. Und für die Banken selber sind derartige Konten, wo das Geld einfach nur liegt und sich niemand drum kümmert, ein wahrer Leckerbissen. Man kann gut damit arbeiten – es ist billiges Geld.
 
Videoeinspielung
 
Wenn die Banken Ordnung schaffen wollten, so könnten sie es, denn das Bürgerliche Gesetzbuch gibt den Banken die Möglichkeit, Kunden anzuschreiben, auf deren Konten sich zwei Jahre lang nichts getan hat. Wenn der Kunde nicht reagiert, kann das Konto geschlossen und das darauf befindliche Geld der Zentralbank übergeben werden. Aber die Banken tun dies nicht – eben aus den o.g. Gründen.
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