Wieviel Geld braucht ein Russe um zufrieden zu sein?

Wieviel Geld braucht ein Russe um zufrieden zu sein?
 
Experten einer russischen Universität haben ein Forschungsprojekt veröffentlicht. Ziel war festzustellen, welches Einkommen sich Russen wünschen, um ein komfortables Leben zu leben. Die Vorstellungen der Russen differenzieren sich um 300 Prozent.
 
 
In meinem Bekanntenkreis gibt es Personen, die ein Einkommen von 25.000 Rubel haben und mit dem Leben zufrieden sind. Und ich habe Bekannte, denen eine Million Rubel nicht ausreicht, um ein komfortables Leben zu führen.
 
Schauen wir auf die Statistik, so betrug das Durchschnittsgehalt der Russen im Jahre 2020 rund 51.000 Rubel.
 
Grafik: Entwicklung Durchschnittsgehalt
 
38,5 Prozent aller Befragten meinten, dass für sie die Summe 50-70.000 Rubel ausreicht, um ein komfortables Leben zu leben. 24,3 Prozent brauchen schon wesentlich mehr Gehalt, um komfortabel zu leben. Sie wollten ein Gehalt zwischen 80-100.000 Rubel. 16,5 Prozent leben komfortabel mit einem Gehalt zwischen 120-150.000 Rubel. 150-200.000 Rubel brauchen 11,4 Prozent aller Befragten für ein komfortables Leben und lediglich neun Prozent brauchen mehr als 200.000 Rubel.
 
Grafik: Entwicklung Mindestlohn
 
Befragt wurden die Russen auch, wofür sie denn das Geld ausgeben. Die größten Ausgabenposten sind der Kauf von Lebensmitteln, die Mietkosten und die sogenannten Mietnebenkosten, d.h. Hausverwaltung und kommunale Dienstleistungen.
 
Befragungen in meinem Bekanntenkreis unter denen, die in den letzten Monaten, trotz Corona-Krise, im größten Land der Erde Reisen unternommen haben, hatten ergeben, dass die Preisunterschiede, sowohl für Lebensmittel, wie aber auch für das Wohnen, erheblich sind. Alleine bei einem Besuch in St. Petersburg, der Hauptstadt der NordWest-Verwaltungsregion, zu der auch Kaliningrad gehört und wo somit ein direkter Preisvergleich bei Lebensmitteln möglich ist, ergab, dass die Preise um zehn bis zwanzig Prozent niedriger sind, als in Kaliningrad. Die Löhne und Gehälter in St. Petersburg sind aber höher – ein Widerspruch, der schwer erklärbar ist.
 
Höhere Preise für Lebensmittel lassen sich vielleicht teilweise mit der besonderen geopolitischen Lage Kaliningrads erklären. Aber die Haupterklärung finden wir wohl in Kaliningrad in der fehlenden Konkurrenz. Real existieren zwei Supermarktketten. Alle anderen Handelseinrichtungen sind Randerscheinungen. Schade, dass die russische Monopolkommission noch nicht auf diesen Umstand aufmerksam geworden ist.
 
Kosten für medizinische Dienstleistungen, für Bildung, für Reisen, Erholung und Kultur, belasteten bei den Befragten weniger das private Budget.
 
Interessant war auch die Erkenntnis, dass Kosten für Restaurantbesuche, aber auch für den Kauf von alkoholischen Getränken und für Zigaretten, das zur Verfügung stehende Budget der Befragten kaum belasten. Schaut man sich in den Restaurants und Cafés um, so sind diese immer gut besucht. Man könnte also schlussfolgern, dass die Kosten für ein Mittag- oder Abendessen in Russland doch recht erschwinglich sind.
 
Eigene Erfahrungen besagen, dass man für einen vernünftigen Restaurantbesuch pro Person, mit nur wenigen Getränken, 1.000 Rubel einplanen sollte. Das wären aber dann doch immerhin zwei Prozent der Summe, die der Durchschnittsrusse im vergangenen Jahr an Gehalt erhielt.
 
Eine weitere Erkenntnis der russischen Universität widerspricht allgemeiner Lebenserfahrung, welche besagt, dass mit zunehmendem Alter der Mensch bescheidener wird und weniger Ansprüche an das Leben hat. Die russische Plechanow-Universität stellte das genaue Gegenteil für die Russen fest, d.h. je älter der russische Mensch wird, um so mehr Ansprüche an das Leben hat er. Ab einem Alter von 45 Jahren, wachsen die Bedürfnisse um 50-60 Prozent.

 

 

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